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Frank Zappa, Joe’s Garage Act I, II & III, 1979

Produzent/ Frank Zappa

Label/ Barking Pumpkin Records

„Joes Garage“ erzählte die Geschichte des Gitarristen Joe, der in einer nicht allzufernen Zukunft in einer Gesellschaft, in der totales Musikverbot herrscht, gegen den allmächtigen Zensor und Big Brother, der bei Zappa „The Central Scrutinizer“ heisst, ankämpfte.

Das wunderbar paranoide Werk enthielt auch einige Titel, die den Zensor der Gegenwart am Schwanz packten. Keineswegs eingeschüchtert von den Protesten einer jüdischen Kulturorganisation gegen den Song von der „Jewish Princess“ auf „Sheik Yerbouti“ waren diesmal im ökumenischen Rundschlag die „Catholic Girls“ an der Reihe. Neben den Katholiken traf es auch die Scientologen, die Zappa in der Figur des L. Ron Hoover verspottete, der seine „Appliantology“ propagierte. Publikumslieblinge wurden freilich „Wet-T-Shirt-Night“ und „Why Does It Hurt When I Pee?“

Freunde und Mitmusiker wollen in diesen Jahren bemerkt haben, dass Zappas Witz gemeiner, verbiesteter geworden war. Schärfer und zielgenauer stimmt eher. Zappa war ohnehin nie unpolitisch gewesen. Er verachtete Politiker jeder Art und drückte sich lieber mit musikalischen Mitteln aus, war aber immer bereit, in gesellschaftlichen Fragen Stellung zu beziehen. „Joe’s Garage“ war alles andere als optimistisch und nahm in jeder Hinsicht totalitäre Tendenzen der aufziehenden Reagan-Ära vorweg.

30 Gedanken zu “

  1. Frank Zappa ist nicht zu fassen, und das auf geradezu unverschämt souveräne Weise. Jeder kann gemeint sein, wenn er seine Lästereien anstimmt. Auch wenn er sich, ich denke an seinen spinnerten Gitarrensolo-Spleen, dabei schon mal bis zur Überheblichkeit überhebt: Am Ende steht seine Musik da wie eine Eins. Alice Cooper hat es übrigens geschafft, von des Maestros Ohren und Augen geschätzt zu werden.

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    1. Zappa hat auf seinem Label die ersten zwei Platten von Alice Cooper veröffentlicht. Der grosse Erfolg für Cooper kam aber erst ein paar Jahre später. „Joes’s Garage“ ist ja ein urkomisches und musikalisch nicht immer leicht verdauliches Werk von Meister Zappa. Von den Texten her dürfte es eigentlich erst ab 18 freigegeben werden, da hat’s doch ein paar deftige Sachen mit dabei.

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      1. Von Alice Cooper hatte ich auf der Rauhfastertapete „Erfurt“ den Bravo-Starschnitt zusammengestückelt … als wir heimlich und strategisch die Bierkisten der Eltern leerten.
        Eine erstklassige Zeit, und Billion Dollar Babies höre ich immer noch und gerade in den heutigen Zeiten gerne. Zapoa war damals unerreichbar für meinen Plattenteller, Rundfunkempfänger oder Tonbandgerät. Jugend gibt es mit vielen Phantasien.

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      2. Von Alice Cooper fand ich nur das „Killer“-Album gut, dann gab es noch ein paar süchtig machende Songs „School’s Out“, „Elected“ und „Hello Hooray“. Ich kann mich daran erinnern, dass die Erstausgabe von „School’s Out“ in einem Damenslip aus zartem weissem Papier verpackt war. Die erste Platte von Frank Zappa habe ich mir 1969 gekauft, das war „Hot Rats“.

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      3. Ich liebe Alice Coopers 5., das School’s Out Album.

        Bei meinem Arbeitskollegen durfte ich mich mal im Keller an seinen Schallplatte bedienen, da war die Album mit dem originalen Klappcover, dem School’s Desk dabei.

        Ich finde, ehrlich gesagt, die kleine Jazznummer, Blue Turk, total super… 😉

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      4. Alice Cooper galt ja damals auch als Angeber; einer, der sich bei jeder Gelegenheit eine Boa Constrictor um dem Hals hängte, literweise Theaterblut trank, sich köpfen, hängen und zersägen liess, mit Peitschen, Kettensägen und Särgen hantierte. Es gab Leute, die sagten, diese aufwändigen Bühnenshows wären einzig, um von der schlechten Musik ablenken.

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  2. Zappa? Einer meiner musikalischen Hausgötter. Mit Freak Out als Doppelalbum ging es 1970 los. Am besten gefallen mir noch heute seine Werke von 1969 (Hot Rats) bis 1981 (Shut Up ‚N Play Yer Guitar). Spritzig bis gewagte Kompositionen, abwechslungsreich instrumentiert und ätzende Texte bieten einen kurzweiligen Hörgenuss. Ab spätestens Mitte der 1980er Jahre hat er sich meiner Meinung nach häufig selbst wiederholt.

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    1. Natürlich stellt sich bei Zappa die Frage, wo war er wirklich innovativ und wo war er, gemessen an neueren Entwicklungen, im Grunde schon wieder Tradition. In „Joe’s Garage“ vermischt er so viele unterschiedliche Stile (Blues, Jazz, Doo Wop, Rock, Pop, Reggae etc.), das dabei sein ganz persönliches Kabinett der Verrücktheiten herauskommt. Wie originell das auch immer sein mag; er trifft damit die Story vom fiktiven Central Scrutinizer, der ja als eine höhnisch grinsende Figur aus dem „American Way of Life“ daherkommt, ziemlich gut.

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  3. Bei Joe’s Garage war ich eigentlich schon nicht mehr dabei, meine Zappa-Zeit war ungefähr von Waka/Jawaka bis Zoot Allures, das war auch zu der Zeit, als ich den guten Mann mal live erleben durfte.

    Was nach Zoot Allures kam, hat mich nicht mehr so beeindruckt und Joe’s Garage oder Sheik Yerbouti fand ich schon ziemlich Mainstream… ich habe das eben so empfunden.

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    1. Das Geheimnis von Zappa Werk ist wohl nicht mehr und nicht weniger, als dass er den Hörer an seiner Entwicklung möglichst unmittelbar teilhaben lassen wollte. Erstaunlicherweise konnte Zappa, der für einen Rockstar wenig Glamour oder Privates bot, über Jahrzehnte eine ansehnliche Menge von Fans halten, die ausschliesslich an seiner Musik interessiert waren, denn als Bravo-Starschnitt kam er natürlich nicht in Frage.

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  4. Zappa nahm sich ein paar Mal Zeit, in einem großen Werk alles Mögliche abzudecken, aber eben auch seine eigene (musikalische) Entwicklung. Das geschieht auf Joe’s Garage, aber eben auch auf Thing Fish, der Parodie auf King Fish, einer Serie in den 60er Jahren, in der er Zeit, Rassismus, Feminismus, Strebertum und vieles anderes veräppelt. Wichtig ist hier wie bei Joe’s Garage, daß es seine musikalische Vorlieben bedient (von Doo-Wop über Twang bis zu Ambienten Sounds (Outside Now)), immer gepfeffert mit exzellenten Gitarrensoli.
    Auch bei Alben, die weniger konzepthaft entstanden, regt sich immer wieder politischer Dissens und die Lust an gesellschaftlicher Kritik (I’m the slime/Village of the sun/Dynamo Hum/Pojama People)
    In seiner authorisierten Biographie erwähnt einer seiner Mitmusiker, daß der kleinste Anlass genügte, um ihn zum Schreiben zu bewegen – er verarbeitete einfach alles.

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    1. „Joe’s Garage“ war ein Versuch in dem heiklen Genre der Rock-Oper, wo meist der Inhalt oder die Musik nicht überzeugen (The Who:„Tommy“, 1969 , Pink Floyd: „The Wall, 1979) . Die Geschichte in „Joe’s Garage“, wo in einer lückenlos überwachten Gesellschaft, dem Hobbymusiker Joe die Musik ausgetrieben wird, ist eher dürftig. Aber musikalisch beweist Zappa viel Witz und Subversivität. Erwähnenswert sei hier noch die sogenannte Xenochronie: Dabei handelt es sich um eine Aufnahmetechnik, bei der ältere Liveversionen von Gitarrensoli über neuere Studioaufnahmen gelegt werden. Diese Methode wendet Zappa bei fast allen Songs auf „Joe’s Garage“ an.

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  5. Ich hatte „Joes Garage“ auf Band; beide Teile (also alle 3); aber die „You are what you is“ fand ich einenn Zacken schärfer, weil auch leichter verständlich. Bin eher so der späte Zappa-Gutfinder (nicht Fan) gewesen: So Sheik Yerbouti und so… Aber inzwischen hat sich der Typ für mich erledigt. Seine Rundumschläge sind eben doch zu richtungslos; sein „Humor“ zu dreckig, und seine Erben zu geldgeil (Siehe Verklagung der Zappanale, wegen „Namen-Missbrauch“, anstatt zu feiern, dass da ein Enthusiast an ihn erinnert!)

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    1. Ich mag Zappa in der Zeit von „Hot Rats“ und bis in die 80er Jahren am liebsten. „Joe’s Garage“ ist für mich sein letztes wirklich grosses Album. Es ist musikalisch ein reifes Werk und hat einige der besten Gitarrensolos, die Zappa je gespielt hat. Bemerkenswert finde ich auch den Hintergrund der Entstehung dieser Alben, nämlich das Verbot westlicher Musik in der noch jungen islamischen Republik Iran. Die Geschichte, von Joe ist teilweise lustig und Zappa-typisch überspitzt sarkastisch. Aber eigentlich überwiegt darin eine tiefe Melancholie. Die Copyright-Klage von Zappa Witwe Gail gegen die „Zappanale“ hat ja gezeigt, dass es Erben oft übertreiben mit der Erbschaftspflege. Aber das ist nicht nur bei Zappa so.

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    1. I played this album a lot when it came out. Such a crude story about the religiously and sexually misguided would-be rock star Joe could only come up with Zappa. „Joe’s Garage“ is very entertaining. But if you can’t get along with titles like „Catholic Girls“, ‚“Wet T-Shirt Nite „, „Why Does It Hurt When I Pee?“ or „Stick It Out“, then you shouldn’t go for Zappa.

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      1. People glom onto that small part of Frank’s vibe. A little humor (not everyone’s bag but probably why he did it) never hurts but his playing and his musical ides are what kept me hanging around . Bottom line, he was a funny guy who gave it to some sacred cows. My youngest son is getting into him. He also found some clips where he is in conversation with people on the censorship thing.. He finds Frank pretty on top of it.

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      2. As a teen at the age of 16 in a small Swiss town, in 1969 there wasn’t much for you. You learned to smoke, drank beer and bought a record every week. I had just got used to Cream, Deep Purple, but Zappa was like a thunderbolt. He openend a new cosmos for me. I owe Frank a lot, he also brought me to jazz. Sure, it’s different in times of the internet to get music and information. But I think it’s nice, if people like your younger son still exploring Zappa deeper today. And after the death of Gail Zappa and the end her legal wrangling are also Frank’s works more accessible to the public.

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      3. Thing abut Frank, he would have something interesting to say not the usual obvious stuff that everyone else is spewing. Frank would nail it with his usual style and would probably go after the other side just because that’s what he did. Like you said, he wasn’t too fond of politicians of any color.

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