Julie Driscoll, Brian Auger & The Trinity, 1970

Produzent/ Giorgio Gomelsky

Label/ Polydor

Julie Driscoll aus London brachte es Ende der 60er Jahre gemeinsam mit Brian Auger und der Trinity zu einigem Weltruhm als extravagante Allroundsängerin mit auffälligen modischen Marotten. Scharen von Fotografen begehrten die Engländerin für Musik- wie Modejournale in ganz Europa abzulichten, und auf der Bühne – gleich, ob im United Kingdom, in den Vereinigten Staaten, Frankreich oder Deutschland – verausgabte sie sich bei intensiven Darbietungen. Lange hielt Driscoll den Rummel um ihre Person nicht aus. Bereits 1971 sagte sie der kommerziellen Pop-Szene Lebewohl. Danach widmete sie sich, als Julie Tippett mit ihrem Mann Keith Tippett, dem Ensemblegeist verpflichtet, sowohl avantgardistischen als auch pädagogischen Musik-Projekten.

Dieses Album vereint eine Auswahl von Liedern ihrer Singles sowie ihrer beiden LP’s „Streetnoise“ und „Open“, die sie zusammen mit Brian Auger aufgenommen hat (1967-1968). Alle Nummern sind grossartig und dokumentieren den Übergang der puren Lebenslust der Hippiezeit zur artifiziellen Selbstinszinierung. Alle Hits von Julie Driscoll und Brian Auger sind hier zu finden, ebenso kongeniale LP-Tracks.

Die etwas zickige Hammond-Orgel von Brian Auger mag einem heute gelegentlich auf die Nerven gehen. Aber Julies Stimme ist geschmeidig, stilistisch elegant, nuanciert und eindringlich; intim und verletzlich pendelt sie zwischen Soul, Blues und Jazz. Schon allein die Coverversionen von „Wheels Of Fire“ und „Season Of The Witch“ bewiesen damals, dass sie wohl die einzige britische, weisse Sängerin war, die die Fähigkeit besass, Soul und Blues zu singen, wie er eben auch klingen muss. Höchst authentisch!

Julie Driscoll, Brian Auger & The Trinity, Season Of The Witch, 1967

Text/Musik/ Donovan, Shawn Phillips

Produzent/ Giorgio Gomelsky

Label/ Polydor

Julie Driscoll ist eine der aussergewöhnlichsten und ausdrucksstärksten Sängerinnen der Rockgeschichte. Eine unglaublich kämpferische und leider heute schon fast vergessene Sängerin. Mit Brian Auger & The Trinity hat sie einige Klassiker der Rockmusik Ende der 60er Jahre veröffentlicht. Ihre Version von „Season Of The Witch“ ist aus meiner Sicht immer noch die beste Interpretation dieses Songs. Julie Driscolls Stimme ist voller Intensität, Melancholie und Schönheit: „When I look at my window/ Many sides to see/ And when I look in my window/ So many different people to see/ That is strange, it sure is strange“ reflektiert sie, und dann „You’ve got to pick up every stitch“ fährt Julie fort, wiederholt, die Intensität ihres Gesangs steigernd “You’ve got to pick up every stitch” und abermals halb anklagend, halb inbrünstig, fordert Julie „You’ve got to pick up every stitch“ und dann zischen Orgel-Schlangen aus einem unsichtbaren Raum, den nun Brian Auger betreten hat und Julie Driscoll tanzt in den Raum, singt den Refrain, dreimal die Zeile „Must be the season of the witch“ wiederholend. Dann begibt sich der Song auf eine zweieinhalb-minütige instrumentale angejazzte Reise, auf der Brian Auger mit seiner Orgel über das Grundthema des Songs improvisiert. „You’ve got to pick up every stitch“ wiederholte Julie Driscoll dreimal in aller Dringlichkeit, um ganz aus sich heraus „Must be the season of the witch“ ebenso dreimal in furioser Manier zu wiederholen, besser: zu variieren, um so den Song in sein Finale zu überführen, immer begleitet vom magisch-swingenden Groove der Rhythmusgruppe und Brian Augers Orgelspiel.