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Taste, On The Boards, 1970

Produzent/ Tony Colton

Label/ Polydor

Zu Zeiten als Jimi Hendrix und Eric Clapton die Gitarrenszene dominierten, war es sicher nicht einfach, sich quasi als Nobody in der Musikwelt eine derartige Reputation zu verschaffen, so wie es Rory Gallagher mit Taste gelang. Gallagher als der totale Antistar setzte bewusst auf völlige Bodenständigkeit und besass überbordende Leidenschaft, sobald er seine Uralt-Stratocaster in die Finger nahm. Nicht selten musste man ihn später „mit Gewalt“ von der Bühne zerren, weil dieser Kerl einfach nicht mehr aufhörte zu spielen.

Diese aufrichtige, volksverbundene Art schaffte Ihm unzählige treue Fans und Freunde. Umso überraschender, die musikalische Vielfalt und Souveränität, mit der dieser junge Mann damals auf  „On The Boards“ aufwartete! Vom virtuosen Rock-Stampfer, über himmlische Folksongs und beinhartem Blues/Boogie bis zu unfassbar atmosphärischen Balladen oder aber auch Jazz-Blues Elegien.

Ab und an sind sogar Bläser zu hören wie bei „If I Don’t Sing I’ll Cry“. Solchermassen gelang es Gallagher, ohne die Fans der ersten Stunde zu verprellen, das Spektrum seiner Musik erheblich in Richtung Pop zu verbreitern. Ein Ansatz, der bewies, dass mehr in ihm steckte als der Blues-Prolet, den er für die schlichteren Gemüter unter seinen Hörern häufig gab.

15 Gedanken zu “

    1. Das berüchtigte „Ping-Pong Stereo“, das du ansprichst, war auch auf vielen älteren Beatles LP’s zu hören, aber das ist ja kein Grund „On The Boards“ nicht mehr zu hören. Wer Rory Gallagher kennt und Taste schon mal gehört hat, weiss das dieses Album mit zu den besten Aufnahmen gehört, die diese Gruppe aufgenommen hat.

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      1. I like ping-pong-stereo. Aber Gallagher ist mir unter seinem eigenen Namen lieber als bei Taste. Okay, die against the grain is‘ auch noch nicht so dolle. Aber Irish tour/Calling card/Top priority/Jinx … schnalz.

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      2. Keine Frage, während der „Irish Tour“ befand sich Gallagher musikalisch in Hochform. Ich mag auch ein paar von seinen Solo-Alben. Was mir an „On The Boards“ von der Gruppe Taste jedoch gefällt, ist der Mut zur Sensibilität und dass seine Mitmusiker hier letztlich nicht ganz so namenlose Hilfskräfte waren.

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  1. Beim Hören dieser Klasse Scheibe würde ich am liebsten gleich selber zur elektrischen Gitarre greifen. Vermutlich würde ich bereits nach 10 Sekunden schmerzhaft daran erinnert werden, wie miserabel meine Spielfähigkeiten sind, speziell im Vergleich zu einem Ausnahmegitarristen wie Rory Gallagher!

    Im Gegensatz zu Hendrix oder Clapton könnte ich Dir spontan keinen nennenswerten Hit von Gallagher nennen. Ich glaube er hatte keinen Hit im üblichen Sinn. Es hätte auch gar nicht zu ihm gepasst!

    Wie Du zurecht ausgeführt hast, hat Gallagher für die Bühne gelebt. Dort hat er mit seiner abgefrackten Fender Stratocaster wirklich alles gelassen, was in ihm steckte.

    Leider ging seine ausgeprägte Leidenschaft zur Bühne mit einem ungesunden Lebensstil einher, was ihm letztlich auch sein Leben kostete. Und all das mit lediglich 47 Jahren!

    Zwar wurde Gallagher 20 Jahre älter als Hendrix. Trotzdem ist sein früher Tod eine Tragödie!

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    1. Rory Gallagher war ein Meister auf der Gitarre, aber lebte in anderen Zeiten, lange bevor Roadies die Gitarren alle fünf Minuten mit elektronischen Geräten nachstimmten. Hier war für solche Feinarbeiten noch Hand und Ohr des Musikers gefragt, Typen wie Gallagher nahmen’s damit recht genau. Pling, plong, ploiiiiiing… der richtige Ton brauchte seine Zeit. Ende der 70er Jahre habe ich ihn einmal an einem Konzert in Montreux erlebt: eine Power-Performance; Rory – in kariertem Hemd, Jeans und Turnschuhen – trippelte mit kleinen Schritten von einer Bühnenecke zur anderen, hüpfte wie ein Rumpelstilzchen vor dem Drumpodest umher und war überhaupt ständig in Bewegung. Leider spielte er an diesem Abend nicht mehr so wunderbar virtuos und sensibel wie auf „On The Boards“, sondern viel härter und schneller.

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  2. Ach, Rory Gallagher! Ich mag seine Musik sehr. Ich war vor vielen Jahren in einem Konzert von ihm. Leider war der Sound einfach übersteuert, so dass sich Bass, Drums, Gitarre und Gesang nicht unterscheiden ließen. Ohne dem Fusion zu frönen, hat er gerade bei Taste, aber auch danach, Jazziges ganz souverän in seine Musik integriert. Später war er dann der kernige Rocker. Seine Ideen auf der Gitarre schienen unerschöpflich.

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    1. Taste war eine Wahnsinnsband, die leider aufgrund der exzentrischen Art Rory Gallaghers nicht lange Bestand hatte. Schade, denn gerade die filigrane Spielweise des Drummers hat einen wunderbaren Gegensatz zur bluesigen Gitarre gebracht, hier war der Ansatz zu einer perfekten Jazzrock-Band gewesen, die dann leider von Rory verworfen wurde. Nach Taste war es nur noch Bluesrock, der dann an Qualität immer weiter abnahm.

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    1. Sorry CB, that I needed such a long time to coming back to you, but we have been down in the South for awhile. Yep, Rory was a musican of the highest calibre. Haven’t heard a bad recording from him.

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      1. No problem Fox, this is pleasure not a job. Certain musicians can lay claim to that „not a bad recording“ quote. I would agree on Rory. I still have more to discover. I sent a clip of Rory and Jack Bruce doing ‚Politician‘. Fantastic!

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