
Tom Petty And The Heartbreakers, Mojo, 2010
Produzent/ Tom Petty, Mike Campell
Label/ Reprise
„Hoodoo“, „Gris-Gris“, „Mojo“ – das sind einfach verschiedene Namen für dasselbe Ding: ein Talisman, der ewige Jugend und Lebenskraft verspricht. Wenn das „Mojo“ funktioniert, dann läuft auch das Leben. Dass ein alternder Rockstar wie Tom Petty sein 12. Album „Mojo“ getauft hatte, machte also durchaus Sinn. Dass sich Petty für diese Hommage seine altgediente Band The Heartbreakers geholt hatte, lag ebenso auf der Hand. Mit einigen der Musikern spielte Petty schon als Teenager zusammen. Die Ausgelassenheit dieser Klassenzusammenkunft, wo alte Kollegen ohne Erwartungsdruck ihre Verstärker anwarfen, versuchte Petty auch auf sein neues Album zu übertragen.
Für die „Mojo“-Session traf man sich deshalb im „Clubhaus“ der Heartbreakers. Man setzte dabei auf die Power der Livedarbietung und verzichtete auf Studiobasteleien. Entsprechend handgemacht präsentiert sich das Album. Die famose Eröffnungsnummer „Jefferson Jericho Blues“ rattert los wie Bob Dylan am Anfang seiner elektrischen Phase: Schlagzeug und Bass unterlegen einen Shuffle-Beat, der Sänger näselt, die elektrische Gitarre kreischt, und im Hintergrund wabert die Hammondorgel. Hier wird der elektrische Blues der schwarzen Musik beschworen, wie er einst in den Chess-Studios von Chicago erfunden wurde. Doch ganz so ungezwungen, wie sich das Petty gewünscht hatte, klingt „Mojo“ nicht. Da sind die Texte, die über die Einsamkeit des Langstreckenläufers auf dem Highway des Lebens sinnieren, da sind melancholische Abstecher zum Sound der Doors und zum Bluesrock von Led Zeppelin. Man wird den Eindruck nicht los, dass hier ein paar ausgewiesene Musiker ihre Berufskollegen mit brillantem Handwerk beeindrucken wollten. Dennoch: Tom Petty gehörte zu jener raren Sorte von Rockmusikern, deren Songs im gleichen Rhythmus wie sie altern. Und dass man sich im Alter einen eigenwilligen, kantigen Sound leisten darf. „I’m slowing down a little bit“, singt Petty in „Taking My Time“, und man nimmt ihn gern beim Wort. „Mojo“ funktioniert noch immer.
