
Little Richard, The Very Best Of, 2008
Producer/ Chris Clough
Label/ Specialty Records
Keiner konnte schreien wie Little Richard, keiner trat greller auf, keiner war auf der Bühne so wild, so flamboyant, so exaltiert wie er. Er hämmerte auf sein Klavier ein, wiegte sich, rannte, tanzte, versetzte das Publikum in Aufregung und legte mit jedem Stück, jedem Tanzschritt, jedem Hecheln, Jauchzen, Keuchen, Rufen, jeder Anfeuerungsparole und jedem Schrei noch einen drauf. „Ich mag es schnell“, sagte er anzüglich „rauf und runter, rein und raus.“ Ein Orgiastiker ohne Vorspiel. Sein grösster Stolz sei, sagte er einmal, dass er im schwarzen Süden schwarze und weisse Kids zusammengebracht habe.
Als Little Richard 1955 im J&M Aufnahme-Studio von New Orleans „Tutti Frutti“ vorspielte mit dem unvergesslichen Refrain „a-wop-boba-loo-bop-a-wop-bam-bom“, hörte der Produzent hinter dem Mischpult einen Hit heraus. Das Problem bestand darin, dass der Song von schwulem, analem Sex handelte. Auch „Long Tall Sally“, sein nächster Hit handelte von schwarzen Dragqueens, ihren Künstlernamen, der Länge ihres Glieds und ihren bevorzugten Sexpraktiken. Der Sänger musste also seine Texte kastrieren oder codieren, damit keines der seligen weissen Kids im Publikum wusste, was „duck back in the alley“ wirklich meinte.
Little Richard war Camp, bevor das Wort erfunden war: Er trug die Haare hochtoupiert, hatte die Augen stark geschminkt, zog sich grell an, in allen Farben, war behängt mit Schmuck. „If Elvis was the king of Rock’n’Roll“, sagte er einmal, „then I was the queen.“ God save the Queen.

