Van Morrison, T.B. Sheets, 1973

Produzent/ Bert Berns

Label/ Bang Records

Persönliche Differenzen bereiteten der irischen Band Them nach einer erschöpfenden US-Tournee 1966 ein Ende. Bert Berns, der kurze Zeit Manager von Them war und deren Hit „Here Comes The Night“ geschrieben hatte, hatte inzwischen in den USA sein eigenes Label Bang Records gegründet. Er lockte Van Morrison 1966 erneut über den Teich und bot ihm an, ihm bei seiner Solokarriere zu helfen. Morrison nahm unter anderem den Song „Brown Eyed Girl“ auf, der ihm überraschenderweise einen Top-Ten-Hit bescherte.

Aber Berns Machenschaften waren eher von einer undurchsichtigen Art, und aus den Songs, die Van Morrison als geplante Singles aufgenommen hatte, machte der Label-Chef ein Album, das er ohne Absprache mit dem Sänger unter dem Titel „Blowin‘ Your Mind“ (1967) veröffentlichte. Es kam noch zu einer weiteren Session, bei der der frustrierte Morrison erneut feststellen musste, dass ihm alles aus der Hand genommen wurde. „The Best Of Van Morrison“ (1967) bot eine willkürliche Zusammenstellung älterer und neuerer Aufnahmen. Unter den Aufnahmen der beiden Bang-Sessions finden sich frühe Fassungen von Songs, die er auf „Astral Weeks“ in neuen Arrangements veröffentlichte, aber auch leichte, fast unschuldige Pop-Perlen wie „Ro Ro Rosey“. Höhepunkt dieser Session war das fast zehnminütige „T.B.Sheets“, eine Reflexion über Schuld, Ekel und Mitleid angesichts des Dahinsiechens der tuberkulosekranken Freundin – ein bedrückend faszinierender Ausblick auf die klaustrophobische Welt von „Astral Weeks“. Bereits hier taucht das bei Van Morrison immer wiederkehrende Radio-Motiv auf: Bevor der Erzähler die Kranke verlässt, schaltet er ihr noch das Radio an. Der Trost kommt immer nur aus der Ferne, Musik als die grosse Heilerin des Schmerzes.

Für „T.B. Sheets“ blieb der erhoffte Erfolg allerdings aus, denn die geniale Morbidität des Songs wollte so überhaupt nicht in die blümchenliebende Hippie-Zeit passen. Bert Berns starb Ende 1967 an einem Herzinfarkt – für Van Morrison eine Erleichterung, schliesslich hatte sich so das Vertragsproblem von allein gelöst.

Van Morrison, Common One, 1980

Produzent/ Van Morrison

Label/ Mercury

Auf „Common One“ sind sechs Titel mit einer Laufzeit von exakt 54:31 Minuten. Die Frage nach einer konkreten Stilrichtung erübrigt sich hier: Folkloristisches trifft auf Funk-Elemente, ein Hauch von Jazz inbegriffen. Als das Album erscheint, ist Van Morrison längst aus der Pop-Welt gefallen und fährt als arrivierter Aussenseiter auf einem Privatgleis. Die Musiker besorgen ausschliesslich Teamarbeit: Soli sind tabu. Bis auf „Satisfied“ ist dies ein nahezu meditatives Album, das streckenweise in völliger Ruhe dahindriftet.

Für die Impression „Summertime in England“ (15:40) ein sonnendurchfluteter Spätsommertag, trifft die Bezeichnung „Song“ nicht mehr zu: ein fast sakral anmutendes, vertontes Epos vielmehr, von einer geradezu gespenstischen Mischung aus totalem Gefühl und absoluter Perfektion. Hier wird jeder Name Wordsworth, Coleridge, T.S. Eliot, William Blake, James Joyce – jeder (mythische) Ort Avalon, Bristol, Kendal, the Church of St. John – zum Repräsentanten ganzer Bedeutungskontinente. „It ain’t whywhywhywhywhy, it just is“. Wenn Van Morrison rezitiert, deklamiert und improvisiert befinden wir uns längst jenseits von Übersetzungsversuchen. Am Ende macht alles Sinn, wenn er flüstert: „Are you listen to the silence/ Can you feel the silence?“

Them, It’s All Over Now, Baby Blue, 1967

Text/Musik/ Bob Dylan

Produzent/ Tommy Scott

Label/ Decca

1972, an einem Wochentag um 21 Uhr lief im ZDF-Hauptprogramm das Fernsehspiel „Die Rocker“. Der Regisseur Klaus Lemke versuchte darin ein authentisches und unverfälschtes Bild vom Hamburger Kiez der frühen Siebziger Jahre zu erstellen. Deshalb wurden auch keine Schauspieler verpflichtet, sondern Laiendarsteller, die sich selbst spielen. Sogar ihre bürgerlichen Namen wurden mit übernommen. Keine Kostüme, sondern ihre tatsächliche Kleidung. Dieser Versuch ist absolut geglückt. Auch 50 Jahre später fasziniert der Film immer noch als herausragendes, einzigartiges Stück Zeitgeschichte aus dem Hamburger Rocker- und Asozialenmilieu der frühen Siebziger. Hier wird geschlägert und gesoffen, den Spiessern der Scheitel gezogen und sich natürlich auch gegenseitig zerfleischt. Zwischendurch gibt es immer wieder coole Sprüche für die Ewigkeit.

Der richtige Sound, von den Rolling Stones über Santana bis Led Zeppelin, verstärkt noch den authentischen Effekt des Films. Und vor allem die Gruppe Them, deren sanftmütiges „Its All Over Now, Baby Blue“ gleich mehrfach erklingt in dem Streifen, u.a. als Kontrast zu einer erotischen Begegnung auf einer Kneipentoilette. Durch den Film von Klaus Lemke erlangte der Song, den Them mit ihrem Sänger Van Morrison bereits in den 60er Jahren veröffentlicht hatte, Kultstatus. Nach der Ausstrahlung von „Rocker“ kam „It’s All Over Now Baby Blue“ umgehend in die deutschen Charts und blieb dort für einige Wochen. Der von Bob Dylan geschriebene Song hat seinen Kult-Charakter bis heute nicht verloren.

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Them, The Angry Young Them, 1965

Produzent/ Bert Berns, Dick Rowe

Label/ Decca

Heutzutags verbindet man mit Garage Rock alles was mit verzerrten Gitarren und fast unverständlichem Gesang daherkommt. Die Wurzeln vom Garage Rock siedeln sich jedoch im Rock’n’Roll an und tönen tun’ die noch anders als der heutige „Garage Rock”.

Eine wichtige Band für dieses Genre waren Them, ein Quintett aus Nordirland. Ihr Debut “The Angry Young Them” ist im Jahr 1965 erschienen. Der erfolgreiche Van Morrison war, bevor er mit seiner Solokarriere durchstartete, damals Sänger bei Them. Der grosse Durchbruch gelang der Band Them jedoch nie. Darum bleiben viele ihrer Songs vergessene Klassiker.

Die Platte „The Angry Young Them“ beherbergt neben einzelnen Covers ganze sechs vom Morrison geschriebene Songs. Der eigentliche Hit des Albums ist „Gloria“. Es gibt wohl wenige Titel, die öfter gecovert wurden, egal ob von Grössen wie Patti Smith, The Doors, Jimi Hendrix, Bruce Springsteen, Iggy Pop oder von zahllosen Schüler- und Hobbybands. Der Song war auch die erste Singleveröffentlichung von Them in den USA, wo die Band als Teil der „British Invasion“ vermarktet wurde. Im Rahmen ihrer US-Tour traten Them zwei Wochen – mit den Doors im Vorprogramm – in L.A. im legendären Rockclub „Whisky a Go Go“ auf, wo Jim Morrison und Van Morrison gemeinsam „Gloria“ im Duett sangen.