Lucinda Williams, Down Where The Spirit Meets The Bone, 2014

Produzent/ Greg Leisz, Lucinda Williams, Tom Overby

Label/ Highway 20 Records

„Down Where The Spirit Meets The Bone“ erschien drei Jahre nach „Blessed“ und ist das erste Doppelalbum von Lucinda Williams. Das Album enthält zwanzig neue Songs, die wie immer zwischen Country, Folk, Blues und Rock changieren. Melancholisch steigen wir mit ihrer reifen, gealterten Stimme in die Platte ein: „Compassion“ ist ein wunderschönes nur mit einer Gitarre begleitetes Stück, das auf einem Gedicht ihres Vaters aufbaut und aus dem auch die Zeile stammt, unter dem das Album segelt.

Zu meinen Lieblingssongs gehört „Protection“, ein Rocker, der ordentlich fetzt und einen sehr schönen Refrain mit „I need protection from the enemy of love“ hat. Herausragend auch „One More Day“ mit herrlichen Bläsern. Mit den Gitarristen Bill Frisell, Tony Joe White und Wallflowers-Gitarrist Stuart Mathis hat Lucinda Williams eine feine Begleitband um sich geschart. Beim Gänsehaut-Song „It’s Gonna Rain“ ist dann auch der Sohn von „His Bobness“, Jakob Dylan, als Duett-Partner dabei.

Lucinda Williams, Happy Woman Blues, 1980

Produzent/ Mickey White, Lucinda Williams

Label/ Smithsonian Folkways

Back to the Roots führt uns dieses Album. Zurück zu den Wurzeln von Lucinda Williams. „Happy Woman Blues“ ist 1980 bei Folkway Records erschienen. Das Schallplattenlabel, 1947 von Moses Asch gegründet, war in den fünfziger bis siebziger Jahren eine der grössten unabhängigen Plattenfirmen in den USA. Der Katalog der Firma umfasste 2200 Titel. Dabei ist eine grosse Auswahl amerikanischer Folkmusik, anderer traditioneller Musikformen, Kinderlieder, World Musik, Literatur, Dichtung etc. Das Smithsonian Institut in Washington ist ein grosses staatliches Museum, das sich um die Erhaltung amerikanischer Kultur kümmert. Es hat den gesamten Katalog von Folkways übernommen und sorgt mit dem eigenen Label Smithsonian Folkways dafür, dass alle Titel weiterhin erhältlich bleiben.

„Happy Woman Blues“ ist das zweite Album von Lucinda Williams. Aufgenommen wurde es in den Sugar Hill Studios mit den Musikern Mickey White, Rex Bell, Andre Matthews, Ira Wilkes, Mickey Moody und Malcolm Smith. Es ist eine Sammlung von elf folkigen Eigenkompositionen. Alle sehr einfühlsam und zurückhaltend arrangiert, ganz nach Art amerikanischer Folktradition, In den Texten sieht man, wie Williams aus traditionellen Vorgaben heraus agiert, aber mit sicherem Gespür die alten Sujets mit ihren gegenwärtigen Belangen füllt. Zum Teil wirkt Lucinda hier noch etwas unbeholfen, staksig und trotzdem spürt man schon überall das warme, leidenschaftliche Temperament einer selbstbewussten Frau.

Lucinda Williams, Stories from a Rock n Roll Heart, 2023

Produzent/ Lucinda Williams, Tom Overby

Label/ Thirty Tigers

Die Musik von Lucinda Williams ist nicht darauf aus, das Rad neu zu erfinden, sondern etwas Tiefes und Essenzielles aus dem Geläufigen zu destillieren. Das hat im Verlauf einer beeindruckend konsistenten Karriere Experimente nicht ausgeschlossen, aber in ihren besten Momenten punktet Williams mit der zähen, direkten Kultivierung ihrer Stärken. Den Country-Blues ihrer frühen Jahre hat sie dabei mit Rock-Elementen verbunden, ihrer hellen Stimme hat sie eine rechtschaffene Schnoddrigkeit zugestanden, und damit ihren Sound der letzten 20 Jahre gefunden: Kantig, wach, erdig und warm.

„Stories from a Rock n Roll Heart“ ist Williams erstes Album nach einem schweren Schlaganfall. Unterstützt wird sie von bekannten Hintergrundsängerinnen und – sängern wie Angel Olson, Margo Price und, nota bene, Bruce Springsteen, aber William’s eigene Stimme klingt so stark wie lange nicht. Es sind eindringliche Lieder voller Einsamkeit und Wehmut, trocken und bodenständig bei aller Leidensfähigkeit, lebensoffen und gradlinig.

„I’m never gonna fade away“ singt sie auf dem stolzen Closer des Albums. Sie will, singt Williams, da sein, wo sie einen Song finden kann. Es ist ein Loblied auf das eigene Durchhaltevermögen, allen widrigen Umständen zum Trotz, und in diesem Moment glaubt man fest an Lucinda William’s Unbesiegbarkeit.

Lucinda Williams, 1988

Produzent/ Gurf Morlix, Dusty Wakeman, Lucinda Williams

Label/ Rough Trade

Lucinda Williams weiss sehr sehr viel über den Blues und sie versteht es den Howlin’ Wolf-Klassiker „I Asked For Water (He Gave Me Gasoline)“ würdig zu bringen. Das hier ist ihr drittes Album ( die anderen beiden erschienen 1979 als „Ramblin“ mit Bluescoverversionen und dann 1980 als „Happy Woman Blues“). Das Interesse von Lucinda Williams auf Rockmusik basiert nicht nur darauf Singer-Song-Schreiberin zu sein oder kapriziöse Musikerin oder Folk-Sängerin. Sie hat zwar in den frühen Jahren auch in Greenwich Village herumgespielt, sogar mit Maria Muldar und Taj Mahal zusammengearbeitet, aber ihre musikalische Schulung waren Aufenthalte im Süden der USA, in Texas, in Arkansas, Mississippi und dann Los Angeles.

Lucinda Williams weiss definitiv, was eine C&W-Ballade ist („The Night’s Too Long“), aber sie weiss auch, wie der Blues einen anfallen kann („Like A Rose“); die Songthemen sind klassisch, Alleinsein, Zusammensein und der Preis, den du für das eine oder das andere zu zahlen hast. Auf unprätentiöse Weise macht Lucinda Williams klar, wie es ist, wenn man älter geworden ist, während man eine Menge gesehen hat, und überhaupt, wie es ist, wenn einem keiner auch mit musikalischen Finessen etwas vormachen kann. Das Resultat ist ein reifes Album. Daher sind auch Musiker vom gleichen Schlag dabei, die ihre Stimme und akustische Gitarre begleiten: Donald Lindley (Drummer von John Fogerty), Gurf Morlix (Plimsouls), John Ciambotti (Bass bei Costello). Abgemischt wurde das Album von Dwight Yoakams Mann Dusty Wakeman. Einfach mal reinhören!