Bildschirmfoto 2020-04-16 um 10.03.59.png

The Rolling Stones, Paint It Black, 1966

Text/Musik/ Mick Jagger, Keith Richards

Produzent/ Andrew Loog Oldham

Label/ Decca

Die zehnte Single der Stones – Nr.1 auf beiden Seiten des Atlantiks – warf einen bemerkenswerten Schatten auf den sonnigen Optimismus der Popmusik des Jahres 1966. „Paint It Black“ ist Blues, aber nihilistischer als alles, was die Band zuvor hervorgebracht hatte. Mick Jaggers Text  „I have to turn my head until my darkness goes“ bezieht sich auf James Joyces Roman „Ulysses“ und nimmt den Tod eines lieben Menschen als Katalysator für eine verzweifelte, hoffnungslose Weltsicht. „Es ist wie das Anfangsstadium miserabler Psychedelica“, sage Jagger später. „Da haben die Rolling Stones etwas in Gang gesetzt.“

Die stärkste musikalische Ausstrahlung hat hier die Sitar von Brian Jones. Sie hat etwas Verwirrendes, leicht Bedrohliches an sich, und durch sie ist der Song ein viel erfolgreicherer Ausflug ins Psychedelische als die Platte „Their Satanic Majesties Request“ aus dem Jahr 1967. Die Aufnahmesession hätte nirgendwohin geführt, hätte Jones nicht sich nicht exotische Instrument geschnappt und angefangen, ihm Töne zu entlocken. „Wir haben’s mit funky Rhythmen probiert, und es hat funktioniert“, so Richards später; „er hat angefangen Sitar zu spielen und alle sind eingestiegen.“ Jones zauberte gekonnt einen hypnotischen Drone, und am Ende doppelte Bill Wyman seinen Bass mit den Basspedalen der Orgel.

Scheppernder Garagenpunk – Charlie Watts Drums pochen unerbittlich wie Migräne – gepaart mit abgrundtiefer Trauer. „Paint It Black“ ein mitreissendes Requiem des Pop.

23 Gedanken zu “

    1. Sicherlich gibt es ein paar originelle Coverversionen. Mir fällt jetzt nur gerade die von Eric Burdon ein. „Paint It Black“ ist und bleibt ein grossartiger Song. Es ist natürlich die von Brian Jones gespielte Sitar (die eigenartige Melodie ist auf der arabischen Tonleiter aufgebaut) die diesen Song zu einem absoluten Klassiker macht.

      Gefällt mir

      1. Freilich gibts originelle Coverversionen. Zum Beispiel Karel Gott – Schwarz und Rot (auf dem Album In einer Welt für uns zwei, 1969).
        Bei den Wikidemikern kann man unter „Paint it black“ eine ganze Coverversionen finden…

        Und ja, die Sitar macht die besondere Atmosphäre des Liedes.

        Gefällt 1 Person

      2. 🙂 Das hatte ich auch eher als abschreckendes Beispiel geschrieben 🙂

        Es gibt vom Label Bear Family eine 8CD Box, die heisst Pop in Germany. Darauf sind auf deutsch gesungene Coverversionen von englischen und amerikanischen Hits aus den 1960er und 70er Jahren. Gleich das erste Stück auf der ersten CD gibt die Marschrichtung vor: Cindy & Bert – Der Hund von Baskerville (Paranoid) . . .
        Soviel dazu…

        Gefällt 1 Person

      3. Ich habe zum deutschen Schlager – bis auf wenige Ausnahmen – nie eine Beziehung herstellen können. Hier fehlt mir das Identifizieren von Personen auf und mit Bildern, das Wiedererkennen von Stimmen und das Zuordnen dieser Stimmen zu realen Personen. 

        Gefällt mir

  1. Deep Purple haben anno 72 die Nummer auch interessant zergniedelt. Hab ich aber erst in den 90ern erfahren.
    Ich find’jetz‘ die Stonesversion so mittelmäßig. Hab sie ja auch erst 1976 kennengelernt, da klang sie irgendwie dudelig-folkloristisch – so mit Slade/Glitter-Ohren gehört.
    Zur selben Zeit wurde im Osten die Usbekentruppe Yalla oder Jalla gespielt. Die hörten sich auch so an.

    Gefällt 1 Person

    1. Mittlerweile habe ich mich ein bisschen schlau gemacht über die Coverversionen von „Paint It Black“. Neben Eric Burdon & The War, Chris Farlowe, Deep Purple, der DDR Band Phudys, U2, Rick Wakeman wurde der Song u.a. auch von Karel Gott gecovert. Man fragt sich, ob den die eine oder andere Coverversion wirklich nötig war, denn im Vergleich zu einigen Interpretationen ist das Original von den Stones geradezu grossartig.

      Gefällt 1 Person

    1. Schön, dass Sie die Stones mit ihrem „Paint It Black“ nicht aus Ihren Playlists verbannt haben. Wir werden weiterhin versuchen, so wenig wie möglich schwarz zu malen, aber natürlich hören wir auch Nachrichten und bekommen so mit, was geschieht.

      Gefällt mir

  2. Diese Nummer hat mir auf Anhieb gefallen, als ich sie das erste Mal hoerte, was mittlerweile bald 40 Jahre her sein duerfte. Wie ich neulich im Rahmen meiner Recherchen fuer einen Post ueber Psychedelica herausfand, war „Paint It Black“ der erste Nr. 1 Hit im Westen, der eine Sitar hatte.

    Zwar waren es die Beatles, die mit „Norwegian Wood“ auf ihrem Album „Rubber Soul“ den ersten westlichen Popsong mit Sitar aufnahmen, doch wurde dieses Stueck zumindest in England und Amerika nicht als Single herausgebracht – dafuer allerdings in Australien, wo es 1966 ebenfalls auf Nummer 1 kam.

    Gefällt 1 Person

    1. Die Sitar, ein indisches Saiteninstrument mit einem sehr langen Hals und einem Korpus aus Wassermelonen oder Kürbissen, wurde ab Mitte der 60er Jahre in der Pop-Musik ausprobiert. Brian Jones war der wahre Ideengeber für „Paint It Black“. Die bedrohlich-psychedelische Basiskonzeption – unterstützt durch sein Sitar-Spiel – schaffte die Grundlage für diesen grossen Stones-Klassiker. Der pessimistische Text ist ja musikalisch derart gekonnt verpackt, dass dabei, die Negativ-Aura übersteuert wird.

      Gefällt 1 Person

    1. Thanks AOC! „Paint It Black“ is written from the viewpoint of a person who is depressed, but there is also hope in there: „..If I look hard enough into the settin’ sun/ My love will laugh with me before the mornin’ comes ..“ – Brian Jones sitar fitted perfectly for that.

      Gefällt 1 Person

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.