Jethro Tull, Aqualung, 1971

Produzenten/ Ian Anderson, Terry Ellis

Label/ Chrysalis Records

Nach ihrem relativ bluesigen Debütalbum „This Was“ änderten sich die Dinge bei Jethro Tull schnell. Co-Chef Mick Abrahams verlor den internen Machtkampf gegen Alpha-Anderson und suchte das Weite. Martin Barre hiess der Nachfolger und fortan sollten die von ihm an der Gitarre markant gesetzten Riffs zu einem charakteristischen Merkmal vieler Jethro-Tull-Songs werden – gut zu hören auf dem vierten Album „Aqualung“.

Das im März 1971 erschienene Meisterwerk dreht sich um Gott und die Welt, erzählt die Geschichten einiger seltsamer Gestalten und versammelt neben kleinen Akustikperlen die wichtigsten Stücke Ian Andersons. Und die sind nahezu alle von der Gitarre Martin Barres mitgeprägt. Das Titelstück eröffnet die A-Seite und kommt genau wie sein Pendant „My God“ auf der B-Seite etwas vertrackt daher, akustische Passagen und Hardrock-Elemente halten sich die Waage. Gleiches gilt für das finale „Wind Up“. Straighter fallen das schwer pumpende „Hymn 43“ und die Tull-Erkennungsmelodie „Locomotive Breath“ sowie das gerne mal im Schatten der anderen Knaller übersehene „Cross-Eyed Mary“ aus.

Und die Flöte? Ian Anderson spielt sie heute immer noch, allerdings ohne Jethro Tull und seinen Gitarristen Martin Barre. Der tingelt seit ein paar Jahren durch kleine Clubs auf der ganzen Welt und gibt ziemlich harte Shows.

Pink Floyd, More, 1969

Produzent/ Pink Floyd

Label/ EMI Columbia

Unter zeitgenössischen Geschmackswächtern hat sich die Ansicht durchgesetzt, Pink Floyd für ihre späteren Platten als Produzenten von psychedelischem Pomp abzutun. Manchmal findet sich ein Bescheidwisser, der dann die Finger hebt und einwirft: „Die waren gut, solange Syd Barrett noch dabei war!“ Beide Ansichten haben ihre perspektivische Berechtigung. Zusammen ergeben sie aber einen toten Winkel von 1968 bis 1970. In der Zeit zwischen Barrett und Pomp fallen allerlei Experimente und Auftragsarbeiten, von „A Saucerful Of Secrets“ bis „Ummagumma“.

Eine dieser vergessenen Platten ist „More“, der Soundtrack zum gleichnamigen Film von Barbet Schröder. „More“ war ein Projekt, bei dem Pink Floyd absolut freie Hand hatten. Beim ersten Hören – und verglichen mit der obsessiven Homogenität späterer Alben – klingt „More“ wie eine lockere Ansammlung zerstreuter Skizzen, die man auch hätte wegwerfen können. Beim zweiten Hören fällt auf, dass beinahe jede dieser Skizzen eine Suchbewegung ist. Avantgarde, von der damals aktuellen „musique concrète“ („Quicksilver“) über flirrenden Proto-Ambient („Main Theme“) und pulsierenden Krautrock („Up The Khyber“) bis zu pastoralem Proto-Freakfolk („Cirrus Minor“) und dem Proto-Metal von „The Nile Song“ und „Ibiza Bar“. Und spätestens beim dritten Hören merkt man, dass das Album richtig gut ist; man kann hier eine Seite von Pink Floyd kennenlernen, die man womöglich davor und danach niemals wieder so sehen konnte. Es ist allemal eine Erfahrung wert und aufgrund der sehr verschiedenen Stile, die die Band auf „More“ anreisst, wird das Album im Gegensatz zum Film keinesfalls langweilig. Nicht einmal auf Dauer.

R.E.M, In Time: The Best of R.E.M. 1988 – 2003

Produzent/ Scott Litt, Pat McCarthy

Label/ Warner Bros.

Nachdem die Compilation „The Best Of R.E.M.“ (1991) ihren ersten Karriereabschnitt beleuchtete, deckte „In Time“ den zweiten ab. Die Jahre ab 1988 und vor allem ihre Zeit als Megastars, nachdem „Losing My Religion“ die Band aus Athens, Georgia im Jahr 1991 in die Stadien dieser Welt hievte. „Our career can be divided into the two parts: pre-Losing My Religion and post-Losing My Religion“, reflektiert Peter Buck in den Liner Notes, die es ausführlich zu jedem einzelnen Song in dem Booklet gibt. Und wer je an einem R.E.M. Konzert Zeuge wurde von der andächtigen Augenschliess- und Mitsummen-Orgie des Publikums, ist sich bewusst, dass hinter diesem einen Song mehr steckt als eine zarte Mandoline. Und hinter R.E.M. alles andere als oberflächliche Songs. Magie heisst so etwas wohl. Erklären kann es keiner.

Man kann höchstens versuchen, es halbwegs greifbar zu machen, indem man ihre bedeutendsten Songs versammelt. Und jene Highlights wirken um so beeindruckender, wenn sie unter sich sind und nicht von schwer bekömmlicher oder teilweise auch schwächelnder Kost unterwandert wie beispielsweise auf „Monster“ oder „Up“. Auf „In Time“ hingegen verbirgt sich 18 Songs lang kein einziger Ausfall. Vom Romantischen wie „At My Most Beautiful“ über Sonnendurchflutetes wie „Imitation Of lLfe“, Deftiges wie „What’s The Frequency, Kenneth?“, „E-Bow The Letter“ mit Patti Smith bis hin zu Euphorischem wie „The Sidewinder Sleeps Tonite“ und Traurigem wie „Everybody Hurts“ oder „Nightswimming“ ist alles vertreten, was R.E.M. Rang und Namen verschaffte. Und mit dem nostalgischen „Bad Day“ sowie dem spacigen, aber etwas unspektakulären „Animal“ noch zwei neu eingespielte Songs.

Manche mögen vielleicht „Strange Currencies“, „Bang And Blame“, „Leave“ oder „Shiny Happy People“ vermissen: Geschenkt! Vor allem, wenn die Entschädigung so wunderbar ausfällt. Vorschlag: Einfach zurücklehnen, die Augen schliessen und die Musik geniessen.

Seasick Steve, Hubcap Music, 2013

Produzent/ Seasick Steve

Label/ Fiction Records Third Man Records

Mit „Hubcap Music“ hat Steve Wold alias Seasick Steve einen neuen Gipfel erklommen. Und ist sich dennoch treu geblieben. Seine Vorliebe fürs Landleben illustriert „Down On The Farm“, ein druckvoller Electric-Blues mit ZZ-Top-Riff. Ähnlich gestrickt sind „Self Sufficent Man“ und „Freedom Road“. Ein Grund, weshalb Seasick Steve ( geb. 19. März 1951 in Oakland, Kalifornien) hier nicht ausschliesslich monotonen Boogie spielt, ist sicher, dass ihm die Gastmusiker John Paul Jones (Mandoline, Bass), Luther Dickinson (Gitarre) und Jack White, Leadgitarrist auf dem von John Lee Hooker inspirierten „The Way I Do“, ihr Händchen gehalten haben.“Purple Shadows“, ein melancholisches Country-Duett präsentiert Steve von einer gänzlich neuen Seite, auf dem bittersüssen „Over You“ offenbart er als Sänger ungeahnte Nuancen, welche durch die Mandolinen-Glissandi von Jones noch unterstrichen werden.

Die Themen der Songs stammen aus Steves Biographie: Flucht vor dem gewalttätigen Stiefvater, Leben als Gelegenheitsarbeiter, der gescheiterte Versuch, eine Existenz in der sogenannten „Normalität“ aufzubauen, später Ruhm, gestärktes Ego. In Songs wie „Self Sufficent Man“ und „Keep On Keepin‘ On“ plädiert er dafür, an Träumen festzuhalten. Kluger Mann. Den Glauben daran brauchen wir alle.

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Zappa/ Beefheart / Mothers, Bongo Fury, 1975

Produzent/ Frank Zappa

Label/ DiscReet Records

Zappa und Beefheart, zwei Schulfreunde und zwei legendäre Musiker, taten sich 1975 für eine zweimonatige USA-Tournee zusammen. „Bongo Fury“ beinhaltet einige am 20ten und 21ten Mai 1975 aufgenommene Live-Stücke. Drei Intros wurden bereits 1974 im Studio aufgezeichnet. Auch zwei Songs („Cucamonga“ und „200 Years Old“) scheinen dort entstanden zu sein.

Nach dem wegweisenden Album „Trout Mask Replica“, für das Zappa (als Produzent) und Beefheart verantwortlich zeichneten, zerstritten sich die beiden und gingen – bis zum vorliegenden Album – getrennte Wege. Der eine war ein allseits bekannter Perfektionist, der andere galt als extrem eigenwillig und unzuverlässig. Erneuter Streit war also vorprogrammiert, zumal Beefheart der nervende unsichere Faktor im perfekt einstudierten Liveprogramm von Zappa & The Mothers of Invention gewesen sein soll.

Beefheart sorgt auf diesem streckenweise bluesorientierten Album für einige unverwechselbar freakige Gesangseinsätze. Dieses vor allem in dem ausgezeichneten „Debra Kadabra“, das Blues mit zappaeskem Avantgarde-Theater verbindet. Beefheart spricht auf dieser Platte auch zwei seiner Gedichte: „Sam with the showing scalp flat top“ und „Man with the woman head“. An der musikalisch durchschnittlichen Countrynummer „Poofters Froth Wyoming Plans Ahead“ ist der von Beefheart vorgetragene Zappa-Text das einzig Interessante. Dieser Text zieht nämlich den damals anstehenden zweihundersten Geburtstag der USA durch den Kakao. Auch das bluesige „200 Years Old“ beschäftigt sich mit diesem Thema. Der Text von „Cucamonga“, einem verwinkelten Song mit comedyhaften Gospelgesängen ist nostalgisch geraten, Zappas Anfänge als Musiker betreffend.

Zappas Gitarrensolos gehören neben seinen unverwechelbaren Kompositionen, dem elfminütigen „Advance Romance“, „Dabra Cadabra“, „Carolina hard-core ecstasy“ und „Muffin man“ zu den herausragenden Momenten von „Bongo Fury“. Die meisten der obigen Stücke verwirklichen den Anspruch, gleichzeitig einprägsam, vertrackt und humorvoll zu sein.

Curtis Mayfield, Superfly, 1972

Produzent/ Curtis Mayfield

Label/ Curtom

Es ist umstritten, welches der erstes Blaxploitation-Film war – d.h. ein Film mit schwarzen Schauspielern für schwarze Zuschauer über das Leben von Schwarzen in den Städten und Ghettos. Sowohl „Sweet Sweetback’s Baadassss Song“ als auch „Shaft“ kamen 1971 in die Kinos, dicht gefolgt von „Superfly“, für den Curtis Mayfield die Musik schrieb.

Mayfield, politisch engagierter Soul- und R&B-Sänger und -Komponist, unterstützte die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung. Sein Soundtrack steht im Widerspruch zum Film: Der Film „Superfly“ erzählt die Geschichte eines Kokaindealers, der versucht aus dem Drogengeschäft auszusteigen und hat keine eindeutige Botschaft – Mayfields Soundtrack hingegen schon. Seine kompromisslosen Texte lassen kein gutes Haar an der ghettotypischen Drogenverherrlichung und greifen einige der Filmfiguren direkt an.

Der Titelsong selbst – in einem Wort geschrieben – ist eine Wonne, gesungen in Mayfields unverwechselbarem Falsett. Das Intro aus Bass und Schlagzeug wurde schon häufig gesampelt; federnder Funk, akzentuiert durch Bläser und Percussion, begleitet und umspielt den Gesang. Die Musik war kommerziell sofort erfolgreich; der Soundtrack stellt den Film weit in den Schatten und war eines der ersten Konzeptalben des Soul.

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Little Richard, Here’ Little Richard, 1957

Produzent/ Bumps Blackwell

Label/ Speciality

Im Sommer 1955 brach plötzlich überall der Rock’n’Roll aus. Innerhalb weniger Wochen kamen Fats Domino, Ray Charles, Chuck Berry und Bo Diddley mit ihren Songs in die Charts. Auch Art Rupe von Speciality Records wollte unbedingt auf dieser Welle surfen. Er befahl seinem besten Talentscout, Bumps Blackwell, einen zweiten Ray Charles zu finden. Bumps fuhr nach Süden und entdeckte im legendären Dew Drop Inn in New Orleans einen extravaganten (und offensichtlich schwulen) Jump Blues Sänger und Pianisten namens Little Richard Penniman. Im September war es soweit: Bumps nahm Little Richard mit in Cosimo Matassas Studio und dort schrieben sie auf einem einspurigen Tonband Musikgeschichte.

Es war reiner Wahnsinn: Richard, Bumps, Cosimo und einige der besten Studiomusiker von New Orleans machten Aufnahmen mit geballter, schamloser, irrer Energie. „Tutti Frutti“ begann den Aufstieg in die Charts im Oktober, während „Long Tall Sally“, „Slippin’ And Slidin’“, „Ready Teddy“ und „Jenny Jenny“ 1956 folgten. Alle diese Hits befanden sich auf „Here’s Little Richard“, gekrönt mit einem unvergesslichen Foto von Richard in Aktion.

Es wurde die erfolgreichste LP des Künstlers. Als Original wird sie sich kaum noch auftreiben lassen, doch die Tracks befinden sich auf vielen Sampler. „Here’s Little Richard“ gehört zu den Stammzellen des Rock’n’Roll – aus diesem Album, und einem halben Dutzend anderer, ist das ganze Genre entstanden.

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Mavis Staples, You Are Not Alone, 2010

Produzent/ Jeff Tweedy

Label/ ANTI-

Sie ist eine der grössten Sängerinnen des 20. Jahrhunderts und hat so gut wie alles erreicht. Mavis Staples, 1939 geboren als Tochter des legendären Pop Staples und Teil der Staples Singers. Etliche Jahre wirkte ihre Karriere, wie die meisten ihrer noch lebenden Zeitgenossen, richtungslos und uninspiriert, bevor sie das Glück hatte, mit Wilcos Jeff Tweedy, ein weiterer junger Musiker der sich als Rick Rubin versuchte, ein würdiges Album zu schaffen, das ihr den Beginn einer neuen Karriere bescherte.

„You Are Not Alone“ führt Mavis Staples zu ihren Roots zurück: Es ist ein Gospelalbum, auf dem sie etliche alte Kirchensongs anstimmt, die sie schon als Teenager in der Kirche sang. Die tut sie allerdings ohne das zwanghaft euphorische und missionarische Pathos des traditionellen Gospels.

„You Are Not Alone“ ist ein zurückhaltend produziertes, blueslastiges Soulalbum, der Sound klingt so warm und herzlich, als käme er direkt aus den alten Stax-Studios und schenkt der einzigartigen Stimme von Mavis Staples viel Raum – so dass sich die alte Dame nicht mit reiner Vokalkraft in den Vordergrund kreischen muss, sondern sich ganz auf ihr Gefühl verlassen und konzentrieren kann.

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Taj Mahal, Maestro, 2008

Produzent/ Taj Mahal

Label/ Heads Up International

Weltmusik, der Begriff klingt so freundlich. Dabei trägt seine Verallgemeinerung eine Entwertung in sich. Denn der Begriff bezeichnet alles, was ausserhalb der USA gespielt wird, mit demselben Etikett. Weltmusik meint die Volksmusik der armen Länder und Kontinente, von den europäischen Zigeunerweisen über die afrikanischen Polyrhythmen zu den karibischen und lateinamerikanischen Tänzen. Auch deshalb wird der Begriff von denen am meisten kritisiert, deren Musik damit belegt wird: Sie empfinden die Gleichmacherei als Anmassung.

Umso erstaunlicher, dass ein Pionier dieser sogenannten Weltmusik den Begriff dermassen unbekümmert verwendet: Henry Saint Clair Frederick, der sich Taj Mahal nennt, seit über fünfzig Jahren als Musiker die Welt bereist und sich von allem beeinflussen lässt, was ihm auf seinen Reisen begegnet.

„Maestro“ nennt der gebürtige New Yorker sein 2008 erschienenes Album selbstbewusst, das die Einflüsse seiner Karriere vorzeigt und wie eine inoffizielle Anthologie funktioniert. Von Gästen wie Los Lobos, Ziggy Marley oder Ben Harper unterstützt, singt sich der Bandleader durch Reggae-, Soul- und Bluesnummern, covert Fats Domino und Bo Diddley und bezieht sich mehrmals und also demonstrativ auf die synkopierten Second-Line-Rhythmen von New Orleans.

Auch mit seiner eigenen Band macht Taj Mahal vor, dass der Blues für ihn bestenfalls eine Grundierung ist, die es mit anderen Einflüssen anzureichern gilt. Mahals Stimme klingt noch immer kehlig und voll, und seine Musik hat nichts von ihrer Vielfalt und Vitalität verloren. Viele amerikanische Musiker bedienen sich fremder Stile, wenn ihnen die Ideen ausgehen und ihnen die Folklorisierung Echtheitszertifikate garantiert. Für Taj Mahal aber gehört die stilistische Vielfalt zum Ausdruck seiner Musik und Kultur.

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Tedeschi Trucks Band, Revelator, 2011

Produzent/ Jim Scott, Derek Trucks

Label/ Sony Music

Die Tedeschi Trucks Band macht, was in diesen Zeiten nottut: tröstliche Musik mit einer scharfen Note, Roots-Rock mit sozialem Bewusstsein. Susan Tedeschis Stimme hat das Beruhigende von Bonnie Raitt und die wütende Euphorie von Janis Joplin. Die Bandmitglieder sind weisse und schwarze Musiker mit Wurzeln in Irland, Italien oder Syrien und doch ist diese Band „all-american“: Blues, Rock, Funk und Soul

Die Geschichte der Protagonisten ist eng mit jener der Allman Brothers Band verknüpft. Gitarrenvirtuose Derek Trucks war bereits als Teenager häufig Gast in der Südstaaten-Rockband. 1999, als er zum festen Mitglied wurde, spielte Susan Tedeschi im Vorprogramm der Allmans. Sie und der neun Jahre jüngere Slide-Gitarrist wurden ein Paar. In den kommenden Jahren teilten sie ihr Privatleben, gingen musikalisch aber zunächst Solo­wege. Bis sie 2010 schliesslich ihre gemeinsame Band gründeten.

Ihr Erstlingswerk „Revelator“ hat es gehörig in sich. Durch die grosse Band entsteht ein polyrhythmischer Groove, der jedem Song seinen eigenen Charakter verleiht. Die Songs sind alle aufeinander abgestimmt. Man höre sich nur einmal  „Midnight In Harlem“ an. Ebenso schön kommt „Until You Remember“. Rockiger, aber nicht minder intensiv, klingt „Learn How To Love“. Traumhaft schön auch das Zusammenspiel von Orgel und Bass auf „Love Has Something Else To Say“, gefolgt von einem kurzen und bewundernswert perfekten Wah-Solo der Gitarre.

All dies sind Momente der Freude, eine Feier der menschlichen Erfindung namens Musik. Wenn die Musiker der Tedeschi Trucks Band ihre Virtuosität zeigen, wirkt das nicht wie eine Zurschaustellung, sondern wie ein Geschenk. Oder, anders gesagt, „Revelator“ ist ein Album, für das man sich Zeit nehmen sollte, um alle Feinheiten zu spüren.