Robert Forster, Strawberries, 2025

Produzent/ Peter Moren

Label/ Tapete Records

Wie die Zeit vergeht. Sein alter Freund und Co-Songwriter bei den wunderbaren australischen Go-Betweens, Grant McLennan, ist nun auch schon fast zwei Jahrzehnte tot. Robert Forster, der Überlebende, präsentiert hier das neunte Soloalbum seiner Karriere. Einige dieser Platten sind schon vor dem Ende der Go-Betweens entstanden.

Das Album „Strawberries“ wurde mit schwedischen Musikern und Musikerinnen rund um Peter Morén in Stockholm eingespielt – und ist eine runde Sache. Ob nun die achtminütige Romanze „Breakfast On a Train“, der augenzwinkernde Titelsong als Duett mit Ehefrau Karin Bäumler oder das flott groovende „All of the Time“ mit rollenden Gitarren und Sax. „Story Songs“ nennt Forster die acht Geschichten hier selbst. Wobei man nicht so genau weiss, ob nun ein Song wie „Such a Shame“ nicht auch etwas Autobiografisches hat. Ist das doch ein Stück über einen jungen erschöpften Rockstar, dem der Manager rät: „Gib doch den Leuten einfach den Scheiss und spiel die Hits, wie die anderen auch.“ Ein Wink Richtung der verpassten grossen Rockstar-Karriere der Go-Betweens, die eine der grossen unbekannten Bands der Geschichte sind? Es ist anzunehmen.

The Go-Betweens, Liberty Belle & The Black Diamond Express, 1986

Produzent/ Richard Preston, The Go-Betweens

Label/ Beggars Banquet

Die Go-Betweens aus Australien waren typische Vertreter der in den 80er Jahren weltweit entstandenen Independent-Szene. Sie profitierten einerseits von der Professionalisierung der kleinen unabhängigen Labels und Vetriebsorganisationen, konnten ein Stammpublikum etablieren und von den Erträgen der Schallplatten und Konzertreisen leben, anderseits gelang es ihnen nicht, die Grenzen zu durchbrechen, die den Independent-Markt vom Massenpublikum trennen.

Die Alben der Go-Betweens sind wie lange Briefe von jemandem, den du kaum kennst. So überraschend wie Lebenszeichen eben sind. Auf „Liberty Belle & The Black Diamond Express“ haben sie ein Foto mitgeschickt, das sie als fröhliche Kleinfamilie porträtiert. Die Songtexte sind so, dass sie erklären, beschuldigen, philosophieren, den Blick auf Alltagsklischees gerichtet. Bedeutungen diskutieren. Wahrscheinlich Themen von Küchentisch-Gesprächen. Die hartzarten Melodien dieser Band klingen oberflächlich wie harmloser Pop, aber man hat immer das Gefühl, da ist etwas zuviel, irgendetwas, das weniger gefällig ist als blosse Provokation.

„Spring Rain“ kriecht so langsam ins Ohr wie das Thermometer gerade steigt. Eine merkwürdige Spannung macht die Songs faszinierend und hörenswert; hier ist jede Zeile ein Detail, das besondere Umsetzung erfordert. Jedes kleine Ding wird hier mit einem Nachdruck behandelt, der einfach nicht zur Popwelt und ihrer geordneten Dramatik passt. Die Musik lebt nicht von vorausgeplanten Reaktionen. Sehr gutes Album!

The Go-Betweens, 16 Lovers Lane, 1988

Produzent/ Mark Wallis

Label/ Beggars Banquet

„16 Lovers Lane“ von den australischen The Go-Betweens ist ein herrlich unspektakuläres Album, das ich in dieser Jahreszeit immer wieder gerne höre. Schon allein der uplifting fröhliche Song „Streets of Your Town“ löst bei mir Frühlingsgefühle aus. Da ist diese lüpfige Melodie, die tolle Akustikgitarre, der Singalong-Refrain „Round and round, up and down / Every day I make my way, through the streets of your town“. Ein totaler Ohrwurm, der mich auch 33 Jahre nach Erscheinen fragen lässt, warum dieser Knaller nie ein grosser Hit geworden ist? Geschrieben hat den Song der leider verstorbene Grant McLennan, angeblich innerhalb kürzester Zeit zusammen mit seiner damaligen Freundin Amanda Brown, der hübschen Go-Betweens-Geigerin. Das Stück war ihr wohl „grösster kommerzieller Versuch“, wie McLennans Songschreiber-Partner Robert Foster einmal erzählte. Leider wurde es kein Hit.

Alle zehn Songs auf „16 Lovers Lane“ haben eine Magie, die schwer zu beschreiben ist. Auch wenn die Musik sehr einfach konstruiert ist, wird sie immer süchtiger machend, je man öfter man die Platte hört. Vielleicht liegt es daran, dass es verdammt schwer ist einfache und simple Musik zu machen, die nicht nach dem zweiten Hören anödet, sondern nur noch Lust auf Mehr macht.

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The Go-Betweens, Grant McLennan, Lindy Morrison, Robert Forster: Promo shot taken in Bruce Milne’s kitchen, in Melbourne (Bruce was the founder of Au Go Go Records.), 1981