
Chuck Berry with his sister Lucy Ann, 1965

Chuck Berry with his sister Lucy Ann, 1965

Chuck Berry, St. Louis to Liverpool, 1964
Produzent/ Leonard Chess, Philip Chess
Label/ Chess
„St. Louis To Liverpool“ nahm Chuck Berry im November 1964 auf, nachdem er mehr als zwei Jahre im Staatsgefängnis in Terre Haute, Indiana gesessen war, weil ihn auf seinen Tourneen eine junge Frau begleitete, der Prostitution vorgeworfen wurde. Dem „Mann Act“ zufolge war es verboten, jemanden über eine amerikanische Staatengrenze zu bringen, um dort einer Tätigkeit nachzugehen, die im ersten Staat verboten, im zweiten aber legal war. Man warf Berry warf Zuhälterei vor. Die Anklage wurde nach einem unverhohlen rassistischen Richterspruch neu aufgerollt, aber der Schuldspruch überstand auch die zweite Instanz.
Als er dann wieder begann, Musik zu machen, war der Rock’n’Roll -Zug in den USA regelrecht entgleist und die meisten Mit-Konkurrenten aus den Fünfzigern hatten sich nach Europa verzogen. So ist es nicht verwunderlich, dass Berry ebenfalls zunächst in England seine grössten Erfolge hatte und so ist der Titel „St. Louis to Liverpool“ wohl bezeichnend.
Allerdings ist diese LP auch ein schlagender Gegenbeweis zur These, dass Chuck Berry mit dem Aufstieg seiner Bewunderer, wie zum Beispiel den Beatles und den Stones, auf einem absteigenden Ast gewesen wäre. Ganz im Gegenteil – auf diesem Album ist das Songmaterial durchweg hervorragend und die LP gespickt mit Songs, die man irgendwann allgemein mit Chuck Berry verbinden wird. „Little Marie“ – eine Fortsetzung zu „Memphis, Tennessee“ oder „No Particular Place To Go“ stehen den Hits aus den 1950er Jahren in nichts nach, auch die poppigere Seite von Chuck Berry ist mit guten Songs wie „You Two“ vertreten, und „Things I Used To Do“ hat wieder einen dieser unverwüstlichen Killer-Gitarren-Breaks. Hier wird deutlich erkennbar, warum vor allem Keith Richards von den Stones Chuck Berry so verehrte.

Dexys Midnight Runners, 1978

Elvis Costello in a small hotel room in Amsterdam, 1977

Rickie Lee Jones, L.A. 1975

The Easybeats head to London, 1966

The Ramones in an alleyway off the Bowery, New York, 1977

Johnny Rotten outside Glitterbest Office, 1976

Wilko Johnson and Lee Brilleaux from Dr. Feelgood on Stage at Hammersmith Palais, London, 1976

Gillian Welch, Time (The Revelator), 2001
Produzent/ David Rawlings
Label/ Acony
Dies ist dunkler und hymnischer Country: Ländlich, gespenstisch, klagend und so rigoros schön, wie er es nur sein kann. Ist es da von Bedeutung, dass solch „authentische“ und „traditionelle“ hinterwälderisch klingende Musik von einer aus New York stammenden Frau erschaffen wurde? Nun gut, für manche ist das von Bedeutung, obwohl es das offen gesagt nicht sein sollte. Solch gutes, eloquentes und kraftvolles Material übersteigt all die unbedeutenden Deuteleien eines jeden dummen Flegels oder Puristen. Und immerhin gibt es hier ein schneidendes, zeitgemässes Element in Welchs fliessenden und schmerzhaften Worten, in in der zersplitternden Phrasierung ihres musikalischen Partners, dem aussergewöhnlichen Gitarristen David Rawlings. Man sollte niemals vergessen, wie Welch einst anmerkte: „Gillian Welch ist eine Band mit zwei Mitgliedern.“
„Time (The Revelator)“ ist ihr drittes Album. Es wurde zu einer Zeit veröffentlicht, in der Amerika durch das „O Brother, Where Art Thou?“- Phänomen das Interesse an seinen eigenen musikalischen Wurzeln entdeckte. Es bestätigte ihr Potential und festigte ihr Ansehen. Das Album wurde im historischen Studio B in Nashville mit altmodischem Equipment aufgenommen. Der Sound ist knackig und sauber, und himmlisch klar, während die karge Gitarre und die gesanglichen Harmonien wieder einmal einen gespenstisch, durchdringenden Effekt hervorrufen.
Ein verlorenes oder vergessenes Epos voller Passion. Dieser Klang ist alt und traditionell, tief wie eine Mine und dunkel wie ein Bluterguss.