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Sonic Youth, Theresa’s Sound World, 1992

Text/Musik/ Thurston Moore, Sonic Youth

Produzent/ Butch Vig

Label/ DGC

Das Ganze ist weniger als die Summe seiner Einzelteile. Früher wurde der Song an seiner Einheit erprobt, doch Gruppen wie die Pixies, Hüsker Dü, Pere Ubu oder Sonic Youth trieben in den 80er Jahren die Fragmentierung des Songs voran, um der Stagnation der Musik zu entkommen. Sie produzierten einen Rock für Metropolen, verbreiteten die Unruhe in Text und Musik.

Sonic Youth aktualisierten das Erbe der Velvet Underground in einem Sound des Zorns und der Tristesse, inszenierten Klanggewitter wider den kalten Glanz der Achtziger. Unter dem Einfluss der Trash-Kultur suchten sie das Material in den Abfalltonnen der Wegwerfgesellschaft. Sonic Youth waren eine klassische Quartett-Formation, frei nach Lou Reeds Behauptung aus dem „New York“-Album: „You can’t beat two guitars, bass, drums.“ In Ermangelung korrekter Ausbildung am Instrument haben sie sich auf Lärm spezialisiert. Sonic Youth haben das „shaping of sound into music“ zur Meisterschaft gebracht, das Verfahren aus elektrischen Gewittern Musik zu machen.

„Theresa’s Sound World“ von 1992 formuliert eine solche Störaktion. Es findet sich auf dem Album „Dirty“; wo sonst die Texte abgedruckt sind, leuchten fünf weisse Seiten. Sound world: Der Sound als Welt in Trümmern. Gitarre, Bass und ein dumpf trommelndes Schlagzeug sind nach vorne gemischt, die lethargischen Worte des Sängers sind kaum zu verstehen, man hört etwas von „vibrations“ und „sea“ sowie die Zeile „Theresa’s walking in the rain“ bevor die dröhnende Gitarre den Song überflutet.

6 Gedanken zu “

    1. Ich könnte Dir ein Dutzend Lieblings-Songs von Sonic Youth nennen; sie haben alle gemeinsam dieses seltsam pulsierende Dröhnen, das sich anhört wie eine Kopfschmerztablette, die sich im Wasser auflöst.

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    1. Bei Sonic Youth wurden die Verzerrung und das Tremolo der Gitarren so weit getrieben, dass oft purer Krach entstand, Töne und Anschläge kaum zu erahnen waren. Stattdessen entstand ein seltsam pulsierendes Dröhnen, das irgendwie ausserweltlich wirkte, besonders, wenn Sonic Youth wie in „Theresa’s Sound World“ „weiche“, sehnsüchtige Moll-Sept- und Dur-Major-7-Akkorde bevorzugten.

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