The Replacements, Unsatisfied, 1984

Text/Musik/ Paul Westerberg

Produzent/ Peter Jesperson, Paul Westerberg

Label/ Twin/Tone Records

„Unsatisfied“ ist ein mit vier Minuten untypisch langes Stück für die Replacements. Ein Song ohne echten Refrain, den Westerberg unfertig ins Studio bringt, wo er recht spontan aufgenommen wird. Gitarrist Bob Stinson steuert  nachträglich noch eine improvisierte Solo-Gitarre hinzu. Eine gezupfte 12-saitige Akustikgitarre leitet den Song schon fast hippiesk-folkig ein, bis die Band nach 30 Sekunden einsetzt und ein wenig vor sich hin mäandert. Fast denkt man, dies wäre nur ein kleines Instrumental-Intermezzo, da setzt Paul Westerberg mit kehlig-desillusionierter Stimme und den Worten „Look me in the eye and tell me that I’m satisfied, was you satisfied?“ ein. Die Zeilen werden in leichten Variationen immer fordender und krächzender gesungen, während in zwei bridgeartigen Teilen ein wenig Hintergrund für diese Unzufriedenheit geliefert wird. „Everything goes well, anything goes all of the time. Everything you dream of is right in front of you and everything is a lie“, heisst es da etwa. Und am Ende überschlägt sich Westerbergs Stimme förmlich, wenn er wieder und wieder „I’m so, I’m so unsatisfied“ brüllt. 

„Unsatisfied“ ist kein Song für die Indie-Disco, keine Radio-Ballade. Der Song wurde nie als Single ausgekuppelt, die Band selbst hielt den Song und die Aufnahme nicht für sonderlich gelungen. Unausgereift und und unfertig wäre er. Und doch ist er ein zentrales Stück der „Teenage Angst“ der damaligen Zeit. Etwa zehn Jahre später sollte Kurt Cobain für die Grunge-Generation ähnliches leisten. Doch das ist eine andere Geschichte.