Violent Femmes, Why Do Birds Sing?, 1991

Produzent/ Violent Femmes, Michael Beinhorn

Lapel/ Reprise Records

Anfang der neunziger Jahre gab es diese unglaublich naiv-tiefe, soulful Bekenntnis-Platte, ein kaum zu steigerndes, dennoch ziemlich unbeachtetes Meisterwerk. Das flotte Tempo, die fast akustische Dreierbesetzung, die Atmosphäre vom fahrenden Volk im weiten Land (das selbstverständlich „My Land“ ist), machen „Why Do Birds Sing?“ so bestrickend wie überrumpelnd, dass einem zunächst Gordon Ganos zänkisches, bitteres und zynisches Temperament überhaupt nicht auffällt.

Durch häufiges Hören korrigiert man dies aber schnell: die Violent Femmes sind ihrer Sache so selbstsicher, dass grosse Gesten und deutliche Hinweise auf die Differenz zwischen Tradition und eigenem Beitrag, Genre und Lebensgefühl nur linkisch wirken würden. Wenn sie da ihre umwerfende Version von „Do You Really Want To Hurt Me“ schmettern, begreift jeder, wie diese persönliche Inbrunst, die weder Verbeugung noch Parodie sein will, nur von einem allgemeinen Ort her möglich ist, der schon immer für Traditionen oder Gassenhauer stand. Das einer mit seinem Beitrag, einer individuellen Fiktion nichts mehr bewirken kann, aber mit einem inbrünstig, geschmetterten, klaren, wahren Pfadfindersound, der allen gehört, ist die amerikanische Wahrheit, die mal wieder aus dem amerikanischen Traditionssound gelöst zu haben ist Violent Femmes Verdienst.

Violent Femmes, 1983

Produzent/ Mark van Hecke

Label/ Slash

Das Debüt „Violent Femmes“ war Punkrock mit einem akustischen Bass, einer Snare Drum und einer E-Gitarre. Das waren drei Jungs, die ihre Songs abfeuerten, als sprängen sie samt Instrumenten aus der Luke eines Flugzeugs, ohne Fallschirm, ohne Netz, ohne Plan. Das waren die uncoolen Coolen. Das waren die Grübler und Wichser und die mit Akne, und jetzt schlugen sie zurück.

Gordon Ganos Gesang und die ungewohnten Attacke auf akustischen Instrumenten haben viel gemeinsam mit Tarantinos Gangstern und ihren wie beiläufig gehaltenen Revolvern und den Spatzenhirnen, also: Verachtung, Aggression, Krankheit, Missverständnis. Nur dass Gano zehn Jahre früher als Tarantino den Dreh geahnt hatte. Das Debüt von Violent Femmes ist wahrscheinlich eines der Besten, das je von Newcomern abgeliefert worden ist: „Blister in the Sun“, „Kiss Off“, „Please Do Not Go“, „Add It Up“ und „Confessions“ und dazu „Gone Daddy Gone“ – Der ideale Soundtrack zu prägenden Momenten etlicher Adoleszenzen.