
Pere Ubu, Carnival of Souls, 2014
Produzent/ David Thomas
Label/ Fire Records
Unvergesslich der Moment, als ich irgendwann im Frühling 1978 zum ersten Mal „Modern Dance“ auflegte. Der punkige Drive war unverkennbar, der Sound von zerdepperten Flaschen passte da auch irgendwie hinein, aber der Gesang von David Thomas, der sich nicht um die Konventionen feiner Melodieführung kümmerte, war schon sehr ungewöhnlich. Dem allgemeinem Pop- oder Punkpublikum verlangten Pere Ubu ein bisschen viel Gewöhnungsbereitschaft ab. Auch ihre Kompromissjahre warfen keine grösseren Hits ab. Auch mit ihrem achtzehnten Album, zeigte sich die Band nicht weniger abenteuerlustig als in ihren frühen Tagen.
Die Songs von „Carnival of Souls“ sind von einem Projekt aus dem Jahr 2013, als die Band den gleichnamigen Film live in einem Londoner Kino begleitete. Zu den altbekannten, dissonant fiependen Analog-Synthies und David Thomas‘ grausig-schönem Gesang kommen diesmal eine Reihe von Holzblasinstrumenten. Der Karneval der Seelen beginnt mit dem düster rockenden „Golden Surf II“. In der Folge erlebt man ein Wechselbad der Emotionen – mal laut, mal leise zeichnet das Album zwei Welten auf halbem Weg zwischen Hitchcock und „Eraserhead“. „Carnival of Souls“ wurde von David Thomas selber produziert und ist eines der facettenreichsten Ubu-Alben überhaupt. Nie käme man auf die Idee, die da und dort an Krimisounds erinnernden Klänge oder gar die altmodischen Synthies als Gimmick aufzufassen. Dazu ist die narkotische Intensität dieser einzigartigen Musik viel zu beängstigend.
