Dan Hicks & His Hot Licks, Original Recordings, 1973

Produzent/ Bob Johnston

Label/ Epic

Dan Hicks war ein begnadeter Country-Eklektiker. Bekannt wurde er als Drummer der nordkalifornischen Gruppe The Charlatans, die er 1968 zugunsten der selbsternannten Hot Licks verliess, die eine freigeistige Mischung aus Folkies, Rockers und Spinner waren und ihre Freestyle-Country-Musik auch genau so klingen liessen. Neben Country-Elementen und Cowboy-Schnulzen packte Dan Hicks hemmungslos moderne Mainstream-Jazz-Arrangements à la Django Reinhardt, ungeschulte Mädchenstimmen, Jug-Band-Klamauk und das Savoir-vivre eines kalifornischen Dandys in seine Hot-Licks-Musik.

Auf dem LP-Cover heisst es „Hicks benutzt Stimmungen und Stimmen aus der Vergangenheit, um das Gehirn seiner Hörer in Richtung Zukunft umzupolen“. Die Musik von Dan Hicks ist vor allem makellos. Spitzengeklöppelt. Porentief rein. Perfektes Handwerk. Ausserdem ist sie irgendwie schräg. Champagnertrunken. Beschwipst. Ein heiterer Zustand. Schliesslich ist sie modern. Postpostpost. Glatte, spiegelnde Oberfläche. Hochkomplexe Strukturen.

Bis Mitte der 70er Jahre waren Dan Hicks & His Hot Licks durchaus erfolgreich, doch dann begann sich Freigeist Hicks zu langweilen. Die Pausen zwischen den Platten wurden immer länger, und die Menschen, die sich für seine eigensinnigen Kunststücke begeistern konnten, immer weniger. Was für ein Glücksgefühl wieder einmal Stücke wie „Canned Music“ oder „ I Scare Myself“ hören zu dürfen. Jaja, die guten alten Zeiten.

To Tulsa And Back – On Tour With J. J. Cale, 2005

Regie/ Jörg Bundschuh

Label/ Kick Film GmbH

Am 26. Juli 2013, mit 74 Jahren, erlag J. J. Cale einem Herz­infarkt. Bei Stars aus der Mythen-Liga dauert es in der Regel wenige Wochen, bis die schubladenfertige Biografie im Handel erscheint – bei J. J. Cale herrschte jahrelang Stille. Es wird seine Grabesruhe kaum gestört haben, denn um den grossen Erfolg hatte sich der kauzige Einzelgänger nie gekümmert. „Schick einfach das Geld und lass die Jungen berühmt werden“, soll er seinem Produzenten Audie Ashworth gesagt haben, als dieser ihn zu stark pushen wollte. Das Geld kam; vor allem durch Stars wie Eric Clapton oder Lynyrd Skynyrd, die seine Songs aufnahmen, aber auch durch 17 eigene Alben, die ihm eine treue Fangemeinde bescherten. Genug, um entspannt leben zu können – während Jahren in einem Wohnwagen, wo der Mann ohne Bankkonto seine Ersparnisse versteckte, später in einem bescheidenen Haus im Süden Kaliforniens. Noch mehr als Geld hagelte es Lob. „Es gibt schlicht niemanden, der über J. J. Cale jemals etwas Schlechtes erzählt hätte“, meint sein langjähriger Agent und Manager Mike Kappus. Einer der Guten, den man einfach lieben musste – auch wenn er als Interviewpartner schon mal ziemlich wortkarg sein konnte.

In der Spannung zwischen dem tendenziell Absurden und der Alltäglichkeit entsteht eine leise Ironie. Sie ist das Markenzeichen jedes J. J.-Cale-Songs. In der fantastischen Dokumentation „To Tulsa And Back“, in der Jörg Bundschuh Cale 2005 auf einer Tour begleitete, erzählt Cale allen Ernstes, von wegen laid back, er sei eigentlich eher der nervöse Typ. Seine Musik sei laid back, „’Because that’s the way I like it“.

Weil man sich wirklich keinen entspannteren und selbstgenügsameren Menschen vorstellen kann als den, den Bundschuh da im Tourbus und auf irgendwelchen Veranden in der Pampa zeigt, glaubt man vielleicht nur den zweiten Teil des Satzes. J. J. Cale hat von seinem ersten Album an unbeirrt einzig gemacht, was er wollte und was ihm gefiel.

The Rolling Stones, T.A.M.I. Show, 1964

Produzent/ Lee Savin, Bill Sargent

Label/ American International Pictures

Am 26. Juli 2023 wird Mick Jagger achtzig Jahre alt. Der Sänger der Rolling Stones wurde geboren, als während des zweiten Weltkriegs Popmusik, wie wir sie heute kennen, Gestalt annahm. Als das amerikanische Radio auf der ganzen Welt zu hören war. Als die Musik für den amerikanischen Körper, den Körper der Freien und Reichen, ganz selbstverständlich die Musik des europäischen Geistes der Befreiten und Besiegten, zu einem obsoleten und toten Phänomen degradierte. Zur Musik Beethovens und Wagners war während des Faschismus gefeiert, in den Konzentrationslagern gemordet worden. Die neue Musik erstrahlte im Licht der Atombombe, Siegermusik, unbeschwert und lärmend, die nie vorgab, mehr als nur dem Augenblick zu huldigen. Daher ist Popmusik für jeden zu verstehen, von jedem zu machen, ihre Geschichte zu jener Zeit noch eine ungeschriebene Möglichkeit, ihr weltweiter Erfolg nicht mehr aufzuhalten.

Der Popchronist Nik Cohn schrieb über sein erstes Zusammentreffen mit den Rolling Stones im Jahr 1965: „ Eine grosse, protzige Limousine kam um die Ecke. Ihr folgten Polizeiwagen, Polizisten zu Fuss, Polizisten auf Motorrädern, und denen wiederum folgten mehrere hundert weibliche Teenager. Diese Mädchen machten einen nicht abbrechenden, schrillen und durchdringenden Lärm, und ihre Schuhe klapperten auf den Steinen. Sie rannten wie wahnsinnig, die Haare fielen ihnen über die Augen, und sie streckten flehentlich die Arme aus beim Laufen. Sie waren verzweifelt… Die Rolling Stones stiegen aus der Limousine. Sie hatten Haare bis über die Schultern, und sie trugen Sachen in unvorstellbaren Farben, und sie sahen gemein aus, sie sahen einfach unwahrscheinlich böse aus. In dieser grauen Strasse strahlten sie wie die Sonnengötter. Sie schienen nicht menschlich. Sie waren wie Geschöpfe von einem anderen Stern, unmöglich zu erreichen oder zu verstehen, unglaublich exotisch, ungeheuer schön in ihrer Hässlichkeit.“

Als Mick Jagger in den 90er Jahren in seinem von Fans umlagerten Hotel von einem Journalisten gefragt wurde, ob er wisse, warum die da draussen stehen, hatte er mit „Nein“ geantwortet. Denn keiner der Stars, der die meist kurze Phase der kreischenden Mädchen übersteht, um danach einen eigenständigen Beitrag zu Pophistorie zu liefern, wird später gerne daran erinnert, dass er seinen Erfolg eigentlich einer Art vorbewusster Kinderhysterie verdankt. Das veträgt sich schlecht mit einem Selbstverständnis als abgebrühter Musikmanager oder sensibler Popkünstler.

Captain Beefheart & The Magic Band, Clear Spot, 1972

Produzent/ Ted Templeman, Don Van Vliet

Label/ Reprise

Captains Beefhearts 1970 entstandenes Album „Trout Mask Replica“ mag ein Grundlagenwerk der Gitarrenmusik gewesen sein, aber ich habe es nie geschafft alle vier Seiten von „Trout Mask Replica“ am Stück anzuhören, stattdessen habe ich lieber zu „Clear Spot“ gegriffen. Hier versucht der Capitain alias Don van Vliet, seine Grundlagenforschung wieder in kommerzielle Nutzanwendungen zu überführen, den „Blues für das neue Jahrtausend“ mit den Pop-Bedürfnissen des Alltags zu vereinen. Jeder der zwölf Songs führt einerseits in eine formal vertraute, im Sound und in den Texten aber bizarre Welt der Magic Band – eine sehr gute Platte, aber von menschlichem Mass, aufgenommen vor einem zwar unterschätzten, aber eher doch unglücklichen Abstecher des Capitans in die kommerzielle Gefälligkeit, bevor er Anfang der 80er Jahre die Musik aufgab und Maler wurde.

Wie gesagt, „Clear Spot“ ist eine sehr gute Platte, was man schon an Songtiteln „Her Eyes Are a Blue Million Miles“ oder „My Head is my Only House Unless it Rains“ ermessen kann. Das Highlight kommt kurz vor Schluss. Angetrieben durch die geballte Gitarrenkraft von Rockette Morton und Zoot Horn Rollo auf dem Fundament von Ed Marimbas komplexem Schlagzeug präsentiert sich „Big Eyed Beans from Venus“ als die erfolgreichste Fusion von Beefhearts Avantgarde-Wurzeln mit seinen Mainstream-Anwandlungen.

Lucinda Williams, Stories from a Rock n Roll Heart, 2023

Produzent/ Lucinda Williams, Tom Overby

Label/ Thirty Tigers

Die Musik von Lucinda Williams ist nicht darauf aus, das Rad neu zu erfinden, sondern etwas Tiefes und Essenzielles aus dem Geläufigen zu destillieren. Das hat im Verlauf einer beeindruckend konsistenten Karriere Experimente nicht ausgeschlossen, aber in ihren besten Momenten punktet Williams mit der zähen, direkten Kultivierung ihrer Stärken. Den Country-Blues ihrer frühen Jahre hat sie dabei mit Rock-Elementen verbunden, ihrer hellen Stimme hat sie eine rechtschaffene Schnoddrigkeit zugestanden, und damit ihren Sound der letzten 20 Jahre gefunden: Kantig, wach, erdig und warm.

„Stories from a Rock n Roll Heart“ ist Williams erstes Album nach einem schweren Schlaganfall. Unterstützt wird sie von bekannten Hintergrundsängerinnen und – sängern wie Angel Olson, Margo Price und, nota bene, Bruce Springsteen, aber William’s eigene Stimme klingt so stark wie lange nicht. Es sind eindringliche Lieder voller Einsamkeit und Wehmut, trocken und bodenständig bei aller Leidensfähigkeit, lebensoffen und gradlinig.

„I’m never gonna fade away“ singt sie auf dem stolzen Closer des Albums. Sie will, singt Williams, da sein, wo sie einen Song finden kann. Es ist ein Loblied auf das eigene Durchhaltevermögen, allen widrigen Umständen zum Trotz, und in diesem Moment glaubt man fest an Lucinda William’s Unbesiegbarkeit.

Janis Joplin, Pearl, 1971

Produzent/ Paul A. Rothschild

Label/ Columbia

Bei ihr klingt nie etwas nur gut oder schön, aber auch nicht nur kratzig und wild. Es ist immer alles da, auf engstem Raum. Am eindrücklichsten lässt sich das an „Me and Bobby McGee“ erleben, einem Song von Kris Kristofferson, der sich in dessen eigener Version nur nett anhört und brav. Bei Janis Joplin entsteht eine ganz andere Welt. Allerdings darf man nicht vergessen, dass sie hier zum ersten Mal Musiker um sich hat, die wissen, was Dynamik ist und wie man Abwechslung in jede Strophe bringt. Den Rhythmus gibt eine akustische Gitarre vor, die im zweiten Takt einen kleinen Akzent setzt. Auch Joplin fängt zurückhaltend an, ohne Druck, doch mit dem für sie typischen Anschleifen der Töne: Sie zieht sie hinüber, von einem zu andern; am Ende der Verse lässt sie sie meist wegrutschen. Dadurch bekommt ihr Gesang etwas Ziehendes, Sehnsüchtiges, Klagendes, Wollüstiges, Dreckiges. Vorallem aber nimmt sich Joplin – zusammen mit der Band – immer wieder zurück, und dann von neuem anzuziehen und die Intensität zu erhöhen. Mal haucht sie die Silben nur vor sich hin, mal röhrt sie los, allerdings nur für Momente. So vermeidet sie jedes dampfende Einerlei, das Rockmusik oft langweilig macht.

Man hat Janis Joplin nachgesagt, sie habe alles aus dem Bauch gemacht. Das mag sein. Allerdings muss in ihrem Bauch eine ganze Menge Kopf gesteckt haben, der genau wusste, wie man es anstellt, damit ein Song anders klingt als bei allen anderen. Die Stimme allein hat sie nicht berühmt gemacht – sie setzt ihre Stimme einzigartig ein. Joplin singt nicht einfach – sie gestaltet jeden Song minutiös: von Wort zu Wort, von Vers zu Vers, von Strophe zu Strophe zu Strophe. „Pearl“ ist ihre letzte und beste Platte. Es hätte ein grandioser Anfang sein können.

The Velvet Underground, Loaded, 1970

Produzent/ Geoff Haslam, Shel Kagan, The Velvet Underground

Label/ Cotillion

„Loaded“, das vierte Album der Gruppe um Lou Reed, hatte ich damals auf einem Tape, auf dem keine Titel vermerkt waren, und da vor- und zurückspulen ohnehin sehr mühsam war, sind die Songs auf diesem Tape wie zu einem einzigen verschmolzen. Es dauerte Jahre, bis ich erfuhr, dass Ersatz-Cale Doug Yule die Hälfte der Lieder singt und nicht Lou Reed; dass Maureen Tucker gar nicht Schlagzeug spielte, weil sie schwanger war. Was ich damals wusste, war, dass „Sweet Jane“ und „Rock & Roll“ zu den Kategorien Songs gehören, die man in hundert Jahren nicht totspielen kann, dass „New Age“ und „Oh! Sweet Nuthin“ ziemlich das sind, was ich unter perfekt verstehe, eine Mischung aus Rock, Sentiment, Slogans und Pop-Art. Und dass ein Song wie die Burroughs-Hommage „Lonesome Cowboy Bill“ für mich viel mit dem popkulturellen Bewusstsein in jenen Tagen zu tun hatte.

„Loaded“ ist ein wunderbares Album von einer Band, die damals bereits ein Scherbenhaufen war. Die Musik versucht die Vergangenheit der Band zusammenzufassen, alles Manierierte und Experimentelle abzustreifen, den populären Kern zu finden, das „Rock’n’Roll Heart“, mit dessen Hilfe man ein neues Jahrzehnt, die Zukunft eben, bestehen kann: „What comes is better what came before“. Auf jeden Fall war mein Tape mit Velvet Underground etwas, was mich in jenen Tagen bei Sinnen hielt. Und aus diesem Grund bin ich diesem Album dankbar.

Led Zeppelin, Led Zeppelin III, 1970

Produzent/ Jimmy Page

Label/ Atlantic

Jimmy Page spielte bei den Yardbirds und machte Session-Musikerjobs für Produzenten wie Andrew Oldham oder Joe Meek bevor er Led Zeppelin gründete, die nach dem ewigen Geheimrezept der Popmusik – „Was du nicht verfeinern kannst, das musst du vergröbern!“ – den Blues so lange anstückelten, bis ein Bluesrock daraus wurde, ein Heavy Rock, ein Hard Rock, den bald alle spielten von Humble Pie bis Thin Lizzy. Dort, wo andere nachlässig wurden, stolperten und schliesslich fielen, versuchten sich Led Zeppelin am Riemen zu reissen und unnachgiebig böse, geldgierig, schwarzmagisch und pervers zu bleiben, bis sie tatsächlich ihre Version des Blues zur erfolgreichsten Musik auf diesem Planeten aufgedonnert hatten.

Das dritte Led Zeppelin Album beinhaltet neben Heavy-Rock auch diverse neue Zutaten, zum Beispiel Country-Stücke, Streicher und verschiedene akustische Instrumente. Led Zeppelin versuchten damit von ihrer bisherigen Bahn wegkommen. Doch eine Gruppe, die geradezu die laute Rockmusik verkörperte und sich dem vorherrschenden Publikumsgeschmack schon immer verbunden fühlte, fiel es natürlich nicht leicht über den eigenen Schatten zu springen. So trug auch dieses Album bei Erscheinen über weite Strecken dem Image der Gruppe und den Erwartungen der Käufer Rechnung. Man kann sich „Led Zeppelin III“ quasi als das private Folk-Revival Robert Plants vorstellen und dabei an Aleister Crowleys brennendes Herrenhaus hoch oben bei Loch Ness denken.

Bildschirmfoto 2023

Siren, 1969

Produzent/ John Peel

Label/ Dandelion Records

Das Debütalbum von Siren erschien 1969 auf John Peel’s Label Dandelion. Die Platte ist eindeutig der British Blues Explosion der späten 60er Jahre zuzuordnen, sie ist beeinflusst von Kevin Coyne’s Vorliebe für amerikanischen Rock’n’Roll und Rythm’n’Blues, doch finden sich auch Einflüsse von britischem Folk. Jac Holzman, der Präsident der US-Plattenfirma Elektra Records bot Coyne nach dem Tod von Jim Morrisson den Einstieg bei den Doors an. Coyne lehnte ab, lebte weiterhin als verheirateter Sozialarbeiter und Vater mit vorerst nur gelegentlichen Auftritten in England. Sein Desinteresse an einem Leben als Rockstar und die baldige Einstellung von Dandelion Records verhinderten trotz hervorragender Kritiken einen kommerziellen Erfolg.

„Ze-Ze-Ze-Ze Baby Won’t You Tell Me Your Name?“ singt Kevin Coyne anzüglich auf diesem Spassmacher. Finger flitzen flink über die Gitarrensaiten, die Snaredrum summt. Der Song ist ein gelungener Einstieg in diese wunderbare Platte. Auch die folgenden Stücke sind von Coyne geprägt: Neben einem Bluesstandard („Rock Me Baby“) hören wir hier hintergründigen britischen Humor („Sixteen Women“), aber auch Studien persönlicher Grenzsituationen („I Wonder Where“) und vertonten Erfahrungen der beruflichen Arbeit des Künstlers mit psychisch Kranken („Asylum“).

Die meisten Lieder wurden von Kevin Coyne geschrieben, jedes wurde mit der nötigen Aufmerksamkeit versehen, an jedem wurde so lange gefeilt, bis nur noch das Notwendigste übrigblieb. So gibt es raue, zum Teil nackte Songs, auf denen mal ein Honky Tonky Klavier dominiert, dann wieder die flüssig gespielte E-Gitarre. In jedem Fall ist das Debüt von Siren ein Album das die Vergleiche mit den besten Alben der besten Bluesrockbands Englands der damaligen Zeit locker standhält.

Love Sculpture, Blues Helping, 1968

Produzent/ Kingsley Ward, Malcolm Jones

Label/ Parlophone

Dave Edmunds stammte aus Cardiff in Wales. Er war schon mit 13 in einer Band aktiv und ein absoluter Rock’n’Roll-Enthusiast. Love Sculpture war zunächst einmal ein Ausflug in die Gefilde des psychedelischen Blues. Doch Blues und Rock’n’Roll waren 1968 kein sicheres Erfolgsrezept mehr. Denn die Zeichen standen auf Bewusstseinserweiterung, auf Veränderung und auf Wahrnehmung aller vorhandenen Musikstile aller Zeiten. Und so wurde das, was der wieselflinke Gitarrero Edmunds vielleicht nur als Fingersprint gemeint hatte, der grösste Erfolg der Gruppe. Denn Edmunds machte sich über eine klassische Shownummer der E-Musik her, Khatchaturians Säbeltanz. Es warer purer Pop. Es gefiel den Briten und den Amerikanern so gut, dass sie die Nummer kauften.

Und wie das Gesetz des Marktes befiehlt, folgte auf den Hit die Tournee durch England und die Staaten und war ein monumentaler Flop. Weder die Kohle noch die Vibes stimmten. Kein Wunder, dass sich Dave Edmunds anschliessend in die Rockfield Studios zurückzog und von dort aus seine nächsten Karriereschritte plante. Doch das ist eine andere Geschichte. Die beiden Love Sculpture-Platten haben ihren eigenen Rang. Ich persönlich finde „Blues Helping“ besser als den Nachfolger „Forms and Feelings“ . Auf der gibt es zwar die fantastische 11 Minuten-Interpretation von „Sabre Dance“, aber der Rest des zweiten Albums ist für mich weniger überzeugend.