Ray Wylie Hubbard, The Grifter’s Hymnal, 2012

Produzent/ Ray Wylie Hubbard, George Reiff

Label/ Bordello Records

In den frühen Siebzigern schrieb Ray Wylie Hubbard „Up Against the Wall, Redneck Mother“. Als Jerry Jeff Walker mit dem Song einen Hit landete, standen ihm plötzlich viele Türen offen. Doch Plattenfirmen und Publikum waren noch nicht bereit für Crossover-Sound. Ignoriert vom Mainstream Country-Radio, gebeutelt von Alkohol- und Drogen-Exzessen, kreierte Hubbard im Lauf der Jahre eine prächtige, stilistisch breite Songkollektion. Sein Album „The Grifter’s Hymnal“ festigt seinen Status als faszinierender Autor, der neben Scharfsinn und Spiritualität viel Güte für alle Loser bereit hält, die seine Songs bevölkern.

Wenn Einfachheit die höchste Stufe der Vollendung ist wie Leonardo da Vinci mal gesagt hat, dann ist Ray Wylie Hubbard der Vollendung mit diesem Album schon sehr nahe gekommen. Kein Ton, kein Akkord zu viel, der die Songs stören könnte. Man kann hier Erinnerungen an Lightnin Hopkins oder Mance Lipscomb ebenso hören wie an den ganz frühen Lonnie Johnson. Aber dann ist diese Bluesreferenz in den Songs immer wieder gebrochen durch Sprachspiele, die man eher bei Rilke oder anderen Lyrikern erwarten würde. Meine Anspieltipps: „New Year’s Eve at the Gates of Hell“, „Count My Blessings“, „Mother Blues“. Aber eigentlich sind alle Songs stark. Man sollte das Album laut aufdrehen und auf sich wirken lassen.