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Dr. John, Anutha Zone, 1998

Produzent/ John Leckie

Label/ Virgin Records

Er war eben nie nur Sänger und Pianist, sondern immer auch Medizinmann und Voodoopriester, was sich in einem Stock mit kleinem Totenkopf als Knauf symbolisierte, den der Doc auch auf die Bühne schleppte. Die Popmusik muss heute nur noch sehr selten für spirituelle Eingebungen herhalten, aber New Orleans ist auch ein ganz spezieller Ort.

Im amerikanischen Süden pflegt man traditionell ein enges Verhältnis zu seinen Toten, der „Night Tripper“ musste sich als spiritueller Beistand also nicht zweimal bitten lassen, als das Schicksal im Jahr 2005 New Orleans und seinen Bewohnern hart zusetzte. Mac Rebennack galt nicht nur als musikalisches Gedächtnis von New Orleans, er war vor allem oberster geistiger Würdenträger seiner Stadt. Er war Voodoo-Priester und Big Chief in einem.

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Dr. John, Gumbo, 1972

Produzent/ Harold Battiste, Jerry Wexler

Label/ Atco Records

Dr. Johns Karriere geht bis in die Fünfzigerjahre zurück, als er in Big Bands Gitarre spielte. Zum Klavier wechselte er, nachdem ihm bei einer Eifersüchtelei unter Freunden beinahe ein Finger abgeschossen worden war. In Zeiten von Woodstock war er eine Hippie-Ikone: Dr. John, der Nighttripper, schmückte sich mit mächtigen Federbüschen, sang über Voodoo und mixte das Ganze mit Psychedelic. Auch die Texte waren seltsam: Wo hörte man sonst schon minutenlang einen Drogen-Haiku-Satz wie „Danse Kalinda Ba Boom“?

1972 hat Dr. John mit „Gumbo“ wieder zu seinen Ursprüngen in New Orleans gefunden, indem er etliche Klassiker der Musik-Stadt eingespielt hat: ob es Roy Byrd alias Prof. Longhair, Huey Smith, Earl King oder Ray Charles mit einem frühen Hit aus seiner New Orleans-Zeit ist – von „Iko Iko“, „Big Chief“, „Mess Around“, „Let The Good Times Roll“, „Tipitina“, „Stack-A-Lee“, „Those Lonely Lonely Nights“ bis zu einem Huey Smith-Medley wird alles geboten. Hervorragend instrumentiert und arrangiert, ist das Album einer von vielen Höhepunkten von Dr. Johns Karriere.

Der einzige „Schwachpunkt“: das Album wurde nicht in New Orleans aufgenommen, sondern in Kalifornien. Das hat der Nighttripper erst in seinem späteren Meisterwerk „Goin‘ Back To New Orleans“ korrigieren können, als er nach langen Jahren in New York anfangs der Neunziger nach New Orleans zurückkehrte. Warum wollte ein Journalist wissen. Es sei so, gab der Doktor zurück, frage man einen Musiker in New York, ob er beim nächsten Auftritt einspringen könne, sage der: „Was kannst du mir zahlen?“ Anders in New Orleans dagegen: „In welcher Tonart ist das erste Stück?“