The Rolling Stones, Dirty Work, 1986

Produzent/ Steve Lillywhite, The Glimmer Twins

Label/ Rolling Stones

Vielleicht ist es, weil ich langsam so alt, so von innen knochig, so ausgekocht blöde bin wie die Stones, vielleicht höhlt steter Tropfen, ungehörige Beharrlichkeit, ewig kindliche Renitenz auch mein Herz aus Stein, vielleicht ist es, weil ich heute gehört habe, dass das Konzert der Rolling Stones in Bern nun definitiv abgesagt wurde.

Auf jeden Fall habe ich mir heute „Dirty Work“ angehört. Das ist vielleicht ein schamlos, einfallsloses Album, es könnte auch von irgendeinem drogensüchtigen Keith-Richards-Verehrer der vierten Generation stammen. Aber mir gefällt die Platte – ein Hauch von Punkrock, ein wenig Lärm, unökonomische Arrangements, nicht diese berechnete Produktion, dieses stolze Feiern jedes typischen Licks. Stattdessen eine ganze normale Idioten-Band, der man zum zum ersten Mal die Chance eines etwas besseren Studios gegeben hat.

Auf dem Cover farbenfroh und poppig, sehen vorallen Charlie Watts und Mick Jagger wie frisch freigelassene, ehemalige politische Gefangene aus und auf der Innenseite prangt der idiotischste Cartoon aller Zeit. Und dann die allgemein bekannte Stumpf-Version des „Harlem Shuffle“. Auf jeden Fall ist „Dirty Work“ viel besser als sein äusseres Erscheinungsbild. Auch wenn nicht alles Gold ist was glänzt, so ist „Dirty Works“ für mich definitiv eines der besseren Stones-Alben aus den 80er Jahren.

Ray Wylie Hubbard, The Grifter’s Hymnal, 2012

Produzent/ Ray Wylie Hubbard, George Reiff

Label/ Bordello Records

In den frühen Siebzigern schrieb Ray Wylie Hubbard „Up Against the Wall, Redneck Mother“. Als Jerry Jeff Walker mit dem Song einen Hit landete, standen ihm plötzlich viele Türen offen. Doch Plattenfirmen und Publikum waren noch nicht bereit für Crossover-Sound. Ignoriert vom Mainstream Country-Radio, gebeutelt von Alkohol- und Drogen-Exzessen, kreierte Hubbard im Lauf der Jahre eine prächtige, stilistisch breite Songkollektion. Sein Album „The Grifter’s Hymnal“ festigt seinen Status als faszinierender Autor, der neben Scharfsinn und Spiritualität viel Güte für alle Loser bereit hält, die seine Songs bevölkern.

Wenn Einfachheit die höchste Stufe der Vollendung ist wie Leonardo da Vinci mal gesagt hat, dann ist Ray Wylie Hubbard der Vollendung mit diesem Album schon sehr nahe gekommen. Kein Ton, kein Akkord zu viel, der die Songs stören könnte. Man kann hier Erinnerungen an Lightnin Hopkins oder Mance Lipscomb ebenso hören wie an den ganz frühen Lonnie Johnson. Aber dann ist diese Bluesreferenz in den Songs immer wieder gebrochen durch Sprachspiele, die man eher bei Rilke oder anderen Lyrikern erwarten würde. Meine Anspieltipps: „New Year’s Eve at the Gates of Hell“, „Count My Blessings“, „Mother Blues“. Aber eigentlich sind alle Songs stark. Man sollte das Album laut aufdrehen und auf sich wirken lassen.

Various Artists, Quiero Creedence, 2016

Label/ Concord Picante

„Quiero Creedence“ ist ein Tributalbum, das zeigt, wie inspirierend die Songs von Creedence Clearwater Revival bis heute sind. Auch für Latinos. Hier versammeln sich Rocker und Popstars, darunter etablierte Acts wie Los Lobos oder Spaniens Rock & Roll-König Enrique Bunbury, dessen düstere Version von „Corre Por La Jungla“ („Run Through The Jungle“) die Party eröffnet. Neben Doug Pettibones dreckiger Slidegitarre enthält sie einen tollen Salsateil. Los Lonely Boys haben den Swamp-Blues von „Born On The Bayou“ im Blut, „Feelin‘ Blue“ mit Montereys Band of Bitches erinnert eher an die Red Hot Chili Peppers. Ozomatli verwandeln „Bad Moon Rising“ in einen beschwingten Reggae-, Cumbia- und Mariachi-Schunkler. Bang Data verpassen der bilingualen Version von „Fortunate Son“ die Hip-Hop- und Electrodröhnung. Der Argentinier Andres Calamaro interpretiert „Long As I Can See The Light“ als Soultitel.

Eine bemerkenswerte Kollaboration ist das Duett von ZZ Tops Billy Gibbons mit La Marisoul: „Green River“ verbindet hart rockenden Boogie und den R & B von Ike & Tina Turner. El Tri liefern eine mitreissende, tanzbare Tex-Mex-Fassung von „Proud Mary“, während Diamante Electrico aus Bogota „Up Around The Bend“ als schleichenden, neopsychedelischen Rocksong neu erfinden.

Them, It’s All Over Now, Baby Blue, 1967

Text/Musik/ Bob Dylan

Produzent/ Tommy Scott

Label/ Decca

1972, an einem Wochentag um 21 Uhr lief im ZDF-Hauptprogramm das Fernsehspiel „Die Rocker“. Der Regisseur Klaus Lemke versuchte darin ein authentisches und unverfälschtes Bild vom Hamburger Kiez der frühen Siebziger Jahre zu erstellen. Deshalb wurden auch keine Schauspieler verpflichtet, sondern Laiendarsteller, die sich selbst spielen. Sogar ihre bürgerlichen Namen wurden mit übernommen. Keine Kostüme, sondern ihre tatsächliche Kleidung. Dieser Versuch ist absolut geglückt. Auch 50 Jahre später fasziniert der Film immer noch als herausragendes, einzigartiges Stück Zeitgeschichte aus dem Hamburger Rocker- und Asozialenmilieu der frühen Siebziger. Hier wird geschlägert und gesoffen, den Spiessern der Scheitel gezogen und sich natürlich auch gegenseitig zerfleischt. Zwischendurch gibt es immer wieder coole Sprüche für die Ewigkeit.

Der richtige Sound, von den Rolling Stones über Santana bis Led Zeppelin, verstärkt noch den authentischen Effekt des Films. Und vor allem die Gruppe Them, deren sanftmütiges „Its All Over Now, Baby Blue“ gleich mehrfach erklingt in dem Streifen, u.a. als Kontrast zu einer erotischen Begegnung auf einer Kneipentoilette. Durch den Film von Klaus Lemke erlangte der Song, den Them mit ihrem Sänger Van Morrison bereits in den 60er Jahren veröffentlicht hatte, Kultstatus. Nach der Ausstrahlung von „Rocker“ kam „It’s All Over Now Baby Blue“ umgehend in die deutschen Charts und blieb dort für einige Wochen. Der von Bob Dylan geschriebene Song hat seinen Kult-Charakter bis heute nicht verloren.

Lou Reed, Transformer, 1972

Produzenten/ David Bowie, Mick Ronson

Label/ RCA

Was an „Transformer“ sofort auffällt ist die stilistische Vielseitigkeit. Leider ist das aber durchaus nicht unproblematisch, denn die Flexibilität liegt keineswegs immer im Song selbst, sondern drückt sich vordergründig nur durch das Arrangement aus, ohne die musikalische Substanz entsprechend mitwachsen zu lassen. Ein Beispiel für ein solch verfehltes Konzept ist „Good Night Ladies“, das wohl nur als Veralberung der Nostalgiewelle einige Berechtigung hat. Auch „New York Telephone Conversation“ und „Make Up“ sind wegen ihrer langweiligen Melodie ziemlich schwach auf der Brust.

Die Platte gehörte sicher nicht zu meinen Favoriten des Jahres 1973. Wenn ich „Transformer“ unterm Strich dennoch ein gutes Album nennen muss, dann liegt das an den übrigen Songs, die alle mittlerweile beste Lou-Reed-Klassiker geworden sind. „Vicious“ „Walk On The Wild Side“, „Wagon Wheel“ sind dabei die besten Tracks, wobei auch sie in der Form erheblich voneinander abweichen. Ein phantastisches Beispiel für den spezifisch dekadenten Charme des Lou Reed ist „Walk On The Wild Side“. Hier wird der simple Song-Rohstoff durch eine grossartige Bearbeitungs-Ideen auf eine hohe Qualitätsebene transformiert. Der eigenwillige Text über die damaligen Freaks aus Warhols Factory wird mit aussagestarker Musik befrachtet, die dank ihrer Substanz ein übereifriges Arrangement überhaupt nicht nötig hat.

„Transformer“ wurde auf dem Höhepunkt des Glamrocks veröffentlicht. Lou Reed gelang es damals wegen künstlerischen Differenzen und seiner Drogensucht nicht richtig im Mainstream anzukommen. Dass er zwei Jahrzehnte später zu einer Konstante der breiten Rockmusik wurde, liegt auch an der Zeitlosigkeit von „Transformer“.

Joe Walsh, The Smoker You Drink, the Player You Get, 1973

Produzent/ Joe Walsh, Bill Szymczyk

Label/ ABC-Dunhill

Hört man dieses zweite Album von Joe Walsh, dann wird einmal mehr klar, warum die Gruppe James Gang ohne ihren Ex-Leader musikalisch nur noch dahinvegetierte: Es scheint, als habe James Gang nur von Joe Walshs Ideenreichtum und Vitalität gelebt.

Obwohl mehrere Stücke auf dieser Platte nicht von Joe Walsh geschrieben sind, sondern von anderen Mitglieder der vierköpfigen Gruppe, die sich hinter dem Namen Joe Walsh verbirgt, ist seine Handschrift doch unverkennbar. Das liegt nicht nur an seiner Mickey Mouse-Stimme, sondern z.B. auch an der Art, wie der Synthesizer eingesetzt wird, um den Background mit einer manchmal fast unhörbaren, dann wieder alles umfassenden Geräuschkulisse auszufüllen, oder daran wie Bass und Synthesizer mit- und gegeneinander eingesetzt werden. Die Kompositionen der anderen Musiker passen erstaunlich gut ins Konzept, obwohl sie, verglichen z.B. mit „Rocky Mountain Way“ dem Glanzstück des Albums, nur durchschnittlich wirken. Stellenweise erreicht „The Smoker You Drink, the Player you Get“ aber Momente seltener Schönheit und Brillanz. Das Album hat das Schicksal so vieler Rockplatten, die damals von der breiten Masse übersehen wurden, nur weil Joe Walsh kein Name war, der durch grosse Publicity-Kampagnen unter die Leute gebracht wurde. Ich habe es zum ersten Mal vor über 40 Jahren gehört und erst kürzlich wiederentdeckt.

Joni Mitchell, Amelia, 1976

Text/Musik/ Joni Mitchell

Produzent/ Joni Mitchell

Label/ Asylum Records

Amelia Mary Earheart, geboren in Atchison in Kansas, Jahrgang 1898, Lehrerin, Krankenschwester während des 1. Weltkriegs, 1918 als Zwanzigjährige gegen den Willen ihrer Familie zur Pilotin brevetiert, überquert am 20. Mai 1932 als erste Frau alleine den Atlantik. Unternimmt weitere Alleinflüge über die USA und den Pazifik. Arbeitet in den dreissiger Jahren als Linienpilotin zwischen New York und Washington. Im März 1937 setzt sie zur Weltumquerung an. Ein erster Versuch scheitert wegen Flugzeugbrandes in Hawaii. Der zweite beginnt am 20. Mai in Miami und führt über Brasilien, Westafrika, Kalkutta und Rangoon nach Neuguinea. Am 2. Juli 1937 startet die zweimotorige Lookhead mit vollen Tanks zur gefährlichsten Etappe, einem Nonstop-Flug nach der kleinen Insel Howland nördlich von Samoa. Zwanzig Stunden später fangen britische und amerikanische Schiffe SOS-Signale auf, in denen von Treibstoffmangel die Rede ist. Kurz danach verschwindet das Flugzeug über dem Südpazifik. Trotz wochenlanger Grossfahndung mit 64 Flugzeugen und 8 Kriegsschiffen in den Gewässern des Stillen Ozeans bleiben Flugzeug und Besatzung verschwunden. Amelia Earheart ist 39 Jahre alt geworden.

Im November 1976 erscheint „Hejira“, Joni Mitchells neuntes Album, und bis heute eines ihrer besten. Kernstück der Platte, die selbst das Reisen zum Thema hat und mythisch überhöht, ist der Song „Amelia“, der den Flug der Pilotin mit einer Autofahrt der Sängerin durch die Wüste Nevadas gleichschaltet. Über der Wüste sieht Joni Mitchell Düsenflugzeuge am Himmel, sie hinterlassen sechs Kondensstreifen, lang und schmal wie die Saiten einer Gitarre. Sie denkt an Amelia, ihren Traum vom Fliegen und überlegt, was das mit ihr zu tun hat.

Mitchells Gitarrenspiel rankt sich um die gedehnten Bassläufe von Jaco Pastorius. Statt eines Schlagzeugs spielt Victor Feldman sein verhülltes Vibraphon, Larry Carlton dekoriert das Stück mit seinen Gitarrenfiguren. Auch die Stimme klingt entrückt. Von der ersten Strophe an hängt das Stück zwischen Himmel und Erde, in der zweiten wird das Dröhnen der Flugzeuge von den Arpeggien der Gitarre kommentiert. Die Musik hat etwas Flächiges und Mobiles zugleich. Die Sängerin im Himmel über der Wüste, die Fliegerin zwischen Himmel und Meer, vom Horizont verschluckt, spurlos und verschwunden.

The Beatles, Back In The U.S.S.R., 1968

Text/Musik/ John Lennon, Paul McCartney

Produzent/ George Martin

Label/ Odeon

Der Song erinnert an Chuck Berry und die Beach Boys, was aber den Wert des Stücks nicht schmälert. Denn es wird klar, dass USA und U.S.S.R. hier als austauschbar erscheinen, vorallem in der Passage „Back in the U.S., Back in the U.S., Back in the U.S.S.R.“ „Georgia On My Mind“, die offizielle Hymne des US-Bundesstaates Georgia wird auf das kommunistische Georgien übertragen. Ansonsten wird die Föhlichkeit, die gemeinhin den USA zugeschrieben wird, auf Russland projiziert: die heissen Girls („besser als im Westen“), die Balalaika-Klänge, die Berge, die Heimat. Sowas darf man getrost als Ironie interpretieren.

Aber es gab auch etliche Politheinis, die waren damals derart humorfrei, dass sie den Witz nicht verstanden. Sowohl die Linke als auch die antikommunistische Rechte sahen in dem Text eine Sympathieerklärung der Beatles an Moskau, die von den Linken gefeiert, von den Rechten lautstark verurteilt wurde. Die Einzigen, die den Song genau verstanden hatten, sassen in Moskau. Für die kommunistische Führung galt der Song offiziell als Ausdruck einer kulturellen Invasion durch den „aggressiven amerikanischen Imperialismus“. Zwar befinden wir uns heute nicht mehr im Kalten Krieg, aber angesichts der blutigen und bedauerlich fehlgeleiteten Entscheidung eines Mannes, in ein friedliches Nachbarland einzumarschieren, bekommt der Song eine ganz neue Bedeutung.

Tedeschi Trucks Band, Made Up Mind, 2013

Produzent/ Jim Scott, Derek Trucks

Label/ Masterworks

Mit ihrem Debüt „Revelator“ verpasste die Tedeschi Trucks Band einer bewährten Formel ein Up-date: Memphis-Soul meets Southern-Rock mit energischen Spiel und starken Songs. Letztere stammen von Susan Tedeschi, einer Künstlerin, die sich während der letzten zwei Dekaden als eigenständige Sängerin, Gitarristin und Songwriterin etablieren konnte, eine Art jüngere Bonnie Raitt. Spektakuläres liesse sich auch von Derek Trucks sagen. Der Mann zählt zu den virtuosesten Gitarristen der Gegenwart (The Allman Brothers Band, Derek Trucks Band).

„Made Up Mind“, ihr drittes Album, bringt die jeweiligen Stärken des Musikerpaares sehr gut zur Geltung. Jedem haarsträubenden Solo von Trucks ( z.B. am Ende des funkigen „All That I Need“ ) steht ein Gänsehaut erzeugender Moment von Tedeschi gegenüber: wie sie die bittersüsse Ballade „Calling Out To You“ singt oder in „Part Of Me“ im Duett mit Saunders Sermons die Soullady gibt. „Whiskey Legs“ schliesslich, ein brodelnder R&B-Titel, endet mit duellierenden Gitarren. Besonders gut gefällt mir der Titelsong „Made Up Mind“ und „The Storm“, ein träger Swamp-Groove über einer orientalisch klingenden Melodie, bevor er in ein psychedelisches Voodoo-Mantra mündet. Truck’s abschliessendes Solo klingt wie eine Beschwörung des Geistes von Jimi Hendrix.

The Rolling Stones, Mother’s Little Helper, 1966

Text/Musik/ Mick Jagger, Keith Richards

Produzent/ Andrew Loog Oldham

Label/ Decca

Hausfrauen nahmen gern das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan, bis dessen schädigende Wirkung 1961 bekannt wurde. Danach sorgte Valium für Beruhigung – auch als Ausgleich für die aufputschende Wirkung vom Ampethaminen, die sehr beliebt waren. Die Gewohnheit, morgens Aufputsch- und abends Beruhigungsmittel einzuwerfen, sorgte bei Millionen von Menschen, die man gemeinhin dem braven Bürgertum zuordnete, für regelrechte Drogenabhängigkeit. Die Stones haben diesen unseligen Helferlein durch den Alltag der Mütter einen Song gewidmet: Mein Gott, dieser Stress heutzutage! Und die Kinder, die sind heute Monster! Mutter braucht heutzutage etwas, um sich zu beruhigen. Eine kleine gelbe Pille hilft ihr, durch den stressigen Tag zu kommen. Es gibt nur noch Fertiggerichte, frisches Essen zuzubereiten ist anstrengend geworden. Oder ist sie nur empfindlicher? Eigentlich hat sie ja alles, was sie sich sich gewünscht hat: Ehe, Familie, Wohlstand, die Segnungen der modernen Technik, Komfort – aber die Routine des modernen Lebens ist sinnentleert, und deshalb ist sie unzufrieden und sucht nach Betäubungen. Die Überdosis hat sie schon längst erreicht, und was dann kommt ist der Drogentod.

Das Beruhigungsmittel Valium (Diazepam) führt zu Entzugserscheinungen und Nebenwirkungen wie Angstzustände, Antriebsverlust, Wutanfällen, Halluzinationen, Gefühlskälte und Psychosen. Kein Wunder, dass es keinen Unterschied zwischen Eltern und Heroin-Junkies gibt. Auch die Motive gleichen denen eines gestressten Musikers. Und Keith Richards war gestresst. Er konsumierte schon jung Drogen, erst Alkohol und dann Amphetamin, LSD, Kokain und am Ende Heroin. Später hat Richards mit dem Glauben aufgeräumt, dass Drogen einen Musiker kreativer machen. Im Alter von 77 Jahren sagte er, dass die Drogen sein Leben nicht völlig ruiniert hätten, führe er alleine auf seine robuste, von den sportlichen Eltern geerbte, Konstitution zurück – doch Geld und gute ärztliche Versorgung dürften hier auch wesentlich dazu beigetragen haben.