
Etta Baker and Taj Mahal, 1998

Etta Baker and Taj Mahal, 1998

Etta Baker, One-Dime-Blues, 1991
Produzent/ Lesley Williams, Wayne Martin
Label/ Rounder Records
Etta Baker, 1913 geboren, wuchs mit dem Blues auf: ihr Grossvater spielte Banjo, ihr Vater Gitarre, ihre Mutter Piano. Ihr Fingerpicking-Stil erinnert an Reverend Gary Davis, Blind Boy Fuller oder Elizabeth Cotton – kommt aber präziser und mit mehr Melodieanteilen daher – was auch an dem späten Aufnahme-Datum und der somit weiterentwickelten Studiotechnik liegen dürfte.
Die Aufnahmen zu „One-Dime-Blues“ fanden 1990 statt: da war Etta bereits 77 Jahre alt, aber ihre Vitalität, Lebensfreude, aber auch ihre Ernsthaftigkeit beim Gitarrespielen waren ungebrochen vorhanden. Dabei hatte sie seit ihrer Hochzeit 1936 nie mehr öffentlich gespielt – ihr Ehemann wollte sie abends zuhause haben – tagsüber arbeitete sie in einer Textilfabrik, um dabei mitzuhelfen, die neun (!) Kinder durchzubringen. Erst nachdem die Kinder aus dem Hause waren (ein Sohn starb in Vietnam) und ihr Ehemann durch einen Schlaganfall verschieden war, kündigte sie ihren Job (1973, da war sie also 60) – und begann wieder öffentlich Gitarre zu spielen. Sie trat auf verschiedenen Folkfestivals auf und wurde immer häufiger von Menschen in ihrem Dreizimmerhäuschen in Morganton, North Carolina besucht.
Die Musik war für die alte Frau ein Familienalbum. Spielte sie „Dew Drops“, das sie als Dreijährige auf Vaters Schoss als erstes Lied gelernt hatte, war ihr, als lebte der Daddy noch. 90 Jahre lang verging seither kein Tag, an dem Etta Baker nicht musiziert hätte, um in Erinnerung an ihre Lieben zu versinken. Am 26. September 2006 starb die Pionierin des Piedmont-Blues, 93-jährig.

Dr. Feelgood and Wilko Johnson performing at the Marquee Club, London in 1975

Joe Cocker leaving Heathrow Airport in 1972, after being ordered out of Australia for possessing drugs.

Lesley Wood of the Au Pairs, 1980

British artist, journalist and political activist Caroline Coon and Paul Simonon ( The Clash Bassist), 1979

Pink Floyd signing EMI contract with Andrew King (cntr) and EMI’s Beecher King (left), 1967

Saxophonist John Coltrane with guitarist Wes Montgomery at the 1961 Monterey Jazz Festival

Bob Dylan on a rooftop with Forsythia flowers on Houston St. in Greenwich Village in 1970

Gillian Welch, Boots No.1: The Official Revival Bootleg, 2016
Produzent/ Gillian Welch, David Rawlings
Label/ Acony Records
Es gibt Künstler, die haben diesen einen historischen Moment, indem sie etwas Neues schaffen, dann verflüchtigt sich der Moment. Sie spielen zwar weiter Musik, aber immer werden sie in Beziehung zu diesem Moment gesetzt. Gillian Welch schaffte es 1996 auf ihrem Debüt-Album „Revival“ – genial produziert von T-Bone Burnett – einen spartanischen und dunklen Stil zu kreieren, der Elemente der Appalachenmusik mit Bluegrass und Americana verband. Ihre Musik erschien damit besonders ursprünglich und nah an traditionellen Folkstilen. Nach dem Album „Revival“ waren Alternative Country und Americana nicht mehr so wie vorher.
Aus Anlass des Album-Jubiläums hat Gillian Welch mit ihrem Partner David Rawlings zwanzig Jahren später „Boots No. 1: The Official Bootleg Revival“ veröffentlicht. Das „Revival-Bootleg“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass es – wenn sorgfältig editiert und produziert – durchaus Sinn macht, Demos, Alternativversionen und Outtakes eines Albums zu veröffentlichen. Denn im besten Fall – und das ist hier so – kann man einen künstlerischen Prozess mitverfolgen.
Denn man hört ein Album nicht dem Ergebnis nach, sondern man hört den Weg von den musikalischen Ideen bis zum Album. Das ist bei Gillian Welch besonders faszinierend. Auch die Demo und die Alternate Version von „Orphan Girl“, ihrem „Signature Song“, sind absolut überzeugend. Ihr ungeschützter, spröder, verletzlich-zarter Gesang klingt hier noch besser als auf der Album-Version.
Wenn man auf diesen Weg das „Revival-Bootleg“ anhört, dann beginnt man sich natürlich auch zu fragen, warum dieser oder jener Song nicht auf das Album gekommen ist. Hier sind es natürlich „Old Time Religion“ und „Georgia Road“, die diese Outtake-Charts anführen. Wobei natürlich der Erfolg von „Revival“ Gilian Welch und T-Bone Burnett in ihrer Songauswahl Recht gegeben hat. Auf jeden Fall ist „Boots No.1“ eine wunderbare Ergänzung der Gillian Welch Sammlung, eine willkommene Erinnerung an das wunderbare erste Album dieser Ausnahmekünstlerin – und vor allem ist es ein musikalischer Hochgenuss.