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John Mellencamp, The Lonesome Jubilee, 1987

Produzent/ John Mellencamp, Don Gehman

Label/ Mercury

John Mellencamp wurde 1951 in Seymour, Indiana geboren. Er hatte eine schwierige Kindheit und Jugend. Mit 17 Jahren wurde er zum ersten Mal Vater. Mit  24 Jahren ging er nach New York, um Musiker zu werden. 1976 erschien sein erstes Album „Chestnut Street Incident“, das etwa zur Hälfte aus Coversongs bestand. Weil das Album floppte, veröffentlichte MCA ein zweites, bereits fertig eingespieltes Album nicht.

Mit neuer Plattenfirma erschien 1979 das Album „John Cougar“, das ihm einen ersten, kleineren Erfolg brachte. 1982 gelang ihm dann mit dem Album „American Fool“ der Durchbruch. Die Singles „Jack & Diane“ und „Hurts So Good“ machten ihn in den USA über Nacht zum Star. 1983 veröffentlichte er unter dem Namen John Cougar Mellencamp „Uh-Huh“ ein weiteres Rockalbum. Ab 1985 begann sich John Mellencamp schrittweise zum Folkmusiker zu entwickeln, der die Probleme der amerikanischen Land- und Kleinstadtbevölkerung thematisiert. Zusammen mit Willie Nelson organisierte er Farm Aid, eine seither jährlich stattfindende Benefizveranstaltung für die amerikanischen Farmer.

1987 präsentierte er mit „The Lonesome Jubilee“dann ein Album auf dem er endgültig seinen eigenen Stil gefunden hatte. Die zehn Songs über Underdogs, zerbrochene Träume und wehmütige Erinnerungen gewandete er hier in ein Klangbild, das durch die Instrumentierung (Akkordeon, Fidel, Mundharmonika, Banjo und viel Akkustikgitarren) zwar sehr folk und country-mässig daherkommt, das aber dennoch sehr rockt und streckenweise auch funkige Rhythmen integriert. Letzteres passt dann auch zu dem trotzigen und wütenden Unterton von Songs wie „Paper In Fire“ oder „Down And Out In Paradise“.

„The Lonesome Jubilee“ hört sich auch heute noch zeitlos und sogar aktuell an. Der furiose Opener „Paper In Fire“ bescherte Mellencamp einen grossen Hit, aber auch das  melancholische „Cherry Bomb“, „Check It Out“, “ The Real Life und „Hard Times For An Honest Man“ sind Lieder die es verdient hätten gross rauszukommen.

So hemdsärmelig und ehrlich, ohne je gross pathetisch oder anbiedernd zu wirken, klingen diese Stücke und machen „The Lonesome Jubilee“ zusammen mit seinem zeitlosen Sound nicht nur zu einem sympathischen, sondern auch zum besten Album von John Mellencamps Diskographie. Hört man immer wieder gern, vor allem weil man Füller hier vergeblich sucht.

16 Gedanken zu “

    1. Danke! Den John Mellencamp in der Mitte der 80er Jahre muss man heute schon als „Generationprojekt“ bezeichnen. Aber man hört ihn doch gerne in der Rolle des „Last man standing“, der sich umgeben sieht von einer Horde Feiglingen und diesen die Meinung geigt!

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  1. War bei ihm immer hin und her gerissen zwischen anständigem Roots-Rocker, latentem Mainstream-Hansel und Springsteen für Arme (wobei der Bruce mit den Jahren ja zusehends selbst zum Abklatsch seiner selbst wurde). Unterm Strich aber wahrscheinlich doch ein Guter, der Mellencamp.

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    1. Es wurden da auch Parallelen gezogen, vor allem zu Bob Seger, den Mellencamp selbst als Vorbild sah, und natürlich Bruce Springsteen. Schnell haftete eine so bösartige wie unpassende Bezeichnung an ihm wie Teer: der Springsteen für Arme. Schrieb Springsteen etwa Songs über und für den gutsituierten Wohlstandsbürger? Für mich jedenfalls kommt Mellencamp als einer rüber, der aus eigener Erfahrung weiss, wovon er singt. Auch sein Alterswerk gefällt mir sehr gut. Auf den von T Bone Burnett produzierten Alben „Life, Death, Love and Freedom“ (2008) und „No Better Than This“ (2010) experimentiert er mit Blues, Country, Rockabilly und Western, „Plain Spoken“ (2014) reduziert die Mittel wieder und bietet Americana pur.

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      1. „Life, Death, Love And Freedom“ und zuvor „Trouble No More“ (Cover-Platte, ok) haben mir auch gut gefallen. By the way: der gutsituierte Wohlstandsbürger hat Bruce glaub ich immer ganz gern gehört, das hat bei einem Stadion-Act und Wohlstands-Superstar wie ihm mit den Jahren auch zunehmends besser gepasst ;-))) Sozialromantik aus der Konserve hüben wie drüben, wenn schon nicht im eigenen Leben ;-)))

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      2. Ja, da hast du natürlich recht wegen der Sozialromantik. Man kann die Platten von Mellencamp und Springsteen von Mitte der achtziger Jahre als „Generationenerscheinung“ ansehen. Doch während Springsteen wenige Jahre später den Sprung vom anerkannten Songwriter zum Mainstream-Künstler schaffte, blieb Mellencamp stur. Statt seinen Stil dem internationalen Markt anzupassen, wurde er von Album zu Album amerikanischer. 

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    1. „The Lonesome Jubilee“ gefällt auch mir heute noch. Trotz der vielen verschiedenen Instrumente, die häufig auch noch gemeinsam zum Einsatz kamen, ist kein Klangbrei entstanden, sondern ein sehr organischer, immer übersichtlicher Sound.

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    1. Die Zusammenarbeit mit Carlene Carter ist wirklich gelungen. „Sad Clowns & Hillbillies“ passt gut in unsere Zeit, besonders wenn man die Vorgänge in den USA betrachtet. Mellencamp bleibt ein feiner Beobachter und Kritiker des Status Quo.

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    1. The album is fantastic! John Mellencamp took his romantic fascination with the heartland to the max with „The Lonesome Jubilee“. Lyrically, he doesn’t really break any new ground here: The album is dominated by social commentary and vivid narritives of the life of the regular American. However, the quality of the songs is remarkable and John brings in a variety of instruments that you rarely hear on a „rock n roll“ record.

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