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Bob Dylan, Slow Train Coming, 1979

Produzent/ Barry Beckett, Jerry Wexler

Label/ Columbia Records

Dylans Zeit von 1979 – 1981, die sogenannte „christliche Phase“, gilt für viele seiner Fans als dunkle Epoche. Bob schien damals mitten auf der Crossroad zu stehen. Er sprach öffentlich über seine Beziehung zu Jesus, verkündete in Songs wie „Gotta Serve Somebody“, dass man sich zwischen Gott und dem Teufel zu entscheiden hätte. So was symbolisch zu deuten, das schien zu viel verlangt für seine Anhänger; für sie klang es wie ein Hohn, und sie beschimpften ihn als „Fundamentalisten“. Ihr Gott war Dylan, und jetzt verkündete dieser höchstpersönlich, dass er demütig zu einem noch höheren Gott aufschaue? Und dann war es ausgerechnet dieser Mark Knopfler, der Dylan beistand auf seinem Gospel-Album „Slow Train Coming“. Knopfler war damals für eingefleischte Dylan-Fans wie ein rotes Tuch. Was in aller Welt konnte ein Dylan ausgerechnet an diesem „Weichspüler Knopfler“ gut finden?

Aber im Grunde genommen standen sich beide Künstler von Anfang an nahe. Beide sind leidenschaftliche Geschichtenerzähler. Dylan brachte Knopfler damals auf auf seinen Weg als Sänger – man höre sich nur mal die ersten Dire Straits-Alben an. Und Dylan konnte nicht anders als Knopflers Gitarren-Kunst zu bewundern – weil er selbst nie schaffte die Saiten zu sprechen zu bringen. Natürlich gibt es da ein paar Gegensätze; während Knopfler inzwischen völlig entspannt und „bescheiden“ Folk spielt, hämmert Dylan immer noch kratzbürstig los und dekonstruiert seine Songs. Aber im Grunde ihres Wesens sind sie sich ähnlich, sie spielen im Alter bloss verschiedene Facetten aus. So ein Kontrast kann doch nur spannend sein! Oder würden Sie beispielsweise behaupten, dass zwei gute alte Freunde sich nicht mehr vertragen dürfen, nur weil der eine Rentner vielleicht unrasiert in Jeans daher kommt – und der andere seinen nostalgischen Hang zu gepflegten Klamotten nicht aufzugeben bereit ist?

The Who, Boris The Spider, 1966

Text/ Musik/ John Entwistle

Produzent/ Kit Lambert

Label/ Polydor

Die finanzielle Situation von The Who war ziemlich desolat, als 1966 ihr zweites Album fällig war. Mit der Plattenfirma hatten sie einen Vorschuss von fünfhundert Pfund ausgehandelt, der jedoch erst ausgezahlt werden sollte, wenn jedes Bandmitglied zwei Songs abgeliefert hatte. Nachdem sie John Entwistles „Whisky Man“ geübt hatten, erkundete sich Pete Townshend bei seinem Bassisten, ob er seinen zweiten Song schon fertig habe. Um nicht als faul zu erscheinen, nickte Entwistle zustimmend, der allerdings lieber mit Bill Wyman und Charlie Watts um die Häuser gezogen war, statt im stillen Kämmerlein zu komponieren. Townshend wollte Näheres wissen: „Wovon handelt er?“ Von einer Spinne. „Wie heisst er?“ Entwistle wand sich schuldbewusst und druckste rum. Als er mit Bill und Charlie zechen war, hatten sie, schon ziemlich angeheitert, spasseshalber blöde Tiernamen erfunden und so stammelte er schliesslich: „Oh, äh, ‚Boris The Spider‘.“

Als dann Townshend auch noch wissen wollte, wie der Song geht, kam Entwistle in Panik. Er eilte nach Hause und schrieb das Ding in einem Rutsch. „Es war der schnellste Song, den ich je in meinem Leben geschrieben habe.“

Leon Russell, 1970

Produzent/ Denny Cordell, Leon Russell

Label/ Shelter Records

Einen Künstler habe ich letztes Jahr für mich wiederentdeckt, der mich immer noch erstaunt und überrascht. Die Rede ist von Leon Russell, ein Multitalent, das nicht nur mit unfassbar vielen Grössen der Musikgeschichte zusammengearbeitet hat, darunter Frank Sinatra, den Stones, Elton John, Bob Dylan, George Harrison, Willie Nelson oder Joe Cocker, um bloss mal ein paar Namen nennen. Russell, der 2016 mit 74 Jahren starb, war Songwriter, Arrangeur, Produzent, Sänger, Pianist und eigentlich in sämtlichen Stilrichtungen der modernen amerikanischen Musikgeschichte zuhause. Country, Bluegrass, Rock’n’Roll, Soul, Folk, R’n’B bis Surf, es gibt eigentlich nichts, was er nicht beherrschte.

Wer in die verrückte Welt von Leon Russell eintauchen will, sollte Ausschau halten nach der Film-Documentary „A Poem is a Naked Person“ von Les Banks, die Aufnahmen aus den Jahren 1972 bis 1974 zeigt. Ebenfalls empfehlen kann ich die erste Solo-Produktion von Mr. Russell, die damals auf seinem eigenen Label Shelter-Records erschien. Was man hier zu hören bekommt, ist eine vollständige, perfekte und völlig unzeitgemässe Verschmelzung der obengenannten Stilrichtungen. Alle Tracks sind straight konzentriert, und dennoch sprüht eine ungeheure Spielfreude aus ihnen. Das gilt nicht nur für die Ur-Version von „Delta Lady“ (Joe Cocker). Zwei Songs sind noch besonders zu erwähnen: Der Opener „A Song For You“ und „Hummingbird“. Zudem ist auf der CD-Ausgabe auch eine Version von Dylans „Master Of War“ enthalten, das Russell damals unter erheblicher Verfremdung coverte.

Elvis Presley, Mystery Train, 1955 (Mystery Train, 1989)

Text/Musik/ Junior Parker, Sam Phillips

Produzent/ Sam Phillips

Label/ Sun Records

Bereits dem Titel lässt sich entnehmen, dass der Film „Mystery Train“ von Jim Jarmusch eine Hommage an die Rock-’n‘-Roll-Musik beinhaltet, denn „Mystery Train“ heisst auch ein Song von Elvis Presley. Der gleichnamige Song eröffnet den Film und Elvis bleibt über die gesamte Erzählung hinweg ein zentrales Thema.

In drei Episoden schildert der Film das Alltagsleben völlig unterschiedlicher Individuen. Der Handlungsort aller drei Episoden ist Memphis, die Heimatstadt von Elvis Presley. Die erste Episode erzählt von einem jungen japanischen Liebespaar, welches als grosse Rock-’n‘-Roll-Fans Graceland und die Sun Studios besuchen wollen. Die zweite Episode handelt von einer verwitweten Italienerin, die allerhand eigenartige Begegnungen macht, unter anderem mit Elvis Presleys Geist. In der letzten Episode dreht sich alles um die Probleme von Johnny, der den Spitznamen Elvis trägt. Er wurde von seiner Freundin verlassen, hat seinen Job verloren und gerät mit seinen Freunden in noch grössere Schwierigkeiten.

Jarmuschs Hingabe zur Rock-’n‘-Roll-Musik äussert sich im Film neben dem allgegenwärtigen Elvis Presley auch im Soundtrack, welcher mehrere Rock-’n‘-Roll-Klassiker aufweist, darunter Songs von Otis Redding, Rufus Thomas und natürlich auch Elvis. Neben Elvis‘ Version des Songs „Mystery Train“ ist auch jene von Blues-Sänger Junior Parker zu hören, welche zwei Jahre zuvor erschienen ist. Zudem finden sich in der Besetzung des Films Grössen der Rockmusik wieder. Joe Strummer, Frontmann der Punkband The Clash, Blues-Legende Screamin‘ Jay Hawkins, Rufus Thomas und Tom Waits haben Auftritte in Mystery Train.

Harry Dean Stanton, October 1993, 2021

Produzent/ Jamie James

Label/ Omnivore Records

Seine berühmteste Rolle war zugleich seine einzige echte Hauptrolle. In dem Film „Paris, Texas“ (1984) von Wim Wenders stolpert er sprachlos durch die Wüste. Ein Mann ohne Gedächtnis, der sich langsam seine Vergangenheit zurückerobert, nur um am Ende auf eine glückliche Zukunft zu verzichten.

Neben der Schauspielerei war der vor drei Jahren verstorbene Harry Dean Stanton auch als talentierter Sänger und Gitarrist aktiv. Er liebte Country, Pop, Jazz, Tex-Mariachi-Musik und Tex-Mex. Anders als auf „Partly Fiction“ (2014) hören wir ihn hier mit einer Band, deren Mitglieder früher mit The Kingbees, Stray Cats, Doobie Brothers oder Iggy Pop spielten. Mit Gusto servieren diese Cracks schmissige Versionen von Chuck Berrys „Promised Land“ oder Dylans „I’ll Be Your Baby Tonight“. Stanton singt, spielt akustische Gitarre und Mundharmonika. Eine feine Gesangsleistung liefert er in „Across the Borderline“ ab. Der Song (von Ry Cooder/Jim Dickinson/John Hiatt) passt zu Stantons Filmkarriere. „October 1993“ enthält eine Kombination aus Studio- und Livetracks. Letztere stammen aus Los Angeles berühmtem Troubadour-Club. Gerade hier manifestiert sich eine Vorliebe für zündenden Rock’n’Roll. Man höre sich bloss „Miss Froggie“ an, ein von heulender Bluesharp und schneidenden Gitarrenriffs dominierter Party-Kracher. Erst mit dem mexikanischen Folksong „Cancion Mixteca“ kehrt etwas Ruhe ein. Dank dem Omnivore-Label bekommen wir eine weitere Gelegenheit, an Harry Dean Stantons Leidenschaft für Musik und Gesang teilzuhaben.

Martha & The Vandellas, Dancing In The Street, 1964

Text/Musik/ Marvin Gaye, William Stevenson, Ivy Jo Hunter

Produzent/ William Stevenson

Label/Gordy

Wann ich zum letzten Mal auf der Strasse getanzt habe? Um ehrlich zu sein, bezweifle ich, es je getan zu haben. Vielleicht etwas mit den Hüften gewackelt, wenn an einem Strassenfest in den 80ern eine Band aufspielte. Und doch ist „Dancing in the Street“ von Martha & The Vandellas für mich ein Song, der mich aus der winterlichen Klause holt und euphorische Gefühle von grenzenloser Freiheit und der verbindenden Kraft der Musik auslöst, auch 57 Jahre nach seiner Veröffentlichung. Vorspiel gibt es keins, und nach dem Drum Roll zum Anfang setzen fanfarenhafte Bläser ein. Der Frühling wird von diesem Fast-Forward-Groove überrollt, und schon ist es sommerlich heiss. Natürlich ziehe ich das rauere Original aus der Motown-Hitfabrik der gestylten Coverversion der Herren Jagger/Bowie in den Eighties vor.

Martha Reeves war die kraftvollste Sängerin aus der Girlgroup-Riege der Motor City, und ihre Vandellas liessen nichts anbrennen. Einige Jahre später, als es in den USA zu den „Race Riots“ kam, wurde „Dancing in the Street“ die Hymne des Aufstands und der Unterdrückten. Doch dieser Song lässt sich nicht vereinnahmen. Auch heute noch gibt er das Signal zum Aufbruch und will nicht mehr sein als „just an invitation across the nation a chance for folks to meet“. Ein schon fast unverschämter Aufruf in diesen isolierten Zeiten. Doch er wird gehört werden. Are you ready for a brand new beat?

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Tedeschi Trucks Band, Live From The Fox Oakland, 2017

Produzent/ Derek Trucks

Label/ Fantasy Records

„Ausserordentliche Lage“, Homeoffice, Herunterfahren des öffentlichen Lebens. Wir haben uns daran gewöhnt. Und womöglich sogar gelernt, etwas rücksichtsvoller zu handeln. Das wäre eigentlich eine bemerkenswerte Entwicklung. Doch nach dem Initial-Schock, einem verhältnismässig sorglosen Sommer und der zweiten Welle ist von dieser sorgfältigen Gestimmtheit nur noch wenig zu spüren. Wer ein Musik-Fan ist, der wird vorallem das Klangerlebnis Live vermissen. Aber es wird vermutlich noch einige Zeit des physischen Distanzierens verstreichen, bis Grossveranstaltungen wie Konzerte wieder stattfinden können. Wer hingegen online nach Ersatzmaterial für Live-Auftritte sucht, der wird hier fündig:

Nur wenige Acts bringen Blues, Rock, Soul, Funk, Psychedelia oder Jazz unter einen Hut und drücken allen ihren Stempel auf. Die Tedeschi Trucks Band schafft das locker. Wie die zwölfköpfige Band ihre Dynamik und Improvisationsfreude auf der Bühne auslebt, das ist schlicht packend. Die Aufnahmen stammen alle vom selben Konzert (9.9.2016) im kalifornischen Oakland. Das garantiert einen natürlichen Ablauf, eine Stimmung, als sei man selber dabei. Sechs Stücke des Sets sind aus ihrem letzten Studio-Album „Let Me Get By“. Beeindruckend, wie die beiden Schlagzeuger, die Bläser und Begleitstimmen im Mix zur Geltung kommen. Im Zentrum des Geschehens hören wir Derek Trucks‘ leidenschaftliche Slideläufe sowie Susan Tedeschis starker Gesang – mal markig, mal dezent, gestaltet sie auch eine von Sehnsucht erfüllte Ballade wie „Anyhow“ souverän. Immer wieder lässt Trucks‘ Gitarre die Temperatur in die Höhe schnellen, unwiderstehlich im elfminütigen Cover von „Keep On Growing“ (Derek And The Dominos). Packend auch „I Want More“ mit der Überleitung in Santanas „Soul Sacrifice“. Etwas sperrig klingt „Ali“ aus Miles Davis‘ „Bitches Brew“-Phase: eine Kombination aus Funk, Hendrix Gitarre und experimentellem Jazz.

Little Walter, The Essential, 1993

Produzent/ Leonard & Phil Chess, Willie Dixon

Label/ MCA Records

Neulich hat mich ein jüngerer Bekannter gefragt, was für Musik ich höre, und als ich gesagt habe, dass ich gerne Blues höre, verzerrte sich sein Gesicht, als hätte er in eine Zitrone gebissen. Mag sein, dass der Blues heute dieses Image aus Bierwerbung, gähnenden Gitarrensoli, angestrengten Gesichtern und abgegriffenem Zwölftaktschema hat. An Blueskonzerten trifft man meisten nur Leute mit grauen Haaren, und gute Künstler wie Alvin Youngblood Hart oder der kürzlich verstorbene Reverend John Lee Wilkins erreichen kein jüngeres Publikum, wie es vor einigen Jahren R.L. Burnside und seinen Label-Gefährten noch gelungen ist. Wer aber bisher noch keine Platten von Slim Harpo, Howlin’ Wolf, Skip James oder Jimmy Reed kennt, dem stehen freudige Entdeckungen bevor, welche Tür öffnen in ein schier unendliches Parallel-Blues-Universum, wo auch kleine Sterne wie Honeyboy Edwards, Jessie Mae Hemphill oder Louisiana Red hell strahlen.

In letzter Zeit habe ich „The Essential“ von Little Walter oft gehört. Er war dabei, als man die Mundharmonika elektrisch verstärkt zu spielen begann und einer der ersten, die absichtlich Verzerrung in ihr Spiel einbrachten. Aus Louisiana in Chicago angekommen, spielte er auf den Aufnahmen von Muddy Waters, Jimmy Rogers, Bo Diddley und „Baby Face“ Leroy Foster. 1952 startete Little Walter als Solist mit dem Instrumental „Juke“ eine Serie von Top-Ten-Chart-Hits, was keiner seiner Chess-Labelkollegen je erreichte. Aber der musikalische Erfolg hatte für Walter nicht nur positive Seiten; er bekam Probleme mit Alkohol, wurde streitsüchtig und arrogant und versuchte andere zu übervorteilen. Zwar gelang ihm mit dem von Willie Dixon geschriebenen Stück „My Babe“ nochmals ein Hit, aber das war der Anfang vom Ende. Bei einem Streit ging die Pistole, die er immer mit sich herumtrug, in seiner Hosentasche los und er schoss sich ins Knie. Quälende Schmerzen und noch mehr Drogen. Magere Zeiten brachen an. Little Walter war nur noch ein Schatten seines früheren Selbst, lebte aber weiter ohne Rücksicht auf Verluste, wirkte unnahbar und introvertiert. Er starb am 15. Februar 1968 im Alter von 37 Jahren in Chicago. 

The Beatles, Here Comes The Sun, 1969

Text/Musik/ George Harrison

Produzent/ George Martin

Label/ Apple Records

1969 knarzt es schon ordentlich im Beatles-Gebälk. Es gibt immer wieder Streit, und die Musik wird immer häufiger zur Nebensache. George Harrison erinnert sich später: „‚Here Comes The Sun“ entstand zu einer Zeit, als sich das Beatles-Label Apple wie eine Businessschule anfühlte, vor der es kein Entrinnen gab“. Und auch privat läuft nicht immer alles glatt. George Harrison müssen die Mandeln entfernt werden, dann wird er wegen des Besitzes von Marihuana verhaftet. Kurzerhand nimmt er sich eine Auszeit und fährt zu seinem Freund und Musikerkollegen Eric Clapton raus aufs Land. Die beiden setzen sich in den Garten. „Es war ein sonniger Tag und zum ersten Mal seit Wochen hatte ich wieder die Ruhe, eine Gitarre in die Hand zu nehmen. Und das erste, was mir einfiel, war dieses Lied. Ich habe es dann später im Urlaub auf Sardinien fertig komponiert“, erinnert sich George Harrison.

Das trotz Moog-Synthesizer akustisch anmutende Stück wirkt nicht nur wie der erste ersehnte warme Sonnenstrahl nach anhaltender Kälte, sondern vor allem auch wie ein Versprechen für eine bessere Zukunft. Und das vielleicht Schönste am Lied – zu finden auf „Abbey Road“ – ist jedoch, dass es dem 2001 verstorbenen Harrison mit diesem gelungen ist, das Frühlingsgefühl perfekt einzufangen: Und wer wie ich glücklicher Besitzer einer kurbelbetriebenen Mini-Drehorgel ist, die „Here Comes the Sun“ spielt, hat längst erkannt: Ein paar Drehungen genügen, und sogleich bessert sich die Laune – im Wissen, dass der Lenz naht.

The Go-Betweens, 16 Lovers Lane, 1988

Produzent/ Mark Wallis

Label/ Beggars Banquet

„16 Lovers Lane“ von den australischen The Go-Betweens ist ein herrlich unspektakuläres Album, das ich in dieser Jahreszeit immer wieder gerne höre. Schon allein der uplifting fröhliche Song „Streets of Your Town“ löst bei mir Frühlingsgefühle aus. Da ist diese lüpfige Melodie, die tolle Akustikgitarre, der Singalong-Refrain „Round and round, up and down / Every day I make my way, through the streets of your town“. Ein totaler Ohrwurm, der mich auch 33 Jahre nach Erscheinen fragen lässt, warum dieser Knaller nie ein grosser Hit geworden ist? Geschrieben hat den Song der leider verstorbene Grant McLennan, angeblich innerhalb kürzester Zeit zusammen mit seiner damaligen Freundin Amanda Brown, der hübschen Go-Betweens-Geigerin. Das Stück war ihr wohl „grösster kommerzieller Versuch“, wie McLennans Songschreiber-Partner Robert Foster einmal erzählte. Leider wurde es kein Hit.

Alle zehn Songs auf „16 Lovers Lane“ haben eine Magie, die schwer zu beschreiben ist. Auch wenn die Musik sehr einfach konstruiert ist, wird sie immer süchtiger machend, je man öfter man die Platte hört. Vielleicht liegt es daran, dass es verdammt schwer ist einfache und simple Musik zu machen, die nicht nach dem zweiten Hören anödet, sondern nur noch Lust auf Mehr macht.