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Beth Orton, Trailer Park, 1996

Produzent/ Victor Van Vugt, Andrew Weatherall

Label/ Deconstruction Records

Beth Orton ist eine Bereicherung und ein Glücksfall für jede/n Musikliebhaber/in, der/die auch mal mit stilleren Tönen auskommt. Dieses Debütalbum war 1997 eine kleine Sensation. Spröde und unscheinbar kommt es einem vor bei ersten Hörversuchen. Aber Beth Ortons wirklich einzigartige Stimme, die irgendwie seltsam poetischen Texte, die subtilen Arrangements (Elektronik-Beats und Samples ergänzen vorsichtig eingesetzte Streichinstrumente und Bass, Gitarre, Harmonium etc.) graben sich unmerklich ein – bis man langsam süchtig wird nach „Trailerpark“.

Beth Orton hat seitdem mit Professionals wie William Orbit, Terry Callier, Ben Harper und Ben Watt gearbeitet. Auch wenn ich ihre Nachfolgealben zum Teil noch grossartiger, und ausgereifter finde, hat Beth Orton auf „Trailer Park“ doch einige starke Tracks geschrieben, allen voran das einzigartige und unvergleichbare „Wish I Never Saw The Sunshine“. Ebenso stark ist „She Cries Your Name“ – der Song ist einfach hinreissend, toll gemacht. Folkiger wird es auf „Live As You Dream“ – nicht jedermann’s Geschmack! „Tangent“ und „Touch Me With Your Love“ überzeugen hingegegen durch eindringliche Texte und eher mystische Kompositionen! Nicht herausragend, wenn man „Wish I never Saw The Sunshine“ oder „She Cries Your Name“ als Massstab nimmt, aber Rohdiamanten auf jeden Fall.

Kurzer Auszug aus den Liner-Notes noch: „One more thing… gender is just an excuse, relationships shouldn’t just be an excuse, love is often an excuse, although sometimes these excuses are all we have to hold onto, death is the reason and living the celebration.“
In dem Sinne: enjoy….

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John Mellencamp, The Lonesome Jubilee, 1987

Produzent/ John Mellencamp, Don Gehman

Label/ Mercury

1987 präsentierte John Mellencamp mit „The Lonesome Jubilee“ ein Album auf dem er endgültig seinen eigenen Stil gefunden hatte. Die zehn Songs über Underdogs, zerbrochene Träume und wehmütige Erinnerungen kleidete er hier in ein Klangbild, das durch die Instrumentierung (Akkordeon, Fidel, Mundharmonika, Banjo und viel Akkustikgitarren) zwar sehr folk und country-mässig daherkommt, das aber dennoch rockt und streckenweise auch funkige Rhythmen integriert. Letzteres passt dann auch zu dem trotzigen und wütenden Unterton von Songs wie „Paper In Fire“ oder „Down And Out In Paradise“.

„The Lonesome Jubilee“ hört sich auch heute noch zeitlos und sogar aktuell an. Der furiose Opener „Paper In Fire“ brachte Mellencamp einen grossen Hit, aber auch das  melancholische „Cherry Bomb“, „Check It Out“, “ The Real Life und „Hard Times For An Honest Man“ sind Lieder die es verdient hätten gross rauszukommen. „The Lonesome Jubilee“ gehört mit seinem zeitlosen Sound nicht nur zu einem sympathischen, sondern auch zum besten Album von John Mellencamps Diskographie. Hört man immer wieder gern, vor allem weil man hier Füller vergeblich sucht.

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Johnny Cash, American Recordings, 1994

Produzent/ Rick Rubin

Label/ Warner Bros.

Johnny Cashs Karriere war Ende der achtziger Jahren so gut wie beendet. Er hatte genügend Platten gemacht, genügend Songs geschrieben, ein genügend aufregendes (und aufreibendes) Leben gelebt und schien genügend zufrieden, seinen Lebensabend als Legende zu beenden. Und dann geschah das Unglaubliche: Der HipHop-, Rock- und Metal-Produzent Rick Rubin holte ihn, nachdem er Cash und Carter 1992 im Madison Square Garden live gesehen hatte und einfach nicht aus dem Kopf bekommen konnte, zu Aufnahmen.

Es müsse eigentlich „reduced“ nicht „produced“ heissen, wenn er arbeite: Er habe immer die Musik auf ihren Kern zurückführen wollen. Cash sollte einfach nur er selbst seine Songs, „trigger-Songs“ singen (am Ende wurden es mehr als hundert). Rubin verschaffte Cash ein Comback, mit dem in dieser Form wohl niemand mehr gerechnet hätte. Plötzlich war der alte Mann für die junge, unabhängige Country-Szene, das, was Neil Young für die Grunge-Kids war: der Übervater.

Auf dem bezeichnenderweise „American Recordings“ betitelten Album (auf dem Cover sieht man zwei Hunde, die Cash „Sünde“ und „Vergangenheit“ getauft hatte) begleitete sich Cash selbst auf der Gitarre (die Aufnahmen fanden in Rubins Wohnung und in Cashs Blockhütte statt). Einmal mehr hinterliess er den Eindruck von draussen zu kommen und vom Leben zu singen, wie es wirklich ist (neben eigenen Songs interpretierte er Lieder von Nick Lowe, Glen Danzig, Tom Waits, Loudon Wainwright III und Leonard Cohen). Er verband die Neunziger mit altehrwürdigem Folk, Blues und Country. In dem ruppigen Song „Delia’s Gone“ geht es um einen Mord: ein Mann fesselt seine Frau an einen Stuhl und schiesst ihr in die Seite, um sie leiden zu sehen, und tötet sie mit einem zweiten Schuss. In dem Video sieht man Superstar-Model Kate Moss. Cash in schwarzem, langem Mantel auf einem Friedhof mit schwarzer Gitarre und im Wind wehendem Haar, Moss im Sommerkleid, ein Kreuz mit „Delia“ im Hintergrund. Gitterstäbe.

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Ry Cooder, Paradise And Lunch, 1974

Produzent/ Russ Titelman, Lenny Waronker

Label/ Reprise

Die neun Songs auf „Paradise And Lunch“ repräsentieren ausschliesslich alte Traditionals, alte Bluesnummern und Ausflüge in Gospel und traditionellen Folk. Die verwendeten Instrumente passen perfekt dazu, und lassen die Bilder von Feldarbeitern, alten Männern auf der Veranda und alten Autos, also typische Klischees zu Blues und Folk, im Kopf des Hörers entstehen. Kein Anderer als Ry Cooder kann dieses Flair entstehen lassen, diesen relaxten Sound, der tief in der amerikanischen Roots-Musik verwurzelt ist.

Meine persönlichen musikalischen Höhepunkte, neben dem bereits erwähnten Opener „Tamp Em Up Solid“, sind übrigens die gospelig-vertrackte Coverversion von „Jesus On The Mainline“, sowie die verspielten Reggae-Version von „It’s All Over Now“. Auch die letzte Nummer der Platte, wo Ry Cooder allein mit dem eleganten Pianisten Earl Hines und seinen perlenden, präzisen Pianofiguren das lustige Nonsense-Lied „Ditty Wa Ditty“ zum Grooven bringt, ist in dieser Besetzung wohl einmalig. Tolle und abwechslungsreiche Musik, die das Herz berührt – was will man mehr?

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Gillian Welch, Boots No.1: The Official Revival Bootleg, 2016

Produzent/ Gillian Welch, David Rawlings

Label/ Acony Records

Es gibt Künstler, die haben diesen einen historischen Moment, indem sie etwas Neues schaffen, dann verflüchtigt sich der Moment. Sie spielen zwar weiter Musik, aber immer werden sie in Beziehung zu diesem Moment gesetzt. Gillian Welch schaffte es 1996 auf ihrem Debüt-Album „Revival“ – genial produziert von T-Bone Burnett – einen spartanischen und dunklen Stil zu kreieren, der Elemente der Appalachenmusik mit Bluegrass und Americana verband. Ihre Musik erschien damit besonders ursprünglich und nah an traditionellen Folkstilen. Nach dem Album „Revival“ waren Alternative Country und Americana nicht mehr so wie vorher.

Aus Anlass des Album-Jubiläums hat Gillian Welch mit ihrem Partner David Rawlings zwanzig Jahren später „Boots No. 1: The Official Bootleg Revival“ veröffentlicht. Das „Revival-Bootleg“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass es – wenn sorgfältig editiert und produziert – durchaus Sinn macht, Demos, Alternativversionen und Outtakes eines Albums zu veröffentlichen. Denn im besten Fall – und das ist hier so – kann man einen künstlerischen Prozess mitverfolgen.

Denn man hört ein Album nicht dem Ergebnis nach, sondern man hört den Weg von den musikalischen Ideen bis zum Album. Das ist bei Gillian Welch besonders faszinierend. Auch die Demo und die Alternate Version von „Orphan Girl“, ihrem „Signature Song“, sind absolut überzeugend. Ihr ungeschützter, spröder, verletzlich-zarter Gesang klingt hier noch besser als auf der Album-Version.

Wenn man auf diesen Weg das „Revival-Bootleg“ anhört, dann beginnt man sich natürlich auch zu fragen, warum dieser oder jener Song nicht auf das Album gekommen ist. Hier sind es natürlich „Old Time Religion“ und „Georgia Road“, die diese Outtake-Charts anführen. Wobei natürlich der Erfolg von „Revival“ Gilian Welch und T-Bone Burnett in ihrer Songauswahl Recht gegeben hat. Auf jeden Fall ist „Boots No.1“ eine wunderbare Ergänzung der Gillian Welch Sammlung, eine willkommene Erinnerung an das wunderbare erste Album dieser Ausnahmekünstlerin – und vor allem ist es ein musikalischer Hochgenuss.

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Family, Music In A Doll’s House, 1968

Produzent/ Dave Mason

Label/ Reprise

„Music In A Doll’s House“ war das geniale Debutalbum der Band von 1968. Wenn Family hier auch noch nicht so grossartige Songs komponierten wie auf „Entertainment“, sind hier schon alle ihre Qualitäten erkennbar: die einzigartige Stimme von Roger Chapmann, der aus der sanftesten Melodie heraus gleichsam explodieren kann. Das Arrangement ist einfach schräg und immer wieder grossartig unharmonisch.

Angefüllt mit atemberaubenden Melodien, ständig im Spannungsfeld zwischen der Rauheit der Strasse und tiefer Melancholie pendelnd, und gekrönt von der einzigartigen gurgelnden Stimme von Roger Chapman, hatte diese Platte wiederum einen sehr starken Einfluss auf später berühmt gewordene Bands wie King Crimson, Jethro Tull, Genesis der Gabriel-Ära und viele andere.

Es ist schade, dass „Music In A Doll’s House“ heute fast vergessen ist. Dabei ist dies die Ursuppe, aus der in den 70er Jahren dann vieles Grossartige entstanden ist. Meines Wissens gibt es in der Pop- und Rockmusik nichts Vergleichbares. Hören, sich verzaubern lassen und in die Puppenstube einziehen!

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Otis Rush, Right Place, Wrong Time, 1976

Produzent/ Nick Gravenites, Otis Rush

Label/ Bullfrog Records

1971 nahm Otis Rush in den Capitol-Studios die Titel von „Right Place, Wrong Time“ auf. Es ist bis heute eines der frischesten und packendsten Alben in seiner Blues-Diskografie. Capitol, berüchtigt wegen gelegentlicher Fehlurteile enormen Ausmasses, muss wohl der Meinung gewesen sein, das sei alles nicht der Rede wert und steckte es kurzerhand ins Archiv. 1976 hatte Rush soviel angespart, das er die Mastertapes freikaufen und anderswo veröffentlichen konnte. Für den grossen Erfolg am Mainstream-Markt war es da allerdings schon zu spät.

Otis Rush war in seinen besten Zeiten einer der einflussreichsten Gitarristen des „West-Side-Chicago-Blues“, und gemessen daran ist sein Bekanntheitsgrad beschämend niedrig. Rush hatte ausser den üblichen rassenbedingten Schikanen in seiner Jugend auch handfeste familiäre Misshandlungen durchzustehen und zu bewältigen. Seinen Songs fehlt aber die Larmoyanz, die man dem Blues schon mal ankreiden möchte; er war immer ein eher zorniger Mann, der auch über einige renommierte Kollegen eine eher dezidierte Meinung hatte, über das Geschäftsgebaren der Plattenlabels sowieso.

„Right Place, Wrong Time“ gehört in die Reihe der schönsten Aufnahmen des elektrischen Chicago-Blues um 1970. Vielleicht fehlt die ganz grosse Virtuosität eines Buddy Guy, trotzdem ist das Gitarrenspiel ein Erlebnis, es hat durch Rush’s typische „bended strings“ eine unverkennbare und sehr individuelle Note.

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B.B. King, Live At The Regal, 1965

Produzent/ Johnny Pate

Label/ ABC

Es war wohl nicht einfach, das Spiel auf der elektrischen Gitarre in einer Stadt ohne Elektrizität zu lernen, doch als B.B. King im November 1964 Chicago erreichte, um im Regal Theater zu spielen, hatte er 39 Jahre geübt. An diesem Abend kam er strahlend auf die Bühne, inzwischen hatte er mehr als 30 Hit-Singles veröffentlicht, auf dem Rücken trug er die berühmte Gibson-Gitarre  namens Lucille, und von den Rängen begrüsste ihn eine Vielzahl weiblicher Fans.

Lucille sprach zuerst: Mit ein paar tanzenden Riffs, vor Bläsern und Schlagzeug stellte sie sich und ihren Mann dem verzückten Publikum vor. Schnell kam B.B. Kings Antwort – die charakteristisch galante Klage: „Everyday I Have The Blues!“ Dieser unsterbliche Dialog hatte beide in zehn Jahren zu Stars gemacht.

King beherrschte den Raum wie ein Prediger aus dem Mississippi-Delta: Er liess die Gemeinde schluchzen und wimmern und lockte jeden einzelnen Zuhörer in den Dialog mit ihm und Lucille. Nach der Erföffnung kam das schmachtende „Sweet Little Angel“ und wie es liebte „ihre Flügel zu spreizen“.

Doch das war kein Sex, es war der Blues, und B.B. King war derjenige, der vor Verlangen und Herzschmerz delinierte. Brennende Vorträge von „It’s My Own Fault“, „How Blue Can You Get“ und „You Upset Me Baby“ unterstrichen von Kings gefühlvollen Zärtlichkeiten an Lucilles Hals, wurden zum Standard für Live Blues und halfen dabei, den King zum grössten Gitarristen in der Geschichte des Genres zu krönen.

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The Doors, Strange Days, 1967

Produzent/ Paul A. Rothschild

Label/ Elektra Records

Wenn „Strange Days“ wie der zweite Teil des Debütalbums klingt, ist das kein Zufall. Es handelte sich immer noch um die Songs, die die Band bereits seit ihrer Gründung live erprobt hatte. Die Stimmung ist ähnlich wie auf „The Doors“, und doch wiederholt sich nichts, den die Songideen sind originell, insgesamt ist die Platte vielleicht ein wenig psychedelischer. Gleich das Orgel-Intro zum Opener „Strange Days“ leitet die Platte mit einer entrückten Note ein. Das Album ist leiser, balladesker und womöglich in der Nuance auch ein wenig experimenteller als sein Vorgänger. In „Love Me Two Times“ bringt Ray Manzarek zum Beispiel den Klang eines Cembalos zu Gehör. „Horses Latitudes“ ist eigentlich kein Song, sondern eine erste Spoken-Word-Performance Morrisons, die von den drei Instrumentalisten mit düsteren Klangkulissen untermalt wird.

Auf „Strange Days“ fehlen die Anklänge an asiatische, lateinamerikanische und Musiktraditionen, die auf „The Doors“ noch im Vordergrund standen. Die jazzigen Momente, vorallem von Kriegers Gitarre, werden organischer in den Gesamtsound integriert. Krieger und Manzarek sind dichter beisammen als auf dem Erstlingswerk. Das Gesamtbild der Band gewinnt an Tiefe, die Gruppe wirkt selbstbewusster und ein wenig eleganter. Morrison geniesst diese Sicherheit hörbar. Er kann mit seinen vokalen Fähigkeiten besser changieren. in Liedern wie „You’re Lost Little Girl“ oder dem kurzen „Unhappy Girl“ wird er fast zum Crooner in der Tradition von Bing Crosby, Frank Sinatra oder Tony Bennett. Der nächste Höhepunkt ist das kurze, aber unglaublich konzentrierte „People Are Strange“, das wiederum ein wenig an die britischen Kinks erinnert, bei denen sich The Doors ja sowieso gern bedienten. Am Ende steht mit „When The Music’s Over“ wieder ein grosses Epos, das zugleich eine weitere Endzeit-Fantasie ist. Morrison und The Doors haben auf ihren Alben von Anfang an ihr Ende akzeptiert.

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Ry Cooder, Bop Till You Drop, 1979

Produzent/ Ry Cooder

Label/ Warner Bros.

„Bop Till You Drop“ ist ein weitere Beweis, dass ausser Taj Mahal niemand ein so authentisches und gleichzeitig reflektiertes Verhältnis zur Geschichte amerikanischer populärer Musik hat wie Ry Cooder. Seine Kenntnisse sind umfassend, was immer er aus dem Reservoir herausgereift. Er beherrscht die Materie. Wie er auf dieser Platte völlig obskure Coverversionen (wie beispielsweise „Little Sister“, eine im Original völlig lahme Nummer von Elvis) mit flexiblen, eleganten Gitarrenparts (überragend: Sideman David Lindley), funkigem Bass (Tim Drummond) und elegantem Schlagzeug (Jim Keltner) anreichert, das hat Klasse.

Das verzweifelte, oberauthentische „I Can’t Win“ mit grandiosem Satzgesang, das gospelhafte, vertrackt synkopierte „Trouble, You Can’t Fool Me“ ebenso wie das düster-treibende „Down In Hollywood“ (mit Chaka Khan als Backgroundsängerin) – jeder Song hat schon nach zwei Takten eine eigene Stimmung, Stil, perfekte Interpretation und Klasse. Jeder Song garantiert besser als das Original. Absolut ergreifend und versteckt ganz in der Mitte das ruhige, sanft schunkelnde „I Think It’s Going To Work Out Fine“: Besser kann ein einfaches kleines Volkslied nicht interpretiert werden.

Ry Cooders Arbeit, die für mich mit seiner Mitwirkung an den ersten Bands von Captain Beefheart und Taj Mahal begann, wirkt hier reif und souverän, klar und ohne Schlacken. „Bob Till You Drop“ ist ein Ausnahmealbum, dass auch nach fast vierzig Jahren nichts von seinem Wert eingebüsst hat.