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The Jesus & Mary Chain, Darklands, 1987

Produzent/ William Reid, Bill Price, John Loder

Label/ Blanco y Negro

Es gibt eine Form des Pop-Songs, wie zum Beispiel „Marmor, Stein und Eisen bricht“ oder „Final Solution“ oder „Heroes“, die nur von dem Gegensatz zwischen einem Abwarten, Zurückhalten im A-Teil und dem Zuschlagen im Refrain lebt. Diese Form perfektionieren The Jesus & Mary Chain auf ihrer zweiten LP. Zu dieser Form, die für die erste grosse Sophistication der Pop-Musik in den mittleren Sechzigern steht, bevor Underground, Wut und Politik und Drogen zur Musik stiessen, verhalten sich The Jesus & Mary Chain etwa so wie sich die Ramones zur Beat/ Trashpop-Form der frühen 60er verhalten.

Wichtig ist, dass bei The Jesus & Mary Chain der Moment des Zuschlagens immer das Einsetzen eines ganz bestimmten, gebremst expressiven Gitarrengewitters ist. Gewitter ist hier ausnahmsweise mal nicht als Metapher gemeint. Das Thema von „Darklands“ ist der Regen („April Skies“, „Happy When It Rains“, „Nine Million Rainy Days“), das sich Senken, das Herabfallen („Fall“, „Down On Me“), die Verdunkelung, das gebremste, gleichmässige Herniedergehen von Gitarrenschrumschrumm, das vorher im A-Teil zurückgehalten wurde, und als Zurückbehaltenes wohl immer präsent war, also eine Entsprechung in den Stimmungen, von denen die Texte sprechen: Text und Musik haben also etwas miteinander zu tun. Jesus & Mary Chain beweisen, dass es das Höchste sein kann, genau zwei Dinge sinnvoll miteinander zu verknüpfen (Text und Musik, oder Melodie und Lärm, A-Teil und B-Teil). Und genau das gelingt ihnen, in ihren auf das Nötigste zusammengeschnurrten Songs, restlos.

15 Gedanken zu “

    1. Das ist auch Nostalgie dabei bei diesen veregneten Tagen. „Darklands“ ist für mich immer noch das Highlight von Jesus and Mary Chain aus den 80er Jahren. Die dunklen dahinschwebenden Rhythmen sind in allen Stücken in sich stimmig arrangiert und im Gegensatz zu ihrem ersten Album „Psychocandy“ sind hier die Feedback-Gitarren fast völlig verschwunden.

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  1. I’ve been hunting for alternative music from the 80’s lately that I missed real time. I missed this at the time but I have started to listen to some of their work. I like this.

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    1. „Darklands“ is one of those albums that I’ve been listening over and over again for over 30 years. I like the drive, this dark, ultra-cool floating rhythms and all pieces are harmoniously arranged and ingenious pearls from the 80s indie area.

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    1. „Darklands“ is an excellent document from a time when punk and post punk had reached it’s demise. These guys were good and their influenece shaped the indie music of the 90’s

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      1. As said, Jesus and Mary Chain from Scotland shook up the indie scene in the 80s. A concert from them lasted just 25 minutes with infernal feedback guitars that reduced you to a trance-like state. Their album „Psychocandy“ was groundbreaking in that.

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    1. Treibende Gitarren und nonchalanter Gesang. Aufreibende Distortion und süsse Harmonie: The Jesus And Mary Chain lieferten damals quasi die Blaupause für das Genre Shoegaze. Auch der Trademark-Look aus Sonnenbrillen, Wuschelhaaren und Lederjacken von den Brüder Jim und William Reid wurde oft kopiert.

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      1. Ich habe The Cure nie gemocht und werde sie wahrscheinlich auch nie mögen. Einige ihrer Platten habe ich aber gehört. Das war in der Zeit als Joy Division und Siouxie & The Banshees aufkamen und der „Gothlook“ entstand, schwarz und bizarr. Diese abgrundtiefe Melancholie hat mich damals nur genervt. Jesus & Mary Jane hingegen fand ich interessant, wegen der rotzigen Attitüde, den treibenden Gitarren und dem nonchalantem Gesang.

        Beide Bands sind heute noch aktiv und walzen ihren Sound aus. Das Exzentriker irgendwann mal erwachsen werden müssen, geht schon in Ordnung, aber eventuell gibt es sinnvollere Betätigungsfelder als langweilige Platten zu veröffentlichen und Konzerte zu geben.

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