
The Monkees, 1966
Produzent/ Tommy Boyce, Bobby Hart, Jack Keller, Michael Nesmith
Label/ Colgems
Das Debütalbum der Monkees war in gewisser Weise eines der revolutionärsten Alben von 1966. Nicht weil die Musik so innovativ gewesen wäre, die ist eher ein Abklatsch des British Pop, sondern weil hier erstmals Popmusik „crossmedial“ genutzt wurde. Die Monkees waren eine nach Aussehen und nicht nach Fähigkeiten gecastete Band zu einer Comedy-Serie und das Album der Soundtrack dazu.
Auch die Beatles hatten zuvor Filme gemacht, aber sie hatten die Musik diesen Filmen angepasst, waren da selber als Songwriter tätig gewesen. In den Staaten wollte der Produzent und Manager Don Kirshner an den Erfolg der beiden Beatles-Filme „A Hard day’s Night“ und „Help“anknüpfen, indem er eine Band castete, die lustige, verrückte Abenteuer auf ihrem Weg zum Ruhm erlebt. Dass die Protagonisten dabei Instrumente spielen können, war eher zweitrangig. Für das Album zur Serie holte sich Kirshner mit Tommy Boyce und Bobby Hart zwei professionelle Songwriter und hatte wohl auch vor, das Album von diversen Studiomusiker einspielen zu lassen – aber mit Micky Dolenz, Peter Tork und vor allem dem jungen Michael Nesmith waren bei der Fantasie-Band doch drei Personen dabei, die auch gerne selber musizieren wollten.
Tatsächlich wurde die „Band“ ins Studio geschickt, um zu „proben“ – damit sie im TV besser aussahen, aber dann schrieb Nesmith mit „Papa Gene’s Blues“ sogar einen eigenen Song, der sich vom Beat der anderen Stücke durch Country-Einflüsse unterschied. Und der Titelsong „(Theme from) The Monkees“ sowie „Last Train To Clarksville“ sind auch gelungene Songs, die Vocals sind purer Pop, die Stimme von Dolenz hat ein beachtliches Kapital. Aber insbesondere Nesmith – der einzige wirklich ernstzunehmende Musiker, der bald mit seiner First National Band zum Country-Rock wechseln sollte – hatte für die Monkees später nur Spott übrig. Seiner Meinung nach war die TV-Serie eine flache Comedy-Show mit vier Typen, die eine Band imitierten. Und der Spott galt natürlich auch diesem Album – was aus der Sicht eines Musikers nachvollziehbar ist.
Aber immerhin: die Monkees waren unterhaltsam und im Vergleich zu etlichen Casting Bands heutiger Zeit ist das Album goldenes Handwerk. Die Serie und die ersten beiden Alben hatten in den USA grossen Erfolg. Die Monkees gelten zu Recht als die erste zur kommerziellen Ausbeutung zusammengecastete Boyband – die aber allein schon deshalb interessant ist, weil sie sich in kurzer Zeit tatsächlich zu einer echten Band entwickelt hat.









