The Replacements, Unsatisfied, 1984

Text/Musik/ Paul Westerberg

Produzent/ Peter Jesperson, Paul Westerberg

Label/ Twin/Tone Records

„Unsatisfied“ ist ein mit vier Minuten untypisch langes Stück für die Replacements. Ein Song ohne echten Refrain, den Westerberg unfertig ins Studio bringt, wo er recht spontan aufgenommen wird. Gitarrist Bob Stinson steuert  nachträglich noch eine improvisierte Solo-Gitarre hinzu. Eine gezupfte 12-saitige Akustikgitarre leitet den Song schon fast hippiesk-folkig ein, bis die Band nach 30 Sekunden einsetzt und ein wenig vor sich hin mäandert. Fast denkt man, dies wäre nur ein kleines Instrumental-Intermezzo, da setzt Paul Westerberg mit kehlig-desillusionierter Stimme und den Worten „Look me in the eye and tell me that I’m satisfied, was you satisfied?“ ein. Die Zeilen werden in leichten Variationen immer fordender und krächzender gesungen, während in zwei bridgeartigen Teilen ein wenig Hintergrund für diese Unzufriedenheit geliefert wird. „Everything goes well, anything goes all of the time. Everything you dream of is right in front of you and everything is a lie“, heisst es da etwa. Und am Ende überschlägt sich Westerbergs Stimme förmlich, wenn er wieder und wieder „I’m so, I’m so unsatisfied“ brüllt. 

„Unsatisfied“ ist kein Song für die Indie-Disco, keine Radio-Ballade. Der Song wurde nie als Single ausgekuppelt, die Band selbst hielt den Song und die Aufnahme nicht für sonderlich gelungen. Unausgereift und und unfertig wäre er. Und doch ist er ein zentrales Stück der „Teenage Angst“ der damaligen Zeit. Etwa zehn Jahre später sollte Kurt Cobain für die Grunge-Generation ähnliches leisten. Doch das ist eine andere Geschichte.

The Replacements, Pleased to Meet Me, 1987

Produzent/ Jim Dickinson

Label/ Sire

Dünne, haarfeine Adern von Rock’n’Roll durchziehen die unaufdringlichen Songs, dort singt und schnarrt die Gitarre, ein Rascheln oder Säuseln kündigt vor fast allen Songs an, das sich die Musik uns gleich nähern wird. Man kann sagen, diese Gruppe hat den Namen Eklektizismus verdient. Hier sind echte Fans am Werk, aber Fans, die genug Vorlieben haben, um sich nicht entscheiden zu müssen: Unentschiedenheit als schöne Kunst, die berechtigte Liebe zu der zwischen der hübschen Melodie (Beat, England) und Rebel-Attitüden ( Amerika, der Süden, Outlaws) hin und hergerissenen Variante des 70er Rocks, um so in der Regel vergessene Gestalten wie Dwight Twilley, Speedy Keen, Todd Rundgren, The Stories und vor allem Alex Chilton, nach dem die Replacements gleich einen Song benannt haben. Zu dieser Traditionspflege addieren sich bei den Replacements tausend andere Ideen und Lieben und vorallem ein starker Wille zur Straffung, ein aus den Fehlern der anderen gelernt haben, eine Bremse gegen Verspieltheit. „Can’t Hardly Wait“ bohrt sich wundervoll ins Ohr und „Skyway“ ist ein reizender Song, der direkt aus einem Radioprogramm geboren wurde. Ein überzeugendes Album. Anspieltipps…