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Motörhead, Heroes, 2017

Text/Musik/ David Bowie

Produzent/ Cameron Webb

Label/ WEA/Silver Lining Music

Manch einer mag es Leichenfledderei nennen, die posthume Veröffentlichung von Aufnahmen. Aber zum einen wäre es schade drum, zum zweiten hat man dann die Sammlung komplett, und drittens ist Lemmy eh unsterblich.

Im September 2017 kam „Under Cöver“ heraus, eine Sammlung mit elf von Motörhead gecoverten Titeln. Die meisten dürften bereits bekannt sein, aber ein Stück ist sozusagen neu: „Heroes“ von David Bowie. Eine der letzten Aufnahmen von Motörhead und stilistisch fast irriterend. Der Song wurde während der Bad Magic Session im Jahr 2015 aufgenommen und ist einer der letzten Songs, die die Band zusammen aufgenommen hat.

„Es ist so ein grossartiger Bowie-Song, einer seiner besten und ich konnte mir vorstellen, dass es sehr gut werden würde, und so war es auch. Lemmy hat unsere Version geliebt‘, sagt Phil Campbell.

Mikkey Dee: ‘“Lemmy war sehr, sehr stolz auf den Song, nicht nur weil er so gut geworden ist, auch weil es sehr viel Spass gemacht hat. Und das sollte ja so sein, das diese Art von Projekte einfach nur Spass machen.“

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Motörhead, Ace Of Spades, 1980

Produzent/ Viv Maile

Label/Bronze

Ich hatte mir das Album „Ace Of Spades“ im Dezember 1980 gekauft. Natürlich war das kein Punk, aber es war affengeil, Motörhead prügelten die abgedroschenen Bluesklischees aus dem Rock’n’Roll raus; ihre Musik war ungeheuerlich schnell, ungeheuerlich laut, dreckig und primitiv. Und dieser Bass! Und kaum Gitarrensoli! Und dieses als Gesang getarnte Röcheln! Hardrock mit der Energie und der Wut des Punks. Und: Motörhead waren potthässlich, unglamourös und hatten nichts am Hut mit der frisch geföhnten Gockelhaftigkeit der damaligen Hardrockmacker. Motörhead wurden zur Konsensband – sie waren lange die einzigen Schwermetaller, die sich auch in der Punk- und Indieszene grosser Beliebtheit erfreuten. Wer Rock’n’Roll mag, kann „Ace Of Spades“ unmöglich nicht lieben.

Mitte der 80er Jahren verlor ich das Interesse an der Musik von Motörhead, bin aber ein Lemmy-Kilmister-Fan geblieben. Ich fand diesen Kerl einfach grossartig, sein Image seinen Humor, seine Interviews, seinen Schnauz, seine Fibrome im Gesicht, seinen Whiskeykonsum. Wie vieles davon Image war, kann ich nicht abschätzen; ist mir auch egal; seine Autobiographie habe ich nicht gelesen. Aber für mich war einer, der sich nicht anbiederte und schon gar nicht verkaufte. Ein Aussenseiter, ein Desperado. Aber cool. Souverän. Wie auf dem „Ace Of Spades“-Cover. Lemmy Kilmister verkörperte etwas, das der Rock’n’Roll dringend braucht. Eine Art Gewissen vielleicht, obschon er diesen Begriff vielleicht verspottet hätte, eine Haltung, die bei aller Inszenierung nicht aufgesetzt war, sondern seit seinen Anfängen in den Sechzigerjahren gereift und zur Überzeugung und wohl auch zur Identität geronnen war.

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Hawkwind, Silver Machine, 1972

Text/Musik/ Robert Calvert, Dave Brock

Produzent/ Dave Brock

Label/ United Artists

Die Geschichte von „Silver Machine“ entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Hawkwinds bekanntester Song wurde von ihrem zeitweiligen Sänger Ian „Lemmy“ Kilmister gesungen – mit einer klaren Stimme, die Welten entfernt ist von kratzigen Stil, den er über drei Jahrzehnte lang in seiner folgenden Band, Motörhead, pflegen sollte. Aber wie kam es dazu, dass er diesen anderen, kommerziell weitaus erfolgreicheren Act gründete? Weil Hawkwind ihn rauswarf. Er hinterliess ihnen „Silver Machine“ – ein erstklassiges Erbe und wahrscheinlich ihr grösster Erfolg.

Denn es ist ein Erfolg, wenn die 2002 wiedervereinigten Sex Pistols ihre Konzerte mit „Silver Machine“ begannen. Ob sie das nun als eine Art Gefecht Punk vs. Space Rock sahen oder einfach machten, weil es ein grossartiger Song ist – auf jeden Fall unterstrichen sie seine Bedeutung in der Kultur der 70er Jahre. Der Song gilt nicht nur als grösste Space-Rock-Hymne aller Zeiten in einer LSD-bedröhnten Tradition, die sich von Psychedelic Rock der 1960er bis zum modernen Progressive Rock erstreckt, – sondern auch, neben Motörheads „Iron Horse“, als ultimative Biker-Hymne.

All das wird erreicht durch eine schlichte, aufsteigende Akkordsequenz mit einfachen Rockmusikakkorden; der nötige Schuss Psychedelica wird durch das pulsierende Analog-Synthesizer-Intro abgedeckt. Es zeigt sich mal wieder, dass schlichte Songs den dauerhaftesten Charme versprühen – ob man nun vor dem Hören psychoaktive Substanzen eingeworfen hat oder nicht.