Black Sabbath, Paranoid, 1970

Text/ Musik/ Black Sabbath

Produzent/ Rodger Bain

Label/ Vertigo

Die Langspielplatte habe ich mir damals nicht gekauft, weil ich mich beim Anhören zu langweilen begann. Aber die Single gleichen Titels ist wirklich so etwas wie ein „Minutenkunstwerk“. In 2 Komma 48 (Version 2009/Remaster) wird da „durchgearbeitet“. Raw-rough. Ungeschlachtet.

„Paranoid“ demonstriert, was ein Stück ist, das nie geboren ward. Der Plan mickrig, die Ausführung gigantisch dillettantisch, das Bluesschema auf den toten Hund gebracht; der Sound breiig und verquallt. Black Sabbath ebneten für Punk und Grunge den Weg zum planen Gekloppe, darin etwaige „Botschaften“ und das Zelebrieren von Schwarzer Messen. Ihre Musik war nie sonderlich ideenreich, was ja kein Makel sein muss, aber zuweilen nervt. Trotzdem geniessen sie bis heute als Kabaretttruppe gerechtes Ansehen, was nicht zuletzt an Ozzy, the Woozy Wizzard liegt. Den schmeisst niemand um, senil und sicher wie eh und je leitet er die muffige Stopselrock beherrschende Combo, während er über seinen einzigen und wahren Rockwitz unaufhörlich lacht –  doch nun ist damit Schluss: Ozzy und seine Jungs spielen am 5. Juli 2025 ein letztes Konzert in ihrer Heimatstadt Birmingham.

Black Sabbath, 1970

Produzent/ Roger Bain

Label/ Warner Brothers

Wann wurde Jazz geboren, wann Folk? Keine Ahnung. Aber das Geburtsdatum von Metal ist ziemlich exakt bekannt. Freitag, der 13. Februar 1970. An jenem unheilvollen Tag soll – es klingt zugegeben schon ein bisschen nach Legende – „Black Sabbath“ von Black Sabbath erschienen sein. Das erste Lied darauf heisst „Black Sabbath“. Hier wird also nicht lang um den heissen Brei herum musiziert. Die Kirchenglocke schlägt, Donner grollt, dann bricht ein schweres Riff herein, und sofort ist „das verbotene Intervall“, der Tritonus, zu hören. Bald darauf ertönt gequält dröhnender Gesang. Klar – man kann sagen, bei älteren Aufnahmen von Vanilla Fudge, den Sonics oder den Beatles zeichnete sich auch etwas Metalliges ab. Aber bei „Black Sabbath“ ist genaues Hinhören nicht vonnöten. Alles ist nach wenigen Sekunden offensichtlich. So etwas war bisher nicht da, und beim Hören bekommt man Angst. Den lustvollen, um nicht zu sagen spassigen Höhepunkt erreicht diese Angst am Schluss der zweiten Strophe, wenn Ozzy Osbourne nur noch „Oh no, no please God help me!“ schreien kann.

Die Platte „Black Sabbath“ stellt das radikalste Stück an den Anfang. Sicher auch in „N.I.B.“ kommt Luzifer vor, und in „A Bit of Finger“ eine sehr gespenstische Maultrommel. Aber Ersteres ist im Grunde ein lüpfiger Rocksong, und Zweiteres dauert nur eine Minute. Ansonsten ist das eine instrumental dominierte, gelegentlich sogar jazzig klingende LP, die mit ihrer Fülle von Gitarren- und Bassriffs nur erahnen lässt, wohin die Reise der Band noch hingehen sollte. Die ausfransenden Rockstücke tragen viel Freiheit in sich. Gerade so, als wäre Black Sabbath der überfallartige Beginn selber unheimlich gewesen. Sie wussten es, alle ahnten es: Der Metal war über die Welt gekommen. Niemand konnte ihn mehr austreiben.