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Jethro Tull, Locomotive Breath, 1971

Text/Musik/ Ian Anderson

Produzent/ Ian Anderson

Label/ Island

„Locomotive Breath“ ist für mich einer der brillantesten Titel Jethro Tulls aus dem Album „Aqualung“. Ian Anderson, Kopf, Sänger und Flötist von Jethro Tull erklärte, „Locomotive Breath“ sei ein nicht unbedingt todernstes Lied darüber, wie ein Mensch unaufhaltsam und führerlos durchs Leben und schliesslich in den Tod rast.

„He feels the piston scraping, steam breaking on his brow, Old Charlie stole the handle, and the train it won’t stop going – no way to slow down.“ Der unglückliche Mann in seinem führerlos dahinstampfenden Lebenszug muss zusehen, wie seine Kinder an verschiedenen Bahnhöfen eines nach dem anderen vom Zug herunterspringen, und er weiss, dass irgendwo seine Frau sich mit seinem besten Freund im Bett vergnügt. Was seine Stimmung sicherlich auch nicht gerade hebt. Er kriecht auf Knien und Händen durch dier Gänge des Zuges, hört das Heulen der Stille und fängt fallende Engel auf, und der ewige Gewinner (damit ist wahrscheinlich Gott gemeint) hat ihn fest am Sack.

Der Mann greift zu Gideons Bibel, die auf Seite 1 aufgeschlagen ist (dort steht in der Schöpfungsgeschichte der Gegenentwurf zu Charles Darwins Evolutionstheorie)  und sagt sich „Gottlob hat er (Old Charlie) den Griff geklaut“. „The train it won’t stop going, no way to slow down.“

18 Gedanken zu “

    1. Der Titelsong „Aqualung“ gefällt mir auch überaus gut. „Locomotive Breath“ wurde halt damals zum Dance-Hit; ein Song über den gesellschaftlichen, kulturellen und technologischen Wandel und vor allem eine Metapher für das Leben.

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    1. Im Intro wird ja der Hörer noch vertröstet, bevor der Song mit seinem Hammerhythmus definitiv loslegt, und auf den beklemmenden Text hinweist: Die Lok dampft ungebremst weiter, weil der alte Charlie den Bremshebel gestohlen hat. Der Weg in die finale Katastrophe zeichnet sich somit ab.

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  1. I’ve never completely deciphered the lyrics. Perhaps, Ian Anderson is conveying that though life is desperate at times, though it can be thoroughly depressing sometimes and we can be driven to the point of despair, our cognizance of the Creator and our fear and respect for him can prevent us from throwing the breaks on life. I don’t know.

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    1. Ian Anderson once said „Locomotive Breath“ should not be considered as dead serious. I think the song has some fatalistic features who also deals with the values of the counterculture in the early 70s. The whole second side of the „Aqualung“ album deals with religious issues about God and the Church, whereby she is lay out pro God and against the Church.

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    1. „Locomotive Breath“ wurde in den frühen 70ern in den Tanzdielen oft abgenudelt. Jethro Tull waren damals aber auch ein Geheimtipp für alle, die gerne progressiven gut gemachten Rock mit anspruchsvollen Texten mochten.

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  2. Ich höre Jethro Tull sehr selten, freue mich dann aber wie ein Keks, denn gerade Aqualung ist eine mächtig gute Platte! Warum ich sie so selten höre, weiß ich nicht, das war schon immer so… 😉

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    1. Heute höre ich Jethro Tull auch selten, aber Alben wie „Stand Up“ oder „Aqualung“ hatte in den frühen 70ern schon etwas Magisches. Es war ja nicht nur diese stilistisch nie genau festlegbare Prog-Musik, die mich an Jethro Tull faszinierte, sondern auch ihre zynische Kritik an Zeitgeist, Politik und Gesellschaft.

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    1. As I see, had CB that song too. I think, the lyrics of „Locomotive Breath“ are for most part meant jokingly, but there is also a critique of society and the church in it. In the early 70ths I liked JethroTull („This Was“, „Stand Up“, „Aqualung“) even better than ELP.

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      1. You have to get used first to the that somehow choppy flute style, but then it goes off with Ian, the old „warlock“. The music of Jethro Tull is founded in traditional English minstrel folk to which they bring an more rocky influence. There is a strong similarity to Gentle Giant. Also interesting is the bluesy, jazzy group Blodwyn Pig from Tull’s first guitarist Mick Abrahams. Their album „Ahead Rings Out“ is definitely worth checking out, if you don’t already know it.

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