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Lee Morgan, The Sidewinder, 1963

Produzent/ Alfred Lion

Label/ Blue Note

„The Sidewinder“ von Lee Morgan ist eine Besonderheit im Blue Note Katalog. Vielleicht genau weil diese Platte ein exzellentes Beispiel für den Hard Bop Sound darstellt, wie ihn das Label mit seinen Künstlern entwickelt hat. Man nehme einen Pool sehr begabter Instrumentalisten und Komponisten und lasse diese immer wieder in ähnlichen oder verschiedenen Besetzungen in das legendäre Rudy-van-Gelder Studio. Mit diesem Rezept entstand die erstaunliche Souveränität des Zusammenspiels, der die Blue Note Aufnahmen auszeichnet. Dass die Eigner des Labels dann anders als ihre Konkurrenten ihren Musikern vor jedem Studiodate auch noch zwei Probentage einräumten, ist wohl der Hauptgrund für den unbezähmbaren Groove, der sich wie eine Visitenkarte durch einen Grossteil der Blue Note Platten zieht.

All dies kommt auf The Sidewinder“ exzellent zum tragen. Worin also die Besonderheit? Hier gelang nicht nur ein musikalischer, sondern seinerzeit auch ein kommerzieller Erfolg. Das Titelstück wurde zu einem klassischen Juke-Box Hit. Jeden Moment erwartet man dabei, dass beispielsweise Aretha Franklin ihre Stimme erhebt und über dem souligen Teppich anfängt sich Respekt zu verschaffen. Doch dieses Stück funktioniert eben auch ohne Gesang sehr gut. Insbesondere weil die Solisten auf der ganzen Platte „immer auf dem Boden bleiben“ und sich ganz klar zum Rhythmus in Beziehung setzen.
Ein besonders gutes Beispiel dafür gibt Joe Henderson mit seinem Tenorsaxophonsolo auf „Totem Pole“. Ein Genuss wie hier abwechselnd lässig laid-back und treibend vorwärts musiziert wird.

Jede Nummer zieht einem in den Bann. Ein tolles Album für jeden, der es gerne mag, wenn es richtig grooved und swingt. Schwer souliger Hard Bop at its Best!

9 Gedanken zu “

  1. Hervorragend auch sein Beitrag zu der Musik von Coltrane, bevor der Meister sich neu erfand. Man kann da schon ins schwärmen kommen: Lee Morgan, Paul Chambers, Philly Joe Jones und andere, je nach Besetzung und Gusto in der Zeit von 1963 – 1965. Danach brah ein neues Zeitalter an 🙂

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    1. Lee Morgan hatte eine gute Nase – auch für starke Mitmusiker. Der Saxophonist Joe Henderson machte sich damals einen Namen und spielte auf „The Sidewinder“. Mit Bob Cranshaw am Bass, Barry Harris am Klavier und Billy Higgins am Schlagzeug war das Quintett auch sonst gut besetzt. Lee Morgan konnte dann mit seinem Trompetenspiel lauter Leuchtpunkte innerhalb dieses Spitzenensembles setzen.

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    1. I think Lee Morgan’s „Sidewinder“ is the perfect jazz album. Sure, it’s not the most profound or important jazz album. But from the first note to the last, it’s totally swinging, ebullient, committed, blues drenched and happy music played by an all-star band whose members are in sync in every bar, epitomizing Lee’s joie de vivre musical personality. His playing is fat, sassy and inventive; he thrives in this blues-based setting. Good to hear that you can pop your fingers to this album, CB.

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      1. Yep, CB, the interplay between Morgan and Henderson in particular is really first-rate and way beyond anything found in boogaloo or R&B music of the period: this makes „The Sidewinder“ a kind of crossover jazz album with wide appeal. The trumpet maestro had a sad end, like Sam Cooke, of being shot by a woman – in Morgan’s case by his common-law wife Helen, as he was preparing to start his set in a Jazz Club in NYC in February 1972. So ended the life of one Jazz’s most creative talents in the age of 33.

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