Flamin‘ Groovies, Groovies‘ Greatest Grooves, 1989

Produzent/ Cyril Jordan, Dave Edmunds, Richard Robinson

Label/ Sire Records

Von gierigen Managern gelinkt, von laschen Plattenfirmen vernachlässigt und als „ewige Undergroundgruppe“ belächelt, führten die Flamin‘ Groovies einen aussichtslosen Kampf gegen konventionelle Rocktrends. Obwohl die meisten aktiven Bands aus San Francisco Ende der 60er Jahre mit Psychedelic, Westcoast-Sound oder Countryrock experimentierten, hielten sich die Flamin‘ Groovies an einen frischen, temperamentvollen Rhythm & Blues, den sie britischen Bands abgehört hatten. Sie huldigten Vorbildern wie den Beatles oder den Byrds, ohne sie zu kopieren. Ihre Repertoire bestand zu gleichen Teilen aus Cover-Versionen und Eigen-Kompositionen.

Da die Groovies bei sämtlichen Plattenfirmen abgeblitzt waren, beschlossen sie 1968, die Mini-LP „Sneakers“ in Eigenregie aufzunehmen. Die 2’000 Exemplare waren schnell vergriffen und öffneten der Band endlich die Türen arrivierter Labels. 1969 erschien bei Epic-Records das mit viel Geld überproduzierte LP-Debüt „Supersnazz“. 1970 begannen die Groovies in dem von Bill Graham aufgegebenen „Fillmore West“ Tanz- und Rockveranstaltungen zu organisieren und traten auch selbst als Hausband auf. Doch als ihr Geschäftsführer mit der Kasse durchbrannte, fand das Fillmore-Abenteuer ein abruptes Ende.

Ende 1970 trafen die Groovies in New York ein. Richard Robinson besorgte ihnen einen neuen Plattenvertrag und einen Vorschuss von 15’000 Dollar. Bei dem folgenden Album „Flamingo“ nahmen sie das mit dem „Get Back“ der Beatles wörtlich. Die Platte war eine Rückkehr zu Sun Records und frühem New Orleans-R & B, Eddie Cochran und Jerry Lee Lewis. Den Kult-Status erreichten die Flamin‘ Groovies dann mit dem Album „Teenage Head“ (1971). Wer sich einen guten Einstieg in die Welt der Gruppe verschaffen möchte, für den dürfen „Groovies‘ Greatest Grooves“ nicht fehlen.

Townes Van Zandt, In The Beginning, 2003

Produzent/ Jack Clement

Label/ Fat Possum Records

Townes Van Zandt kam nie auch nur in die Nähe des Startums, oder, um etwas genauer zu sein, die Verkaufszahlen seiner Platten waren (zumindest) zu seinen Lebzeiten himmelschreiend mies. Aber das steht nun gar nicht im Widerspruch zu der Tatsache, dass nicht wenige den texanischen Musiker für die eigentliche Herzkammer des Liedermachens halten. Und so hatten andere mit seinen Stücken, wie z.B. Emmylou Harris und Don Williams mit If I Needed You“ oder Willie Nelson und Merle Haggard mit „Pancho & Lefty“, grossen Erfolg. Ohne Zweifel war Van Zandt aber auch ein trauriger Mensch, der sich selbst im Weg stand, einer, der leidend und suchtgeplagt war. Depressionen, Alkohol und Drogen besiegten ihn, so dass er 1997 im Alter von 52 Jahren starb. Wer sich für die oft tragische Geschichte von Townes Van Zandt interessiert, sei der Dokumentarfilm Be Here To Love Me“von Margaret Brown empfohlen, in dem sein Leben informativ und kurzweilig dargestellt wird.

Die Songs von „In The Beginning“ stammen aus dem Jahr 1966, fast zwei Jahre vor der Veröffentlichung des ersten regulären Albums. Es sind simple, im Ohr hängen bleibende Melodien, meist sparsam arrangiert und die oft traurigen Texte sind punktgenau und poetisch; es sind Notsignale aus einem miesen amerikanischen Alltag, die den Staub der Strasse, die Gerüche von Hinterhöfen und den Dunst billiger Kneipen aufgesogen haben. Bei acht der zehn Songs ist Van Zandt solo mit seiner Gitarre zu hören. Der Blues eines Lightinin Hopkins ist genauso präsent wie Folk und Country. Zwei Songs „Hunger Blues“ und „Black Widow’s Blues“ sind mit Band-Back-up. Auch wenn Townes Van Zandt nie ein glücklicher Mensch war, scheint auf wunderbare Weise aber in seiner Musik etwas zu sein, was ihm selbst fehlte: ein Unterschlupf.

J. J. Cale, Troubadour, 1976

Produzent/ Audie Ashworth

Label/ Shelter Records

J. J. Cale’s Musik ist immer in erster Linie Sound gewesen. Wesentliche Charakteristika: ein unverkennbar dichtes Gewebe aus enorm relaxten, jedoch äusserst dichtem Rhythmus und undeutlich geflüstertem und textzerkauendem Gesang. Was Cale in seinen Texten erzählt ist zweitrangig – interessant bleibt das Wie: ultracool gebrachte Songs mit eindringlichen, auf zwei oder drei Akkordfolgen basierenden Melodien und dazu diesen typischen insistierenden Drive.

Auch auf seinem vierten Album „Troubadour“ bewegt sich Cale keinen Fussbreit aus seinem Metier heraus. Es geht los mit „Hey Baby“: sanft wiegend, im Background ein verhaltener, rhythmusbetonter Bläsersatz. In „Travelin’ Light“ wird das Tempo angezogen, in dem ein Vibraphon neben Rhythmus- und Leadgitarre die Akzente setzt, und verlangsamt sich wieder in einem pulsierenden Wiege-Beat auf „You Got Something“. Lässig wird das Intro zu „Ride Me High“ so lange aus Bass, Schlagzeug und Rhythmusgitarre aufgebaut, bis es auch den letzten Zauderer in den Füssen zuckt. „Hold On“ ist eine jazzige Night-Blues-Nummer, und dann startet ein kreischendes E-Gitarren-Riff den bekanntesten Disco-Rocker, den man von J. J. Cale gehört hat: „Cocaine“. Mit fast ebensoviel Power geht es mit „I’m A Gypsy Man“ weiter. Auch die restlichen Songs der Platte haben viel Rock, Swing und Blues. Niemand spielte so wie J. J. Cale, und ich finde seine Musik keine Sekunde langweilig.

Miles Davis, Bitches Brew, 1970

Produzent/ Teo Macero

Label/ Columbia Records

Miles Davis war ein unkonventioneller Musiker. Er hatte den Jazz bereits mehrmals neu erfunden, als er mit 43 Jahren zu seiner wohl innovativsten Schaffensphase ansetzte. Für den Trompeter standen neben künstlerischen Ambitionen damals auch geschäftliche Interessen im Vordergrund. Während er sich für kleine Gagen in winzigen Clubs abmühte, begeisterten junge Rockbands Tausende Menschen bei bestens bezahlten Stadionkonzerten: Jimi Hendrix, Carlos Santana und Sly Stone waren nur einige von vielen Musikern, die harmonische und rhythmische Konzepte von Davis übernommen hatten. Nun wollte der Meister sich auch ein Stück von diesem Kuchen abschneiden.

Insgesamt 12 Musiker (darunter Wayne Shorter, Chick Corea und John McLaughlin, Joe Zawinul und Billy Cobham) holte Davis Ende August 1969 zu sich in die Studios der New Yorker Plattenfirma Columbia. Das 1970 erschienene Doppelalbum „Bitches Brew“, das bei diesen Sessions entstand, gilt als Geburtsstunde des sogenannten Jazzrock. Die freien Improvisationen von Davis‘ Grossformation mit multiplen Keyboardern, Perkussionisten und Bassisten tönen wie ein musikalischer Höllenritt. Weil auf „Bitches Brew“ jeder Musiker zugleich ein Solist ist, drohen die losen Soundstrukturen immer wieder auseinanderzubrechen. Schon das Eröffnungsstück „Pharaoh’s Dance“ hat eine brodelnde Intensität, die bis zum sanft versöhnlichen Finale „Sanctuary“ nicht abebbt.

„Bitches Brew“ war für Miles Davis der Höhepunkt seiner Karriere. Immerhin hatte sich das Album 500.000 Mal verkauft. Gerne berichtete Davis, dass ihm das Konzept aus weniger Jazz und mehr Rock den Durchbruch bei der Hippie-Generation brachte; gerne berichtete er aber auch von Aktien und sechsstelligen Einnahmen oder von seinem Lamborghini.

Bruce Springsteen, Born To Run, 1975

Produzent/ Bruce Springsteen, Mike Appel, Jon Landau

Label/ Columbia Records

„Born To Run“ ist so etwas, wie „Astral Weeks“ für Van Morrison war; ein endgültiger und logischer Schritt aus einer musikalischen Vergangenheit in eine Zukunft ohne einengende Kategorien, wo die Musik aufhört, Vergleiche herauszufordern, wo er einfach jemand ist, der seine eigenen Lieder singt und die Musik einfach die Musik von diesem Typen… eh, wie heisst er noch… ach ja, Bruce Springsteen, ist.

Gleich das erste Stück „Thunderroad“ ist ein Stück bewältigte Vergangenheit: Wehmütig verlieren sich einige dylaneske Mundharmonikatakte, um Platz für Springsteens Stimme zu machen, die sich brüchig und unsicher in das Lied zu tasten scheint. Aber diese Unsicherheit dauert nicht lange. Es ist vorallem Springsteens Band, die seine Gitarre antreibt. Hervorragender Solist ist der Saxophonist Clarence Clemons, der es auf „Jungleland“ auch mit einem kompletten Streichersatz aufnimmt, der vielleicht nicht sein musste, und die Nummer davor bewahrt, der einzige Ausrutscher der Platte zu werden.

Bombastisch! Ja, das stimmt. Aber auch wenn einige Passagen dieser Platte objektiv überladen sind, wirken sie auf mich nicht so, weil diese Überfrachtung nicht mangelnde Ideen oder musikalische Schwächen mit technischen Mitteln zu übertönen versucht. Springsteen ist auf „Born To Run“ manchmal etwas übers Ziel hinausgeschossen, seine Energie ist vielleicht noch etwas zu unkontrolliert. Aber diese Energie, diese durchgehende Vibration ist es, was die Platte noch heute so lebendig und überzeugend macht.

Joy Division, Unknown Pleasures, 1979

Produzent/ Martin Hannett

Label/ Factory

Für mich bleibt „Unknown Pleasures“ stark mit der Zeit seines Erscheinens verknüpft, 1979: Punk hallte noch nach, Postpunk riss die Popmusik in alle Richtungen auf, und da tauchte diese Band aus Manchester auf, die Punksongs spielte, simpel und direkt, denen jedoch Wut, Lärm, Aufbegehren und Provokation abgingen. Joy Division das war gedrosselter, ja sedierter Punkrock; statt krachender Riffs tröpfelten dünne, einsam wirkende Klänge durch riesige verhallte Räume, die sich anfühlten wie verlassene Fabrikhallen im Winter. Und dann diese Stimme, deren Klang allein schon so viel von dem ausdrückte, was viele empfanden. Und alle diese Textfetzen, die sich festkrallten: „Guess the dream always end, they don’t rise up, just descend, but I don’t care anymore“ zum Beispiel, oder „Confusion on her eyes, that says it all – she’s lost control“. Keine Wut mehr, kein Aufbegehren, sondern Schwermut, Resignation, Perspektivlosigkeit und die existenziellen Ängste unsicherer Heranwachsenden.

Leider konnte Ian Curtis sich selbst nicht aus seinem inneren Gefängnis befreien, oder der traurige Suizid war sein Versuch der Befreiung. Nur wer sich vor Depressionen fürchtet oder sich noch nie mit den negativen Aspekten des Lebens auseinandersetzen musste, gar davor flüchtet, auf den wird diese Musik immer beängstigend wirken. Für mich ist es ein Album für die Zeit, das die Zeit überdauerte – eines der einflussreichsten Debüts überhaupt.

Tony Allen, The Source, 2017

Produzent/ Bertrand Fresel, Vincent Taurelle

Label/ Blue Note

Er war einer der nicht sehr häufigen Drummer, der mit seinem Instrument eine ganze Musikrichtung prägte. Ja, der im Grunde eine eigene Musikrichtung war. Tony Allens Spiel hört sich – für westliche Ohren jedenfalls – so an, als würde er ständig unglaublich genau und funky stolpern. Es gab und gibt hier sonst keinen, der so spielt.

In den 70ern war Allen der wichtigste Mann in Fela Kutis Band Africa ’70. Er verliess später die Band, weil er fand, dass Kuti seine Dringlichkeit verlor und sich auf Tour mit einer Horde mitgenommener Freunde zerstreute, statt Musik zu machen. Danach spielte Allen mit Manu Dibango und arbeitete am Afrofunk, sozusagen der um Hip-Hop erweiterten, modernisierten Version des Afrobeat. Dass Tony Allen heute auch bei vielen Pop- und Rock-Hörer bekannt ist, geht auf Damon Albarn zurück, der 2006 eine Band mit Allen, Paul Simonon von The Clash und Simon Tong von The Verve gründete: The Good, The Bad & The Queen. Tony Allen spielte später auch auf Soloplatten von Albran und der Cosmic-Dance-Supergroup Rocket Juice and the Moon. Exellent stilvoll gekleidet und musikalisch insistent trat Allen praktisch bis zuletzt an World-Music, Funk- und Rock-Festivals auf.

Seine womöglich allertollstes Vermächtnis ist aber die Schallplatte „The Source“: 2017 hatte der in Paris lebende Drummer aus Nigeria mit Musikern der französischen Jazzszene auf rein analogem Wege elf Titel eingespielt, die er zusammen mit dem Sopransaxofonisten Yann Jankielewicz komponiert hatte. Diese bieten eine abwechslungsreiche Mischung aus Jazz und Afrobeat, wobei mal diese Spielart dominiert, mal jene. Es kommt nicht häufig vor, dass man bei einem Album durchgängig am mitgrooven ist. Bei jedem einzelnen Stück lohnt es sich insbesondere auf das Schlagzeugspiel zu achten. 77 Jahre alt war Tony Allen als das Album aufgenommen wurde, und er verkörperte noch einmal die Zukunft der Musik. Mit knappen, trocken rausgehauenen und dabei extrem variablen Mustern aus Snare-, Hihat- und Bassdrum-Schlägen treibt er die Groovemusik voran und verspricht eine unerbittliche, aber bessere und grössere Welt.

 

 

Ein später Dezemberabend in Bern. Keine versöhnlichen Verszeilen zum Jahresende, kaum erbauliche Lyrik in Zeiten der Pandemie, stattdessen bloss die täglich kommunizierten Fallzahlen und die Angst in den Gesichtern, die hinter den Masken verschwunden sind. Am Eingang zum nächsten Jahr stehen Milliarden von Impfdosen bereit – ein globales Heilsversprechen, das sich hoffentlich für möglichst viele Menschen bald einlöst. Mehr bleibt uns nicht. Nicht ganz. Immerhin haben wir die Musik, und die bringt uns auch durch düstere Zeiten. Alben wie „The Neighborhood“ (Los Lobos), „Naturally“ ( J. J. Cale), „Innervisions“ (Stevie Wonder) oder „Boots No.2“ (Gillian Welch) versetzen uns in einen Zustand der Zeitlosigkeit, in dem Träume in jede Richtung der Zeitachse möglich sind. Dazu ein Glas Rioja und ein Teller Risotto Milanese – und alles wird wieder erträglich.

Ich bedanke mich bei allen, die diesen kleinen Musikblog abonniert haben, besonders aber bei den Leuten, die den einzelnen Beiträgen Ihre Aufmerksamkeit in Form von Kommentaren entgegenbringen, und die sich auch von persönlichen Geschmacksaussagen nicht schrecken und manchmal sogar überzeugen lassen. Was mich fesselt und was der Musik ihre menschliche Wärme und Bedeutung gibt, sind auch die Geschichten, die sich um sie ranken. Diese fehlen bei vielen seelenlosen und im Algorithmus entworfenen Produkten der Musikindustrie, und sie werden naturgemäss auch den künstlich erzeugten Liedern fehlen. Denn der Mensch ist und bleibt ein Wesen, das von Geschichten lebt, egal ob sie in Bildern oder in Worten erzählt werden.

Bleiben wir antizyklisch und beenden das Jahr, wie es sich gehört. Mit Austern und Champagner. Oder eben mit Dosenbier. Knack. Zisch.

 

A late December evening in Bern. No conciliatory verses at the end of the year, hardly any uplifting poetry in times of pandemic, just the daily communicated case numbers and fear in the faces behind the masks. For next year are billions of vaccination doses ready – a global promise of salvation and we hope it will be for so many people as possible. We don’t have more. Not quite. After all, we have the music, she gets us through dark times. Albums like “The Neighborhood” (Los Lobos), “Naurally” ( J. J. Cale), “Innervisions” (Stevie Wonder) or “Boots No.2” (Gillian Welch) can put us in a timelessness state where dreams in every direction are possible. Add a glass of redwine and a good meal – and everything becomes bearable again.

I say thanks to everyone who follows this little music blog, especially the people who pay attention to the individual posts in form of comments, and who are not frightened by personal statements of taste. What fascinates me and what gives the music its warmth and meaning are also the stories that surround it. These are missing in many soulless and algorithm-designed products of the music industry, and they will naturally also be missing in artificially produced songs. Because man is and remains a being that lives from stories, regardless of whether they are told in pictures or in words.

Let’s stay counter-cyclical and end the year the way as it should be. With oysters and champagne. Or with a can of beer. Crack. Hiss.

Little Richard, The Very Best Of, 2008

Producer/ Chris Clough

Label/ Specialty Records

Keiner konnte schreien wie Little Richard, keiner trat greller auf, keiner war auf der Bühne so wild, so flamboyant, so exaltiert wie er. Er hämmerte auf sein Klavier ein, wiegte sich, rannte, tanzte, versetzte das Publikum in Aufregung und legte mit jedem Stück, jedem Tanzschritt, jedem Hecheln, Jauchzen, Keuchen, Rufen, jeder Anfeuerungsparole und jedem Schrei noch einen drauf. „Ich mag es schnell“, sagte er anzüglich „rauf und runter, rein und raus.“ Ein Orgiastiker ohne Vorspiel. Sein grösster Stolz sei, sagte er einmal, dass er im schwarzen Süden schwarze und weisse Kids zusammengebracht habe.

Als Little Richard 1955 im J&M Aufnahme-Studio von New Orleans „Tutti Frutti“ vorspielte mit dem unvergesslichen Refrain „a-wop-boba-loo-bop-a-wop-bam-bom“, hörte der Produzent hinter dem Mischpult einen Hit heraus. Das Problem bestand darin, dass der Song von schwulem, analem Sex handelte. Auch „Long Tall Sally“, sein nächster Hit handelte von schwarzen Dragqueens, ihren Künstlernamen, der Länge ihres Glieds und ihren bevorzugten Sexpraktiken. Der Sänger musste also seine Texte kastrieren oder codieren, damit keines der seligen weissen Kids im Publikum wusste, was „duck back in the alley“ wirklich meinte.

Little Richard war Camp, bevor das Wort erfunden war: Er trug die Haare hochtoupiert, hatte die Augen stark geschminkt, zog sich grell an, in allen Farben, war behängt mit Schmuck.  „If Elvis was the king of Rock’n’Roll“, sagte er einmal, „then I was the queen.“ God save the Queen.